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Liebe Schwestern und Brüder im Karmel!
1.
Am kommenden 11. Oktober dieses Jahres wird
unsere Mitschwester Teresia Benedicta vom
Kreuz (Edith Stein) im Petersdom zu Rom
heiliggesprochen. Diese Feier bedeutet das
Ende einer Suche nach der Wahrheit auf dem
Weg des Evangeliums, der von Leiden und
Entsagung gekennzeichnet ist; doch auf
diesem Weg hatunsere neue Heilige an der
doppelten Dimension des Paschamysteriums,
dem Tod und der Auferstehung Jesu, Anteil
erhalten; sein Leben zu verlieren, um es für
Christus zu gewinnen (vgl. Mt 10,39). Der
Satz, den sie beim Verlassen des Karmels in
Echt in Holland zu ihrer Schwester Rosa
gesagt und diese dabei an der Hand genommen
hat: Komm, wir gehen für unser Volk!"
offenbart ihre innerliche Einstellung der
Hingabe. Mit der Vernichtung der katholisch
gewordenen Juden, die sie am Anfang
verschonen wollten, rächten sich die
nationalsozialistischen Machthaber an den
holländischen Bischöfen, die in einem
Hirtenbrief gegen die Verschleppung der
Juden protestiert hatten. So starb Edith
Stein als Jüngerin Jesu, doch gab sie sich
in ihrem Märtyrertod zugleich auch für die
Brüder und Schwestern ihres Volkes hin.
Die
Heiligsprechung Edith Steins ist ein
erneuter Beweis, daß Gott auch an der
Schwelle zum dritten Jahrtausend in seiner
Kirche lebt und wirkt, besonders aber uns,
die wir zum Karmel gehören. Das Leben dieser
großen Frau - Jüdin, Wahrheitssucherin,
Jüngerin Jesu - ist für das Verhältnis
zwischen Glauben und Wissenschaft, den
ökumenischen Dialog, das Ordensleben, die
Spiritualität und sowohl innerhalb als auch
außerhalb der Kirche von Bedeutung.
In
Offenheit für die Stimme des Geistes, der
durch das Leben und das Martyrium unserer
Mitschwester zu uns spricht, wollen wir uns
ihrer Erfahrung und Lehre stellen, um
dadurch unser Leben zu erneuern und unsere
Berufung und Sendung mit neuem Leben und
neuem Ernst zu erfüllen.
I
EDITH STEIN - EINE FRAU UNSERER ZEIT
2.
Als Frau unserer Zeit gibt uns Edith Stein
wertvolle Hinweise und hilft uns, manche
einseitigen Einschätzungen, die einer vollen
Anerkennung der Würde der Frau und ihres
spezifischen Beitrags in Gesellschaft und
Kirche im Wege stehen, zu überwinden.
Heutzutage bedarf es dringend einiger
konkreter Schritte, davon ausgehend, daß den
Frauen Räume zur Mitwirkung in verschiedenen
Bereichen und auf allen Ebenen eröffnet
werden, auch in den Prozessen der
Entscheidungsfindung, vor allem dort, wo es
um sie selbst geht".(1)
Wahrheitssucherin
3.
Für die Wahrheit, die sie suchte und
schließlich fand, hat Edith Stein einen
guten Teil ihres Lebens eingesetzt. Sie gibt
zunächst ihren jüdischen Glauben auf und
vertieft sich in die Philosophie, um so den
Sinn des menschlichen Daseins zu verstehen.
Aus dem Unglauben heraus wird sie katholisch
und erwirbt in der Nachfolge Jesu Schritt
für Schritt die Erfahrung der
Kreuzeswissenschaft", die sie befähigt, in
den Karmel einzutreten und später dann für
ihren Glauben und für ihr Volk zu sterben.
Im
Überdenken ihrer Suche nach der Wahrheit
kommt sie zur Überzeugung, daß Gott die
Wahrheit ist. Wer die Wahrheit sucht, der
sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht";(2)
und: Der Wahrheitssucher lebt vorwiegend im
Herzpunkt seiner Verstandestätigkeit; wenn
es ihm wirklich um die Wahrheit zu
tun ist (nicht um ein bloßes Sammeln von
Einzelnerkenntnissen), dann ist er
vielleicht dem Gott, der die Wahrheit ist,
und damit seinem eigenen Innersten, näher
als er selbst weiß".(3)
4.
Ihr lange Suche nach Wahrheit und Echtheit
findet in der Begegnung mit Teresa von Jesus
ihre Erfüllung. Es war im Sommer 1921, als
Edith im Haus ihrer Freunde weilte und in
der Bibliothek die Autobiographie der
Heiligen aus Avila fand: Ich griff hinein
aufs Geratewohl und holte ein umfangreiches
Buch hervor. Es trug den Titel Leben der
Heiligen Theresia von Avila, von ihr selbst
geschrieben Ich begann zu lesen, war
sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis
zum Ende. Als ich das Buch schloß, sagte ich
mir: 'Das ist die Wahrheit'".(4)
Als sie später über die Vida der hl.
Teresa nachdachte, erzählt sie, warum es sie
so betroffen gemacht hat, und enthüllt damit
ihren brennenden Durst nach Wahrheit: Außer
den Konfessionen des heiligen Augustinus
gibt es wohl kein Buch der Weltliteratur,
das wie dieses den Stempel der
Wahrhaftigkeit trägt, das so unerbittlich in
die verborgensten Falten der eigenen Seele
hineinleuchtet und ein so unerschütterliches
Zeugnis von den 'Erbarmungen Gottes'
ablegt".(5)
Teresa von
Jesus hat die Bekehrung Edith Steins ganz
entschieden beeinflußt; deshalb verspürt sie
von Anfang an den Ruf, sich im Karmel für
das Wohl der Menschheit dem Dienst des Herrn
zu weihen. Im Seligsprechungsprozeß sagt ein
Zeuge aus, daß die Heilige ihm folgendes
erzählt habe: Ich habe von der Dienerin
Gottes erfahren, daß sie den Karmel deshalb
schätzte, weil sie dort mehr Zeit für das
persönliche Beten hatte. Seit ihrer Taufe
strebte sie zum Karmel. Ein geschlossenes
Benediktinerinnenkloster wurde von ihr nie
in Erwägung gezogen, weil dort nicht die
ganze Zeit für das Beten zur Verfügung
steht, die sie benötigte".(6)
Bekehrung als Gewinn und Verlust
5.
