Rom, den 16. Juli 1992
"Seht, ich mache alles neu"
Offb 21, 5
Liebe
Brüder und Schwestern im Karmel,
Euch allen Friede und Heil im Herrn!
1. Die 500jahrfeier der
Erstevangelisierung Nord- und
Südamerikas und die Einladung der
Kirche zur Neuevangelisierung haben uns
bei unseren brüderlichen Begegnungen
auf den Gedanken gebracht, uns einmal
auf unsere gemeinsamen
karmelitanischen Wurzeln zu besinnen,
die wir innerhalb der Kirche haben.
2. Wir haben diese Idee als
Eingebung des Geistes Jesu begriffen.
Um der Einladung des Herrn Folge zu
leisten und um der Idee konkrete Gestalt
zu geben, haben sich die
Generaldefinitorien der Karmeliten (Ocarm)
und der Unbeschuhten Karmeliten (OCD)
verschiedene Male getroffen. Es
sollte dies auch eine Geste der
Brüderlichkeit und Kirchlichkeit
sein, wozu beide Seiten bereit sein
mußten, Schwierigkeiten und
Erinnerungen an Wunden, die von unserer
gemeinsamen Geschichte herrühren,
hinter sich zu lassen. Ziel der
Begegnungen sollte sein, einen
gemeinsamen Reflexionsprozeß zu
starten, um einerseits die schon länger
in Gang gekommenen Überlegungen
fortzusetzen, wie wir dem Gut, das der
Herr unseren beiden Ordensfamilien
anvertraut hat, in schöpferischer Treue
einen zeitgemäßen Ausdruck geben, dann
aber auch, wie wir dies Gut in der Welt
von heute in den Dienst der
Neuevangelisierung stellen können. In
der Tat leben wir ja, aus einer
gemeinsamen Wurzel heraus, in zwei
Grundtraditionen, mit denen wir uns
gegenseitig bereichern.
3. Mit diesem Brief möchten
wir Euch das Ergebnis unserer
Überlegungen mitteilen. Wir wünschen
sehr, das ähnliche geschwisterliche
Begegnungen von Brüdern und Schwestern
unserer beiden Ordenszweige und der
verschiedenen karmelitanischen
Gemeinschaften immer einmal wieder in
den Kommunitäten unserer Ordensfamilien
zustande kommen. So werden wir hellhörig
für das, was Gott von uns wünscht, und
wir werden fähig sein, in
geschwisterlicher Zusammenarbeit neue
Wege zu eröffnen, um auch an der
Schwelle des 3. Jahrtausends das
Charisma des Karmel zu leben und zu
bezeugen.
4. Ausgehend von der
kirchlichen 500jahrfeier möchte unser
Wort Friedens- und Hoffnungsbotschaft
sein; nicht nur für die in Nord- und
Südamerika lebenden Brüder und
Schwestern, sondern auch für alle
Karmeliten auf der Welt. Alle, die sich
von karmelitanischer Spiritualität
nähren, laden wir ein, wie Elija auf dem
Berge Horeb wachsam zu bleiben,
aufmerksam zu sein für Gott, der auch an
uns vorbeigeht und uns fragt "Was willst
du hier?" (1 Kön 19, 9).
Blick zurück
5. Unsere beiden Orden waren
bei der Erstevangelisierung Nord- und
Südamerikas mit engagiert, vor allem in
Brasilien und Mexiko. Ihre Tätigkeit der
Evangelisierung bestand darin, unter dem
Volk zu leben und dadurch Zeugnis zu
geben, daß sie zeigten, wie man ein
Leben des Gebetes führt, und versuchten,
die Verehrung der allerseligsten
Jungfrau Maria als "Madonna vom Berge
Karmel" im Volke zu verbreiten. Es
fehlte nicht an edlen
Persönlichkeiten, die an den
Freuden und Hoffnungen, aber auch dem
Kummer, der Trübsal und den Ängsten
der armen, unterdrückten Menschen
Anteil nahmen.
6. In diesen 500 Jahren war
die Anwesenheit unserer kontemplativ
lebenden Schwestern eine evangelikale
Präsenz. Ihr Lebenszeugnis betonte
die Absolutheit Gottes und die
Notwendigkeit des Gebets. Ebenso waren
unsere nach außen hin tätigen Schwestern
in fruchtbarer Weise präsent durch ihr
Gemeinschaftsleben, ihren Dienst am
Reiche Gottes, ihr Hören auf das Wort
Gottes und ihr apostolisches Zeugnis.