Es ist die Begegnung mit dem Kreuz und
dessen Kraft gewesen, die es einer
protestantischen Freundin, Anne Reinach,
Witwe des Philosophen Adolf Reinach,
mitteilte, was schließlich das durch ihren
Unglauben aufgerichtete Hindernis aus dem
Weg räumte. Diese Begegnung ist uns mit
folgenden Worten überliefert: Es war dies
meine erste Begegnung mit dem Kreuz und der
göttlichen Kraft, die es seinen Trägern
mitteilt. Ich sah zum ersten Mal die aus dem
Erlöserleiden Christi geborene Kirche in
ihrem Sieg über den Stachel des Todes
handgreiflich vor mir. Es war der
Augenblick, in dem mein Unglaube
zusammenbrach, das Judentum verblaßte und
Christus aufstrahlte: Christus im Geheimnis
des Kreuzes".(7)
Später, als Edith schon in Echt war,
schreibt sie an die Priorin ihres Klosters
in Echt: Eine scientia crucis
(Kreuzeswissenschaft) kann man nur gewinnen,
wenn man das Kreuz gründlich zu spüren
bekommt. Davon war ich vom ersten Augenblick
an überzeugt und habe von Herzen: Ave,
Crux, spes unica! (Sei gegrüßt, Kreuz,
unsere einzige Hoffnung) gesagt".(8)
6.
Edith Stein konvertierte 1922 im Alter von
31 Jahren zum katholischen Glauben. Der
tiefe Sinn ihrer Bekehrung liegt in der
Tatsache begründet, daß sie im Kreuz den Weg
zur Auferstehung gefunden hat, darin, daß
ihr der Widerspruch des Evangeliums des
Verlierens um zu gewinnen zu einer
tiefen Erfahrung geworden war. Die Probleme,
die ihre Konversion bei den Mitgliedern
ihrer Familie verursachte, ließen auch nicht
lange auf sich warten, da diese den Grund
für diese Entscheidung nicht verstehen
konnten. In ihrem Buch
Kreuzeswissenschaft erläutert sie die
zwischen Leiden und Herrlichkeit bestehende
Verbindung. Die Passion und der Tod Jesu
verzehren unsere Sünden im Feuer. In dem
Maße nun, in dem wir diese Wahrheit im
Glauben annehmen und Jesus nachzufolgen
versuchen, wird er uns durch sein Leiden und
Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung
geleiten. Edith verbindet diese Überzeugung
mit der Erfahrung der Kontemplation, die auf
dem Weg über die Läuterung zur Liebeseinung
mit Gott führt: Daraus erklärt sich ihr
zwiespältiger Charakter. Sie ist Tod und
Auferstehung. Nach der Dunklen Nacht
strahlt die Lebendige Liebesflamme
auf".(9)
Auf diese Weise gelangt man in den Besitz
der Kreuzeswissenschaft".
Dieser
Bekehrungsprozeß ist Edith
selbstverständlich nicht leicht gefallen. Es
waren Jahre des Suchens, die schließlich
durch die Begegnung mit der Autobiographie
der hl. Teresa von Jesus ihr Ende fanden.
Wie in dieser, nahm Christus auch in ihrem
Leben immer mehr den wichtigsten Platz ein.
In ihm begegnet sie der WAHRHEIT und dem
Freund, mit dem sie immer im Gespräch
verweilen kann. So fehlte ihrer Konversion
nicht der Akzent von Radikalität, denn sie
dachte ursprünglich, daß sie alles Irdische
aufgeben müsse, um ausschließlich für die
himmlischen Dinge zu leben. Nur allmählich
begriff sie, daß je tiefer jemand in Gott
hineingezogen wird, er desto mehr muß auch
in diesem Sinn 'aus sich herausgehen' muß,
d. h. in die Welt hinein, um das göttliche
Leben in sie hineinzutragen".(10)
7.
Der menschliche und geistliche Weg Edith
Steins ist der Weg einer Frau unserer Zeit.
Von ihrer persönlichen Erfahrung als Frau
her und aufgrund ihrer
philosophisch-anthropologischen Reflexion
über das Sein und die Aufgabe des Menschen
macht sie sich ihre Gedanken über die Rolle
der Frau in Gesellschaft und Kirche. Ihre
geistige Fähigkeit, ihre akademische und
berufliche Ausbildung und ihre Lehrtätigkeit
machten sie zu einer Frau, die die
Herausforderungen ihres Auftrags von ihrer
bewußten Identität als Frau her lebte. Edith
verstand es, diese Herausforderungen, die
die Situation in Gesellschaft und Kirche
damals aufgab, in Klarheit und
Ausgewogenheit anzugehen.
Als
Lehrerin in Speyer von 1923 bis 1931
verstand sie es, sich den Problemen der
Frauenbildung zu stellen, und verhalf
dadurch ihren Schülerinnen zur Vertiefung
ihrer Eigenschaften als Frauen, die wie der
Mann als Ebenbild Gottes geschaffen sind.
Dabei stellte sie auch die übernatürliche
Berufung der Frau und die Ethik der
Frauenberufe heraus. Grundlage für ihre
Reflexion war eine genaue Analyse der
Eigenschaften der weiblichen Psyche.
Auf diese
Weise verstand sie es, vom Reichtum eines
christlichen Lebens als Frau, das ganz in
die Wirklichkeit der Welt eingebunden ist,
Zeugnis abzulegen, und es wird verständlich,
warum sie sich dem Unterricht als einem
Apostolat gewidmet hat, obwohl sie sich
nicht mehr wie früher bemüht hat, als Frau
einen Lehrstuhl an einer Universität zu
erhalten. Bei ihrer Tätigkeit als Lehrerin
gelang es ihr, den direkten und persönlichen
Umgang mit ihren Schülerinnen mit fachlicher
Kompetenz zu vereinen. Sie erinnern sich an
sie immer als eine offene und
verständnisvolle Frau, die in der
Einschätzung der Frau und in ihrem
selbstlosen Bemühen um deren Förderung ihrer
Zeit weit voraus war. Deshalb wurde sie
Mitglied beim Verein Katholischer
bayerischer Lehrerinnen und stand mit
besonderer Liebe auch den Junglehrerinnen
zur Verfügung. Dadurch dehnte sich ihr
Wirkungskreis noch weiter aus, so daß sie
für die Frau ihrer und unserer Zeit zur
Wegweiserin wurde.
Besonderheit der Berufung der Frau
8. Der
Ausgangspunkt für die
philosophisch-anthropologische Reflexion
Edith Steins ist ihre eigene, durch die Hl.
Schrift, besonders deren ersten Seiten
erleuchtete Erfahrung, wo sie im
Zusammenhang mit der Erschaffung des
Menschen Mann und Frau in ihrer Gleichheit
und Verschiedenheit als Ebenbild Gottes
vorstellt: Ursprünglich war beiden gemeinsam
aufgegeben, die Bewahrung der eigenen
Gottähnlichkeit, die Herrschaft über die
Erde und die Fortpflanzung des
Menschengeschlechtes".(11)
Vom
philosophisch-anthropologischen, nicht
soziologischen Standpunkt aus unterstreicht
Edith zwei besondere Merkmal der weiblichen
Psyche: die Hingabe der Person in
Zusammenarbeit mit dem Mann und die
Mutterschaft. Ihre Berufung als Gefährtin
des Mannes bringt sie dazu, alles, was ihn
betrifft, mit ihm zu teilen, sei es klein
oder groß. Sie geht an der Seite des Mannes,
in liebender Teilnahme an seinem Leben.
Natürliche Einfühlungsgaben in fremdes Wesen
und fremde Bedürfnisse, Anpassungsfähigkeit
und Anpassungswilligkeit sind darin
beschlossen".(12)
Die Frau hat ein tiefes Bedürfnis, das Leben
mit einem anderen zu teilen und deshalb die
Fähigkeit zu selbstloser Liebe, Hingabe und
Selbstzurücknahme. Andererseits drängt sie
ihr Verlangen nach der Mutterschaft zu
allem, was mit dem Leben und dem Menschen zu
tun hat und zu einer mehr konkreten und
kontemplativen Erkenntnisweise. Ihr Wesen
als Mutter und Gefährtin richtet sie auf all
das aus, was Bezug zum Menschen hat. Sie hat
die Aufgabe, Kinder zu gebären und hat als
Nachfolgerin Evas, der Mutter aller
Lebendigen", auch den Auftrag der
Vorbereitung auf die Wiedergewinnung des
Lebens".(13)
Das bringt Edith Stein dazu, den Sinn und
die Größe einer geistlichen Mutterschaft im
Ordensleben herauszustellen, das in
Übereinstimmung mit den Eigenschaften des
Frauseins das Verlangen der Frau nach
Ganzheit verwirklicht: In selbstvergessener
Liebe sich Gott restlos hinzugeben, das
eigene Leben enden zu lassen, um für Gottes
Leben in sich Raum zu schaffen, ist Motiv,
Prinzip und Ziel des Ordenslebens".(14)
Eine
Botschaft für die Frau von heute
9.
Edith Steins Erfahrung und philosophische
Reflexion über Wesen und Aufgabe der Frau
sind in der Kirche und Welt von heute von
großer Bedeutung, da sie im Hinblick auf die
Förderung der Frau und die Notwendigkeit,
ihr im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen,
politischen und religiösen Leben Bereiche zu
eröffnen, von Tag zu Tag sensibler werden.
Ein Feminismus, der diesen Namen zu Recht
verdient, findet im Leben und in den
Schriften Edith Steins wertvolle Hinweise,
um die Würde und die Sendung der Frau auf
der Grundlage ihrer in ihrem tiefsten Wesen
verwurzelten Identität und Sendung zu leben
und zu fördern. Ähnliches können wir im
Hinblick auf das Ordensleben sagen, das,
wenn man es als Geschenk seiner selbst an
Gott und die Mitmenschen versteht, eine
vollständige Verwirklichung der innersten
Regungen der Frau sind: Hingabe,
Mutterschaft, Dienstbereitschaft.
Ideal
dieser Werte der Frau ist für Edith Stein
die Jungfrau Maria. In ihr wird das
weibliche Geschlecht dadurch geadelt, daß
der Heiland von einer menschlichen Mutter
geboren wird, daß eine Frau die Pforte war,
durch die Gott in das Menschengeschlecht
Eingang fand".(15)
Sie gibt sich ihrer Sendung durch das
Verschenken ihr selbst in stillem Vertrauen
hin und stellt ihr ganzes Wesen für den
Dienst des Herrn für die Gründung des
Reiches zur Verfügung.(16)
Diese Aufgabe Marias macht sie für die Frau
in allen Bereichen des menschlichen Lebens -
Familie, Gesellschaft und Kirche - zum
Vorbild, denn in der Mittelstrophe des
Magnificat zeigt sie, daß sie von den
sozialen und politischen Problemen betroffen
ist, wenn die Mächtigen von ihren Thronen
gestoßen werden. So können weder der Mann
noch die Frau gegenüber den tatsächlichen
Problemen unbeteiligt bleiben oder auf die
sich ergebenden Herausforderungen mit
Gleichgültigkeit reagieren.(17)
II VOM JUDENTUM ZUM UNGLAUBEN
UND ZUM CHRISTLICHEN GLAUBEN
10. In dem für Edith Stein typischen
Lebensvollzug des Verlierens um zu
gewinnen ergibt es sich, daß sie im
Alter von 14 Jahren ihren jüdischen Glauben
verliert und auf den Weg des Unglaubens
einbiegt, um schließlich nach 17 Jahren den
christlichen Glauben zu gewinnen.
Ihre
jüdischen Wurzeln und ihr Weg zur Bekehrung
Geboren in
einer strenggläubigen jüdischen Familie als
letztes von elf Geschwistern, verlor sie mit
knapp zwei Jahren ihren Vater. Ihre Mutter,
eine starke und energische Frau, übernahm
die Erziehung ihrer Kinder und das von ihrem
Mann gegründete Holzgeschäft. Edith bewies
von Anfang an eine große intellektuelle
Begabung. 1911 immatrikulierte sie sich an
der Universität Breslau und belegte
Germanistik, Geschichte und Psychologie. Um
die Vorlesungen des berühmten Philosophen
Edmund Husserl, des Hauptvertreters der
Phänomenologie, hören zu können, zieht sie
1913 nach Göttingen und 1916 nach Freiburg
um, wo sie mit summa cum laude zum
Doktor der Philosophie promoviert und
Husserls Assistentin wird.