7. Es gab säkulare Gruppen,
die das Charisma des Karmel gelebt,
bezeugt und bereichert haben. Im
besonderen soll hier der Tätigkeit der
sogenannten Dritten Orden und der
karmelitanischen Bruderschaften gedacht
werden. Vielerorts, wo die Präsenz der
Ordensbrüder verboten war, haben sie es
dennoch verstanden, für das Evangelium
Zeugnis abzulegen, die Verehrung der
Karmelmadonna zu verbreiten und das
kirchliche Leben aufrechtzuerhalten.
8. Wir fühlen uns mit all
diesen Brüdern und Schwestern, die vor
uns gelebt haben, eins. Wir akzeptieren
diese Vergangenheit als unsrige, mit
den Licht- und Schattenseiten ihres
karmelitanischen Lebens und pastoralen
Dienstes.
9. Daher sagen wir Gott Dank
für das, was sie uns vorlebten und für
das Reich Gottes getan haben. Doch
zugleich bitten wir in ihrem Namen die
einheimischen und afroamerikanischen
Völker Nord- und Südamerikas um
Verzeihung für die begangenen Irrtümer
und Fehler.
Sich der Gegenwart bewußt werden
10. Wir sind Erben dieser unserer
Brüder und Schwestern; wir sind ein
Baum, der aus dem Samen erwachsen ist,
den sie pflanzten. Unsere heutige
Präsenz karmelitanischen Lebens stellt
unverändert ein prophetisches,
missionarisches Zeichen der Gegenwart
und Nähe Gottes in der Geschichte dar.
Der Geist hat eine Vielfalt von
Kongregationen und Säkularinstituten
erweckt, die die Werte des
karmelitanischen Charismas auf je
eigene Weise leben. Ebenso sind die uns
angeschlossenen Laienverbände an Zahl
und Qualität gewachsen.
11. Nachdem 500 Jahre seit der
Erstevangelisierung Nord- und
Südamerikas vergangen sind, ist es an
der Zeit, daß wir Karmeliten unsere
Vergangenheit genauer kennenlernen; denn
so werden wir unsere evangelikale Rolle
als Propheten und kontemplative
Menschen besser verstehen.
12. Der durch die 500jahrfeier
veranlaßte Rückblick auf unsere
amerikanische Geschichte führt uns dazu,
uns unsere Gemeinsamkeiten bewußt zu
machen und deren angemessensten
Ausdruck aufzusuchen: die Regel des
hl. Albert, die Heiligen, die
bedeutendsten Daten unserer
Geschichte, die verschiedenen Aspekte
unserer Spiritualität, die Techniken
der Evangelisierung und die Art und
Weise unserer Präsenz inmitten der
Menschen.
13. Die Erinnerung an die Fehler
der Vergangenheit sei uns Mahnung, damit
wir, wie Paulus sagt, nicht die Fehler
wiederholen, die sie gemacht haben (vgl.
1 Kor 10, 6-11). Oder besser: Wir
sollten es fertigbringen, immer offener
zu werden für das Neue, das im
Laufe der Geschichte als Zeichen Gottes
auftritt; denn Gott möchte in unser
persönliches wie auch gemeinschaftliches
Leben eintreten. Dies Neue
bekundet sich auf vielerlei Art und
Weise, vor allem aber in der Option für
die Armen, im prophetischen Zeugnis des
geweihten Lebens, in Aktionen für
Frieden und Gerechtigkeit, in der
Akzeptanz der Menschen, die am Rande der
Gesellschaft leben, in der Sehnsucht
nach Einheit, in der Suche nach einer
wirklichkeitsgerechten Spiritualität.
14. Die Einladung der Kirche zur
Neuevangelisierung macht uns bewußt, daß
unsere karmelitanische Berufung vor
allem kirchliche Berufung und unsere
Spiritualität allgemein ist, nämlich:
"in der Gefolgschaft Jesu Christi zu
leben". Diese Einladung verlangt von
uns auch, daß wir mit den Ansprüchen und
Herausforderungen der Welt von heute
fertig werden, wenn die Menschen uns
fragen, wie wir unser Charisma leben;
unser Charisma, das sich so
zusammenfassen läßt: in der
Gefolgschaft Jesu Christi leben nach dem
Beispiel Marias und des Propheten Elija.