Schon
bevor Edith nach Göttingen kam, betrachtete
sie sich als ungläubig. Ihre vorwiegend
legalistische und sich jeglicher Offenheit
auf eine größere Fülle verschließende
religiöse Erziehung sowie eine sich auf den
nachkantischen Idealismus gründende
Schulausbildung mündeten in den Verlust
ihres jüdischen Glaubens. Der philosophische
Idealismus stellte in der Tat die Dinge und
Fakten, die den Gegenstand des Glaubens
bilden, in gewisser Weise als unmöglich hin,
so daß Edith nichts annahm, was nicht
bewiesen werden konnte, und sei es der
Glaube ihrer Väter. Sie konzentrierte ihre
ganze Kraft auf die philosophische Reflexion,
bis sie durch sie und durch das Zeugnis
anderer Menschen Christus begegnete. Im
ersten Augenblick, als ihr Unglaube ins
Wanken kam, drängte es sie noch nicht zur
Konversion zum Christentum und noch weniger
zur Rückkehr zum jüdischen Glauben ihrer
Kindheit, vielmehr vollzog sich ein
langsamer Reifungsprozeß, der allerdings
eine Garantie für ihre persönliche Begegnung
mit Christus war.
Bei ihrer
Suche nach dem Sinn des menschlichen Lebens
und dem Grund des Menschseins ist die
Begegnung mit Max Scheler und Edmund Husserl
entscheidend gewesen. Sie halfen ihr, sich
dem Bereich der Phänomene" zu öffnen, vor
denen es ihr nun schon nicht mehr möglich
war, wie sie erzählt, die Augen zu
verschließen. Nicht umsonst wurde uns
beständig eingeschärft, daß wir alle Dinge
vorurteilsfrei ins Auge fassen, alle
'Scheuklappen' abwerfen sollten".(18)
Die phänomenologische Methode nahm sie
gleichsam an der Hand und führte sie, durch
die Erfahrung der Endlichkeit des
menschlichen Seins hindurch, nach und nach
zu den Werten des Glaubens, so daß sich ihr
das ewige Sein erschloß.
Vereint
mit ihrem Volk
11.
Die Konversion zum Christentum brachte Edith
Stein zu einer Wiederentdeckung ihrer
jüdischen Wurzeln und ihrer Zugehörigkeit
zum Volk Israel. Außer daß sich ihre
familiären Bande wieder verstärkten, nahm
sie in ihrem Leben als Christin auch immer
mehr die Überzeugung mit auf, daß sie dazu
berufen sei, ihre Leiden und ihr Leben auch
für ihr Volk aufzuopfern.
Das war
kein leichter Weg. Sie mußte mit dem Schmerz
fertig werden, den die Nachricht von ihrer
Konversion ihrer Mutter zufügen würde, die
fest im jüdischen Glauben verwurzelt war, ja
sie fürchtete sogar, von ihrer Familie
verstoßen zu werden. Ihre Mutter konnte es
jedenfalls nicht unterlassen, sie ihre
Verwundung über diese Veränderung spüren zu
lassen. Ebenso verhielten sich auch ihre
Geschwister, wiewohl sie schließlich eine in
einer langsamen und bewußten Suche nach der
Wahrheit getroffene Entscheidung
respektieren mußten. So bemühte sich Edith,
ihrer Mutter nahe zu sein und blieb deshalb
mehrere Monate in Breslau. Dabei begleitete
sie ihre Mutter in die Synagoge und hielt
sich am Versöhnungstag mit ihr sogar an das
strenge Fasten. Andererseits war diese von
der Art und Weise, wie ihr Tochter zu beten
pflegte, tief beeindruckt.
Die Liebe
zu ihrem Volk und das Bewußtsein, vom Herrn
eine Sendung erhalten zu haben, wuchsen, als
sich die Verfolgung der Juden verschärfte.
Sie spürte, daß ihre Zugehörigkeit zum
auserwählten Volk sie nicht nur geistlich,
sondern auch blutsmäßig mit Christus
verband, und wurde sich bewußt, daß das
Schicksal ihres verfolgten Volkes ihr
eigenes war. So unternahm sie, was ihr
möglich war, und ging sogar so weit, dem
Papst zu schreiben und um ein Rundschreiben
zum Problem des Antisemitismus zu bitten.
Bereits 1933 wurde ihr klar, daß Christi
Kreuz auf die Schultern des jüdischen Volkes
gelegt würde, auch wenn es das nicht
versteht. Es war der Zeitpunkt, als sie dem
Herrn ihr Verlangen offenbarte, es im Namen
aller anzunehmen, die das nicht so
empfinden. Sie war von ihrer Sendung, in
ihrem Herzen die Leiden ihres Volkes
anzunehmen, um sie Gott als Sühne
anzubieten: Ich vertraue,...daß der Herr
mein Leben für alle genommen hat. Ich muß
immer wieder an die Königin Esther denken
die gerade darum aus ihrem Volk genommen
wurde, um für das Volk vor dem König zu
stehen. Ich bin eine sehr arme und
ohnmächtige kleine Esther, aber der König,
der mich erwählt hat, ist unendlich groß und
barmherzig".(19)
Eine
Brücke für den jüdisch-christlichen Dialog
12.
Auf Grund ihres Lebens und ihres Todes hat
unsere Schwester Edith Stein die Aufgabe
einer Brückenfunktion für den
jüdisch-christlichen Dialog. Das Zweite
Vatikanische Konzil anerkannte das reiche
geistliche Erbe, das Christen und Juden
gemeinsam ist und empfahl deshalb beiden
Seiten gegenseitige Kenntnis und Achtung,
die vor allem die Frucht biblischer und
theologischer Studien sowie des brüderlichen
Gesprächs ist".(20)
Das Kreuz
Christi, Zeichen der universalen Liebe
Gottes und Quelle aller Gnaden",(21)
ist die geistliche Erfahrung gewesen, die
Edith Steins Leben als Christin und
Karmelitin geprägt hat. Es erfüllte ihr
Leben so sehr mit Sinn, daß sie ihrem Namen
angefügt hat: Teresia Benedicta vom Kreuz.
In seiner Predigt zur Seligsprechung nannte
sie Johannes Paul II. eine Persönlichkeit,
die eine dramatische Synthese unseres
Jahrhunderts in ihrem reichen Leben vereint.
Die Synthese einer Geschichte voller tiefer
Wunden, die noch immer schmerzen, für deren
Heilung sich aber verantwortungsbewußte
Männer und Frauen bis in unsere Tage immer
wieder einsetzen...Sie war eine Frau des
Geistes und der Wissenschaft, die in der
Kreuzeswissenschaft den Gipfel aller
Weisheit erkannte, als große Tochter des
jüdischen Volkes und gläubige Christin
inmitten von Millionen unschuldig
gemarterter Mitmenschen".(22)
Genau
diese Art zu leben und das Kreuz zu umfangen
ist es, die Edith Stein für die Brüder und
Schwestern ihres Blutes zu einer
Gesprächspartnerin macht, da sie ihnen zeigt,
daß es die Liebe und die Hoffnung sind, die
das Leid im Licht des Glaubensgeheimnisses
an die Auferstehung Christi in seinem Tod
für alle mit Sinn erfüllen.
III
EDITH STEIN EINE FRAU IN DER
NACHFOLGE JESU
13.
Die Konversion Edith Steins ist zutiefst mit
der Erfahrung des Kreuzes verbunden. Ihre
Begegnung mit Christus nimmt mit den Kreuz
ihren Anfang, auch wenn sie sich dann auf
sein ganzes Mysterium hin ausrichtet, so daß
sie sagen kann, daß Christus der Mittelpunkt
meines Lebens ist".(23)
Ihre christologischen Reflexionen, die in
verschiedenen Schriften ihren Niederschlag
fanden, sind immer von einer geistlichen
Erfahrung abgedeckt, die sie mit Sinn
erfüllt.
Die
Entdeckung der Person Jesu setzt eine
existentielle Erfahrung voraus, die die
Sicht der Dinge, Menschen und Ereignisse
völlig auf den Kopf stellt. Er ist die
WAHRHEIT und von dieser Perspektive aus
vollzog sich Ediths Annäherung an Christus,
in dem sie den WEG und das LEBEN entdeckt,
und in dessen Arme sie sich fallen läßt, um
ihm durch das Tragen des alltäglichen
Kreuzes in der Hingabe an den Willen des
Vaters nachzufolgen.
Jesus
durch die Weiterführung seines Werkes
nachfolgen
14.
Das Wesen des Lebens als Christ ist die
Nachfolge Jesu. Das bedeutet eine Erneuerung
unserer Jesuserfahrung im Hinblick auf ihre
Beziehungen mit Gott, den Mitmenschen und
der Welt; mit anderen Worten, eine
vertrauensvolle Hingabe an den Vater, eine
geschwisterliche Gemeinschaft mit den
Mitmenschen und die Fähigkeit, uns mit Gott
und unseren Schwestern und Brüdern für die
Umwandlung der Schöpfung einzusetzen und
einander daran Anteil zu geben. Daraus
wiederum ergibt sich die Verpflichtung, sich
dafür einzusetzen, wofür sich Jesus
einsetzte, und bereit zu sein, das
durchzumachen, was er durchmachte:
Unverständnis, Verfolgung, Tod und
Auferstehung. Edith Stein hat all diese
Aspekte der Nachfolge Jesu durchlebt und uns
in ihren Schriften mitgeteilt, was sie durch
ihre eigene Erfahrung zu vertiefen vermochte.
Edith
lebte vor allem eine Haltung
Sich-Überlassens und des Vertrauens zum
Vater. Auf dem Weg ihrer Jesusnachfolge
hielt sie ihre Beziehung mit dem Abba
auch noch inmitten von Verdemütigung, Leid
und Kreuzesverlassenheit aufrecht und lebte
seine Gegenwart und seine Liebe, die sie in
der dunklen der Nacht der Prüfung umfangen
hielten: Ich weiß mich gehalten und habe
darin Ruhe und Sicherheit - nicht die
selbstgewisse Sicherheit des Mannes, der in
eigener Kraft auf festem Boden steht, aber
die süße und selige Sicherheit des Kindes,
das von einem starken Arm getragen wird -
eine, sachlich betrachtet, nicht weniger
vernünftige Sicherheit. Oder wäre das Kind
'vernünftig', das beständig in der Angst
lebte, die Mutter könnte es es fallen
lassen"?(24)
Diese Gewißheit der Liebe eines Gottes, der
Vater ist, brachte sie dazu, Jesus in der
Erfüllung seines Willens auch mit Vertrauen
und Hingabe nachzuahmen: Gotteskind sein
heißt an Gottes Hand gehen, Gottes Willen,
nicht den eigenen Willen tun, alle Sorgen
und alle Hoffnung in Gottes Hand legen,
nicht mehr selbst um sich und seine Zukunft
sorgen. Darauf beruhen die Freiheit und die
Fröhlichkeit des Gotteskindes".(25)
In der
Nachfolge Jesu konnte es nicht ausbleiben,
daß ihr auch die Verpflichtungen der
Nächstenliebe aufgingen: Wenn Gott in uns
ist und wenn er die Liebe ist, so kann es
nicht anders sein, als daß wir die Brüder
lieben. Darum ist unsere Menschenliebe das
Maß unserer Gottesliebe".(26)
Anfangs,
gleich nach ihrer Konversion, glaubte sie,
daß sie alles aufgeben müsse, um sich
ausschließlich Gott hinzugeben und alle
anderen Tätigkeiten auf Seiten zu lassen.
Doch mit Hilfe ihrer geistlichen Begleiter
lernte sie dazu und verstand, daß die
Nachfolge Jesu sie dazu verpflichtete, am
Kommen des Reiches mitzuarbeiten. In einem
Brief von 1928 teilt sie uns diese
Meinungsänderung mit, die sie dazu führte,
daß sie den apostolischen Einsatz als einen
Teil der Forderungen des Evangeliums
akzeptierte: In der Zeit unmittelbar vor und
noch eine ganze Weile nach meiner Konversion
habe ich nämlich gemeint, ein religiöses
Leben führen heiße alles Irdisches aufgeben
und nur im Gedanken an göttliche Dinge
leben. Allmählich habe ich aber einsehen
gelernt, daß in dieser Welt anderes von uns
verlangt wird und daß selbst im
beschaulichsten Leben die Verbindung mit der
Welt nicht durchschnitten werden darf; ich
glaube sogar: je tiefer jemand in Gott
hineingezogen wird, desto mehr muß er auch
in diesem Sinn 'aus sich herausgehen', d. h.
in die Welt hinein, um das göttliche Leben
in sie hineinzutragen."(27)
Christus auf dem Kreuzweg begleiten
15.