In all den Reformen, die es unter
verschiedenartigsten geschichtlichen
Umständen gegeben hat, sind die
Karmeliten stets zu dieser Quelle
unserer Spiritualität zurückgekehrt, und
sie haben es verstanden, deren
bleibende Aktualität stets neu zu
entdeken. Teresa von Jesus, die die
wichtigste Reform in der Geschichte der
Familie des Karmel durchgeführt hat,
betonte immer wieder, daß wir
Nachkommen der Propheten zu sein hätten
wie es die ersten Karmeliten waren.
15. Die Spuren der
Evangelisationsarbeit, die die Brüder
und Schwestern unserer Karmelfamilie vor
uns geleistet haben, zeigen sich
deutlich in vielen Stücken der
Volksfrömmigkeit: in der
Marienverehrung, im Karmelskapulier
oder in den Gebeten des Volkes. Diese
Spuren, die aus unserer Vergangenheit
auf uns gekommen sind, sind uns
beständiger Ansporn, unseren Ursprüngen
treu zu bleiben und uns den Menschen zu
verpflichten. Diese Spuren haben auch im
Kontext der Kirche von heute der
Ausgangspunkt einer Neusichtung
unseres Charismas zu sein, denn in
unserer auf so tragische Weise zwischen
Arm und Reich geteilten Welt erfüllt die
Kirche heute eine evangelikale Option
für die Armen.
Projekte für die Zukunft
16. Unser Charisma neu überdenken
und sich ihm verpflichten: wenn wir dies
tun, dann müssen wir bei den Zeichen der
heutigen Zeit und den großen
Herausforderungen der Neuevangelisierung
ansetzen.
17. Die Neuevangelisierung wird
nur neu sein, wenn sie von einer neuen
Spiritualität ausgeht. Es genügen
nämlich nicht die neuen Techniken und
neuen pastoralen Hilfsmittel. Wahre
Neuevangelisierung muß vielmehr, wie
schon bei Maria, beim Propheten Elija,
bei Teresa und Johannes vom Kreuz, aus
einer neuen Erfahrung mit dem lebendigen
Gott kommen, vor dessen Angesicht wir
dauernd stehen. Wie bei Jesus muß sie
ihren Anfang nehmen bei einer
leidenschaftlichen Liebe zum Vater und
sich ihrerseits in Hingabe an die Armen
und am Rande der Gesellschaft lebenden
Menschen umsetzen.
18. Die Neuevangelisierung, zu der
wir eingeladen sind, kann nicht von dem
neuen Kulturniveau absehen, das die
Menschheit heute besitzt oder dabei ist
sich anzueignen und das eine höher
entwikelte Vision des Menschen und der
Kirche umschließt. Wenn wir Christus
treu sein wollen, können wir nicht an
der Vergangenheit kleben, ohne weitere
Probleme zu haben. "Wenn man nicht mit
der Zeit geht", schreibt Johannes Paul
II., "bleibt man zurück.
Rückständigkeit aber disqualifiziert
das eigene Tun, und dies hat die
unvermeidliche Ablehnung seitens der
Menschen zur Folge". Wenn wir uns also
neue Gedanken machen wollen,
insbesondere unser Charisma neu
überdenken wollen, dann müssen wir bei
dieser neuen Erfahrung mit Gott beginnen
und die Menschen, mit denen wir
zusammenleben und denen wir dienen
wollen, da abholen, wo sie stehen.
19. In den Sitzungen, die wir in
Rom abgehalten haben, hat sich ergeben,
daß die Neusichtung unseres Charismas
durch drei Wesenszüge gekennzeichnet
ist; wir möchten sie euch im folgenden
mitteilen.
1. Kontemplative Erfahrung mit Gott
20. In der ganzen Welt ist die
Notwendigkeit und die Sehnsucht nach
Spiritualität groß. Einige traditionelle
Symbole für die Gegenwart Gottes können
seine Botschaft heute nicht mehr
übermitteln. Die Menschheit ist in
eine "dunkle Nacht" eingetreten und
stellt uns, je nach Kontinent auf
verschiedene Art und Weise, die
angstvolle Frage: "Wo ist dein Gott?".