Ein Kennzeichen dieser Nachfolge Jesu, das
in Edith Steins Christuserfahrung besonders
akzentuiert ist, war zweifellos die
Tatsache, daß sich Kreuz und Leid als eine
Folge aus dieser Nachfolge auch tatsächlich
einstellten. Sie hatte von Anfang an
Christus, den Armen, Erniedrigten,
Gekreuzigten, am Kreuz selbst vom göttlichen
Vater Verlassenen vor Augen".(28)
Es konnte auch nicht anders sein, da
Christus sein Leben hingab, um der
Menschheit die Tore des ewigen Lebens zu
öffnen. Deshalb muß man mit Christus sterben
und mit ihm auferstehen: Den
lebenslänglichen Tod des Leidens und der
täglichen Selbstverleugnung, gegebenenfalls
auch den blutigen Tod des Glaubenszeugen für
die Botschaft Christi".(29)
Diese
Erfahrung des Kreuzes im alltäglichen Leben
verhalf ihr dazu, allmählich die
Kreuzeswissenschaft" zu erwerben und ihr
letztes theologisches Werk mit diesem Titel
zu schreiben, das allerdings unvollendet
blieb. Sie vollendete es, indem sie das
Kreuz des Martyriums nicht in der Theorie,
sondern in gelebter Wahrheit auf sich nahm.
Darauf vorbereitet war sie durch die Kreuze,
die die armselige und begrenzte Existenz des
Menschen mit ihren Höhen und Tiefen, ihren
Verzichten, der Annahme von Krankheit,
Trockenheit, Eintönigkeit, existentieller
Leere, Zusammenleben, Prüfungen und
Versuchungen mit sich bringt. Das Kreuz ist
das Sinnbild all dessen, was schwer und
drückend ist und der Natur so zuwider, daß
es wie ein Gang zum Tode ist, wenn man es
auf sich nimmt. Und diese Bürde soll der
Jünger Jesu täglich auf sich nehmen".(30)
Den Sinn
für das Kreuz entdeckt Edith in der Liebe
und der zusammen mit Christus erbrachten
Sühne. Er starb am Kreuz aus Liebe, und
deshalb wird diese Wirklichkeit, die für die
Juden ein Ärgernis, für die Griechen eine
Torheit ist (vgl. 1. Kor 1,23), zum Zeichen
der Liebe Gottes zu den Menschen. Von daher
kommt die Kraft, das Gebot der Nächstenliebe
bis in seine letzten Konsequenzen hinein zu
leben.(31)
Das, was unseren Kreuzen und Leiden Wert
gibt, ist, sie gemeinsam mit dem
gekreuzigten Christus anzunehmen, der uns
durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit
der Auferstehung führt.(32)
16.
Das in Solidarität mit allen, die leiden,
gelebte Kreuz Christi ist auch ein Weg, um
mit der Hoffnung auf das Leben und die
Auferstehung an den Freuden und Hoffnungen,
der Trauer und den Ängsten der Menschen
teilzunehmen. Mit Christus zu leiden
bedeutet, in Gemeinschaft mit all denen zu
leiden, die auf dem steilen und
beschwerlichen Lebensweg leiden, um ihre
Leiden zu lindern und ihnen die sichere
Hoffnung auf den endgültigen Triumph des
Guten und der Liebe zu geben: Jeder, der in
der Folge der Zeiten ein schweres Schicksal
im Gedanken an den leidenden Heiland trug
oder freiwillige Sühneleistungen auf sich
nahm, hat damit etwas von der gewaltigen
Schuldenlast der Menschheit getilgt und dem
Herrn seine Last tragen helfen".(33)
In Edith
Sein haben wir ein Vorbild für die
Ernsthaftigkeit der Nachfolge Jesu, indem
wir die Kreuze des Lebens annehmen: das
Kreuz unserer menschlichen Begrenztheit, das
Kreuz des Kampfes gegen das Leid, das Kreuz
der Solidarität mit denen, die leiden, das
Kreuz des Einsatzes für eine Welt in
Gerechtigkeit und Frieden. Ihr Leben mutet
wie eine Zusammenfassung der Erfahrung des
hl. Paulus an, nämlich alles zu verlieren,
um Jesus zu gewinnen, und im Vergleich mit
ihm alles als Unrat zu betrachten und das
Kreuz Christi als einzigen Weg zum Heil zu
verkünden: Denn das Wort vom Kreuz ist denen,
die verlorengehen, Torheit; uns aber, die
gerettet werden, ist es Gottes Kraft" (1 Kor
1,18), und was mir damals ein Gewinn war,
das habe ich um Christi willen als Verlust
erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als
Verlust an, weil die Erkenntnis Jesu Christi,
meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen
habe ich alles aufgegeben und halte es für
Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu
sein" (Phil 3,7f.).
IV
EDITH STEIN - TOCHTER TERESAS VON JESUS
UND JOHANNES' VOM KREUZ
17.
Seit ihrer Konversion dachte Edith an die
Möglichkeit, sich im Karmel Christus zu
weihen. Aus Gehorsam gegenüber ihren
Beichtvätern schob sie ihren Eintritt in ein
Kloster Teresas hinaus, da sie ihr die
Bedeutung vor Augen hielten, die ihre
Lehrtätigkeit hatte. Erst nach elf Jahren
erkannte sie nach einer im Gebet errungen
Entscheidung mit aller Klarheit, daß nun der
erwartete Augenblick gekommen sei, um sich
Gott in einem kontemplativen Leben im Karmel
zu weihen. Sie lebte aus der tiefen
Überzeugung, daß ihr ganzes Leben bis in die
letzten Ausfaltungen hinein einem Plan
Gottes entsprach, dessen vollständige
Bedeutung nur ihm allein bekannt war(34),
von dem sich aber nun durch menschliche
Vermittlungen ein Teil offenbarte: Der
Umsturz war mir ein Zeichen des Himmels, daß
ich jetzt den Weg gehen dürfte, den ich
schon lange als den meinen angesehen hatte...Ich
bin in das Kloster der Karmelitinnen
eingetreten und damit eine Tochter der hl.
Teresia geworden, die mich einst zur
Konversion geführt hat".(35)
Es war der 14. Oktober 1933, als Edith Stein
in den Kölner Karmel eingetreten ist, der
damals 21 Schwestern zählte.
Eine
tiefgreifende Lebensveränderung: verlieren
um zu gewinnen
18.
Für Edith, die damals 42 Jahre alt war,
änderte sich ihr Leben schlagartig. Hinter
sich ließ sie eine Welt mit akademischen und
intellektuellen Tätigkeiten, großen
Freundschaften und ihre Familie, um in die
kleine Welt eines kontemplativen Klosters
mit all seinen notwendigerweise gegebenen
Begrenztheiten einzutreten. Sie mußte sich
einer Welt mit ihren Riten, Gebräuchen und
Zeremonien öffnen, die als Erbe aus der
Vergangenheit das Leben der Schwestern oft
sehr kompliziert machten. Obwohl im Kölner
Karmel ein beachtliches kulturelles Niveau
war, so war doch das von ihr in den langen
Jahren des Studiums und Unterrichtens
erworbene viel höher. Es bedeutete für Edith
Sein eine große Anstrengung, um diesen
radikalen Umbruch in ihrem Leben zu
verkraften: von einer persönlichen Planung
des Lebens zur Tagesordnung einer
Gemeinschaft, deren Kennzeichen die
Regelobservanz war; vom Katheder zur
Handarbeit; von der Konzentration auf das
Wesentlich hin zur Notwendigkeit, sich um
Kleinigkeiten zu kümmern.
In ihren
Briefen und anderen Schriften teilt sie uns
mit, was dieser neue Lebensrahmen mit seinen
Aktivitäten für sie bedeutete. Durch ihr
Bemühen, sich anzupassen und es in Kauf zu
nehmen, daß sie viele wertvolle Dinge
verlor, gewann sie den Reichtum eines
Lebens, das ganz auf das Gebet und die in
Schweigen und Einsamkeit einer für das Reich
Gottes betenden Kommunität gemachte
Gotteserfahrung ausgerichtet ist: Unsere
Tagesordnung sichert uns Stunden einsamer
Zwiesprache mit dem Herrn, und sie sind es,
auf die sich unser Leben aufbaut...Was Gott
in den Stunden des inneren Gebets in der
Seele wirkt, das entzieht sich jedem
menschlichen Blick. Es ist Gnade um Gnade.
Und alle anderen Stunden des Lebens sind der
Dank dafür".(36)
19. Der
Provinzial der Unbeschuhten Karmeliten in
Deutschland, P. Theodor Rauch, war am Tag
der Einkleidung Edith Steins am 15. April
1934 auch anwesend. Gleich im Anschluß an
diese Feier hielt er im Kloster
Pastoralvisitation und ordnete an, daß sich
Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz (das
ist der Name, den sie sich als Karmelitin
ausgesucht hatte), auch weiterhin der
wissenschaftlichen Arbeit widmen solle,
soweit ihre Verpflichtungen als Karmelitin
das zuließen. So kam es, daß der Herr sie
zur Wiederaufnahme ihrer philosophischen
Arbeiten und zur Abfassung vieler anderer
Studien und Schriften führte, sowohl in Köln
als auch später in Echt. Sie überarbeitete
und schloß das in diesen Tagen
veröffentlichte Buch Akt und Potenz
ab(37)
und brachte auch ihr Hauptwerk Endliches
und ewiges Sein zum Abschluß. Später, in
Echt, verfaßte sie ihr unvollendet
gebliebenes Werk Kreuzeswissenschaft.
Diese Art
von Arbeit, die eine gewisse Ausnahme
bildete, verursachte ihr in der Kommunität
manches Problem, was bedeutete, daß sie sich
doppelt anstrengen mußte, um dem Wesen ihres
kontemplativen Lebens auch in den
Kleinigkeiten des klösterlichen Alltags treu
zu bleiben. Sie, die man als eine moderne
Frau bezeichnen könnte, und die über einen
viel weiteren Horizont verfügte es der einer
kleinen Gruppe von Klosterfrauen ist, die im
begrenzten Raum einer Klausur lebten,
unterließ jedoch nichts, um gegenüber den
übernommenen Verpflichtungen treu zu sein,
auch wenn das für sie ein großes Opfer
bedeutete. Sie schreibt dazu: Es gibt für
die Karmelitin in ihren durchschnittlichen
Lebensbedingungen keine andere Möglichkeit,
Gottes Liebe zu vergelten, als daß sie ihre
täglichen Pflichten bis ins kleinste treu
erfüllt; all die kleinen Opfer, die eine bis
in alle Einzelheiten ausgebaute Tages- und
Lebensordnung von einem lebhaften Geist
fordert, Tag um Tag und Jahr um Jahr freudig
bringt; alle Überwindungen, die das nahe
Zusammenleben mit andersgearteten Menschen
beständig verlangt, mit dem Lächeln der
Liebe leistet; keine Gelegenheit, anderen in
Liebe zu dienen, vorbeigehen läßt. Dazu
kommt schließlich, was der Herr der
einzelnen Seele an persönlichen Opfern
auferlegen mag".(38)
Einige Monate vor ihrer endgültigen Profeß
schrieb sie an eine Freundin: Ich darf mich
auf die Profeß im April freuen. Es ist aber
gut, daß man dann noch nicht 'fertig' zu
sein braucht, denn ich habe das Gefühl, daß
das eigentliche Noviziat erst vor kurzem
begonnen hat, seitdem das Eingewöhnen in die
äußeren Verhältnisse - Zeremonien, Bräuche
und dergleichen - nicht mehr so viel Kraft
verbraucht".(39)
Als
Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz am 31.
Dezember 1938 in das vom Kölner Karmel
gegründete Kloster in Echt in Holland mit
seinen damals 14 Chor- und vier sog.
Laienschwestern übersiedelte, bedeutete das
für sie eine erneute Anstrengung um
Anpassung an das Gemeinschaftsleben. Auch
hier verstand sie es, ihre intellektuelle
Tätigkeit, die zum großen Teil der
Ausbildung ihrer Mitschwestern galt, mit den
Gemeinschaftsübungen eines Klausurkloster in
Einklang zu bringen. In Echt vollbringt sie
ihren Akt der Aufopferung für den Frieden:
Liebe Mutter, bitte, erlauben E[uer]
E[hrwürden] mir, mich dem Herzen Jesu als
Sühnopfer für den wahren Frieden
anzubieten...Ich weiß, daß ich ein Nichts
bin, aber Jesus will es, und Er wird gewiß
in diesen Tagen noch viele andere rufen".(40)
Von Echt wird sie am 2. August 1942
verschleppt und stirbt sieben Tage später am
9. August in einer Gaskammer in
Auschwitz-Birkenau.