21. Dies ist die Herausforderung.
Wir sind aufgerufen, das menschliche
Herz als die Wohnung des
Gott-mit-uns wiederzuentdeken, und
müssen uns deshalb einer neuen Erfahrung
mit Gott öffnen. Es wird die sein, daß
wir unser Charisma mit neuen Augen lesen
und die Zeichen der Gegenwart Gottes in
der heutigen Welt unterscheiden
lernen. Ohne diese persönliche und
gemeinschaftliche Erfahrung mit Gott
werden wir unser Charisma nicht neu
verstehen können und werden folglich
nicht imstande sein, unsere Mission als
Karmeliten in der Kirche und der Welt
von heute zu erfüllen.
22. Dies bringt mit sich, daß wir
keine Angst haben dürfen zuzulassen, daß
sich unter uns neue Wege eröffnen in
Gebiete, wo die "Nacht" noch "dunkler"
ist, vor allem bei den Menschen, die in
Armut und am Rande der Gesellschaft
leben; denn dort macht Gott sich
deutlicher erfahrbar, und sein
Gegenwärtigsein wird von uns auf neue
Weise entdeckt werden können. Dort
werden wir nach der Weise des Propheten
Elija "das sanfte, leise Säuseln" (1 Kön
19, 12) vernehmen können.
23. Als karmelitanische Familie
haben wir als bedeutendstes und
augenfälligstes Beispiel für ein
ähnliches Tun das von Maria, der Mutter
und Schwester aller Karmeliten, vor
uns. Sie verstand es in ihrem Leben, das
Wort Gottes aufzunehmen, zu bedenken und
Fleisch werden zu lassen und so allen
die Frohe Botschaft zu offenbaren.
2. Brüderlichkeit als Frucht und
Zeichen der Kontemplation
24. In der heutigen Welt
verschärfen sich die Spaltungen aus
vielfältigen geschichtlichen Ursachen.
Das kapitalistische System steigert
die Ausbeutung der Völker der Dritten
Welt. Unterdes wachsen Haß und
Zwiespalt so sehr an, daß man meinen
könnte, Brüderlichkeit sei eine
unverwirklichbare Utopie.
25. Und auch hierin liegt wieder
eine Herausforderung für uns. Wir sind
zu einem Leben der Brüderlichkeit
berufen und müssen deshalb darauf
hinwirken, daß unsere Kommunitäten ein
lebendiger Beweis dafür sind, daß
Brüderlichkeit möglich ist; eine
Brüderlichkeit, die vom Hören und
Bedenken des Wortes kommt, die dazu
beiträgt, daß das Leben menschlicher
wird, daß Menschen trotz bestimmter
Verschiedenartigkeiten sich vereinen,
und die so das Evangelium leibhaftig
anwesend machen kann. Auf diese Weise
werden unsere Kommunitäten zu Zeichen
der Hoffnung, sodaß die Armen das
von uns sagen können, was die Witwe von
Sarepta zum Propheten Elija gesagt hat:
"Jetzt weiß ich, daß du ein Mann Gottes
bist und daß das Wort des Herrn wirklich
in deinem Munde ist" (1 Kön 17, 24).
26. Maria ist für uns Symbol und
Modell des Gemeinschaftslebens. Unsere
Verehrung ihr gegenüber muß uns
bewegen, ihr Beispiel nachzuahmen, muß
uns zur Freiheit führen und uns fähig
machen, die Brüderlichkeit und
Schwesterlichkeit zu verwirklichen, die
sie selbst im Magnificat besingt
(vgl. Lk 1, 46-55).
3. Prophetie und Engagement für
Gerechtigkeit
27. Als "Söhne und Töchter der
Propheten" können wir nicht an dem
vorbeigehen, was in der Welt geschieht.
Als Internationale Familie, die auf
allen Kontinenten vertreten ist, müssen
wir uns bewußt werden, daß eine
Grundungerechtigkeit die Menschheit in
Arm und Reich teilt, mit all den
traurigen Konsequenzen für das Leben
einer überwältigenden Mehrheit. Als
Männer und Frauen der Kontemplation
müssen wir imstande sein, ein
prophetisches Wort zu sagen, nicht nur
als Anprangerung des Bösen, sondern auch
als Wort der Annahme und des Feingefühls
für die Opfer. Wir, die wir uns bewußt
sind, daß Gott im Herzen des Menschen
gegenwärtig ist, können nicht hinnehmen,
daß die menschliche Person in ihrer
Würde verletzt wird. Unsere Liebe zum
Nächsten, der ja lebendiges Abbild
Gottes ist, drängt uns, uns an die Seite
der Bedürftigsten, der Geringsten zu
stellen. Unsere Option für die Armen ist
theologisch begründet: Sie geht vom
Geheimnis des Gott-mit-uns und dem
Geheimnis der Menschwerdung aus und
lädt uns daher ein, der Gerechtigkeit
und dem Frieden die Bahn zu ebnen.
28. Um "in der Gefolgschaft Jesu
Christi leben und ihm mit reinem Herzen
und gutem Gewissen dienen" zu können,
müssen wir von Jesus lernen, auf den
geistlichen Reichtum und die geistlichen
Möglichkeiten zu achten, die sich mitten
unter den Armen und den am Rande der
Gesellschaft Dahinexistierenden finden.
Vereint mit Ihm können wir so zum Vater
sprechen: "Ich preise dich, Vater, ...
weil du all das den Weisen und Klugen
verborgen, den Unmündigen aber offenbart
hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen"
(vgl. Lk 10, 21).
SCHLUSS
29. Indem wir diese unsere
Botschaft abschließen, möchten wir zur
Einheit mahnen. Nur wenn sich alle
unsere Kräfte vereinen, wird es möglich
sein, Lateinamerika und den anderen
Kontinenten eine echte Evangelisation
anzubieten und eine karmelitanische
Präsenz, die fruchtbarer Dienst an der
Kirche ist: Quelle neuer Spiritualität
und engagierten, befreienden Gebetes.
Wir laden Euch, Brüder und Schwestern,
alle ein, gemäß folgenden drei
Leitgedanken neue Wege zu einer
Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit
unter uns zu suchen:
a)in dem Teil der Welt, in dem wir
leben, die Möglichkeiten ernsthafter
wahrnehmen, die sich uns bieten, um die
Spiritualität unserer Ordensfamilie zu
erfahren;
b)im Geiste unseres Charismas
Möglichkeiten der Mitarbeit anbieten in
Exerzitien- und Spirtualitätszentren,
bei Begegnungen mit dem Thema
Spiritualität, Mitarbeit an
Publikationen u.a. mehr;
c)im Dienste an den Menschen in der
Weise zusammengehen, daß unsere
Spiritualität Antwort geben kann auf die
Ansprüche und Herausforderungen der
heutigen Welt: die Herausforderung der
Säkularisierung, der Modernität und im
Zusammenhang damit der schrecklichen
Verelendung weit über der Hälfte der
Menschheit.
30. Sagen wir schließlich in
unseren Gebeten Gott Dank dafür, daß er
in uns den Geist wachgerufen hat, den
Problemen der Welt nahe zu sein.
Gedenken wir in Dankbarkeit unserer
Brüder und Schwestern der Vergangenheit,
die uns jetzt, anläßlich der
500jahrfeier der Evangelisierung
Amerikas, zu größerer Treue zu unserem
Charisma und zum einfachen, gläubigen
Volk aufrufen. Danken wir der Kirche,
die, angefangen bei den Armen der
kirchlichen Basisgemeinden und anderer
Gruppen, uns alle in der Liebe zum Wort
Gottes wachsen läßt und uns zu größerer
Treue zu unserer Regel bewegt, der
Regel, die uns mahnt, "Tag und Nacht das
Gesetz des Herrn zu bedenken und im
Gebet zu wachen".
31. Möge Unsere Liebe Frau vom
Berge Karmel uns helfen, in diesem
kritischen Moment der Geschichte der
Welt und unserer Ordensfamilie treu zu
sein, wie Jesus es von uns wünscht. Wie
in der Vergangenheit schaut Maria auf
uns und behütet uns. Wenn unser
Verlangen, wieder treu zu sein - sei es
gegenüber unserem Charisma oder
gegenüber den Armen - uns in eine
Identitätskrise geführt hat, dann hat
unsere Hinwendung zu Ihr uns geholfen,
zu unserem geistlichen Status als
Mendikanten zurückzukehren.
Schwester, Mutter und Königin des Karmel
bitte für uns bei deinem Sohne Jesus und
erwirke uns den Segen Gottes!
Fr. John Malley Ocarm. - Fr. Camilo
Maccise OCD