Tochter
und Schülerin Teresas von Jesus und
Johannes' vom Kreuz
20.
In Teresa von Jesus fand Edith Stein die
gleiche Liebe zur Wahrheit, von der auch sie
beseelt war; von ihr lernte sie, das Beten
vor allem als Freundschaft und Zwiegespräch
mit Gott in seiner christologischen und
apostolischen Dimension zu verstehen. So
bildeten die Stunden des Gebetes für Edith
den Mittelpunkt ihres Lebens als Karmelitin.
Alles, was sie tun oder bewirken kann, muß
von hier seinen Ausgang nehmen: Hier findet
sie Ruhe, Klarheit und Frieden, hier lösen
sich alle Fragen und Zweifel, hier erkennt
sie sich selbst und was Gott von ihr will,
hier kann sie ihre Anliegen vortragen und
Gnadenschätze empfangen, von denen sie
freigebig an andere austeilen kann".(41)
Edith
Stein vertieft die christozentrische
Dimension des teresianischen Betens
insbesondere dadurch, daß sie Jesu
Gebetsleben als Schlüssel zum Verständnis
des Gebets der Kirche darstellt. Er lehrt
uns ein Preisgebet auf den Vater und das
Beten als Liebeshingabe zu leben. Christus
eint sich uns zur Erlösung der Welt an,
indem er uns Anteil an seinem Kreuz gibt.
Aus dieser Gemeinschaft mit dem Leiden, dem
Tod und der Auferstehung Christi strömt die
apostolische Kraft des kontemplativen
Betens: Es ist ein Grundgedanke alles
Ordenslebens, vor allem aber des
Karmellebens, durch freiwilliges und
freudiges Leiden für die Sünder einzutreten
und an der Erlösung der Menschheit
mitzuarbeiten".(42)
Der
Einfluß des hl. Johannes vom Kreuz tritt im
Leben und in einigen Schriften Edith Steins
auch deutlich zu Tage. Sie war von der
Erfahrung, die der Heilige im Kerker von
Toledo machte, betroffen und interpretiert
von ihr aus die Nächte" des Johannes vom
Kreuz als Verlassenheit: Gott läßt den
Menschen seine Verlassenheit verspüren,
damit sich ihm dieser in der Dunkelheit des
Glaubens als dem einzigen Weg zur
Vereinigung mit dem unbegreifbaren Gott
überlasse.(43)
Edith
Stein benutzt auch das Bild von der dunklen
Nacht", um den historischen Kontext ihrer
Zeit zu interpretieren. Was heute gewöhnlich
strukturelle Sünde heißt, nennt sie Nacht
der Sünde". Damit bringt sie die Dunkelheit
einer durch den Weltkrieg mit all seinen
Folgen gekennzeichneten Zeit zum Ausdruck.
Auch hier gilt es, sich Gott zu überlassen
und zuzulassen, daß Gott ein unbegreiflicher
Gott sei, und blind auf seine Güte und
Barmherzigkeit zu vertrauen, die uns
inmitten der Dunkelheit umgibt: Je mehr eine
Zeit in die Nacht der Sünde und Gottesferne
versunken ist, desto mehr bedarf es der
gottverbundenen Seelen. Gott läßt es auch
daran nicht fehlen. Aus der dunkelsten Nacht
treten die größten Propheten- und
Heiligengestalten hervor. Aber zum großen
Teil bleibt der gestaltende Strom des
mystischen Lebens unsichtbar".(44)
Mit der
Hand an der Hand des Herrn
21.
Am Beginn seiner Homilie bei der
Seligsprechung Edith Steins in Köln 1987
nannte Johannes Paul II. sie eine Tochter
des jüdischen Volkes, reich an Weisheit und
Tapferkeit. Aufgewachsen in der strengen
Schule der Traditionen Israel, ausgezeichnet
durch ein Leben der Tugend und Entsagung im
Orden, bewies sie eine heldenmütige
Gesinnung auf dem Weg ins
Vernichtungslager".(45)
Diese Worte bieten eine Zusammenfassung des
leidenschaftlichen Lebens einer Frau unserer
Zeit, einer unermüdlichen Wahrheitssucherin,
die mehrmals zu verlieren verstand, um im
Sinn des Evangeliums zu gewinnen: Sie verlor
die Überzeugungen eines ungläubigen
Menschen, um das Licht des Glaubens zu
gewinnen; sie verlor ihre Familie und ihr
Volk, um ihnen in der Nachfolge Jesu zu
begegnen, indem sie auch für sie ihr Leben
hingab; in ihrem Leben als kontemplative
Karmelitin gelangte sie an das Ziel dieses
Weges des Evangeliums, indem sie sich,
geleitet von der evangelischen Logik des
Verlierens um zu gewinnen, auf den Einzigen
und Absoluten ausrichtete. Am Ende ihres
Lebens vermochte sie aus Jesu Anweisung
Wirklichkeit werden zu lassen: Wer sein
Leben retten will, wird es verlieren; wer
aber sein Leben um meinetwillen und um des
Evangeliums willen verliert, wird es retten"
(Mk 8,35).
Während
ihres langen Weges in den Fußspuren Jesu,
der Weg, Wahrheit und Leben ist, lebte sie
in Hingabe und Vertrauen auf den Herrn,
indem sie, wie sie sagte, ihre Hand in die
seine legte, um sich auf den schwierigen und
unbekannten Pfaden ihres Lebens und der
Geschichte von seiner Liebe leiten zu
lassen. Erleuchtet von der Wissenschaft des
Kreuzes, die sie zur Vereinigung mit Gott
führte, trug sie in Freiheit und
Verantwortung nach Kräften dazu bei: So
gehören eigene Seinsvollendung, Vereinigung
mit Gott und Wirken für die Vereinigung
anderer mit Gott und ihre Seinsvollendung
unlöslich zusammen. Der Zugang zu all dem
aber ist das Kreuz. Und die Predigt vom
Kreuz wäre eitel, wenn sie nicht Ausdruck
eines Lebens in Vereinigung mit dem
Gekreuzigten wäre".(46)
Männer und
Frauen von heute, die in einer Welt voller
ideologischer und religiöser Gegensätze mit
einer großen Gottessehnsucht verzweifelt
nach der Wahrheit suchen, können in der
Erfahrung und den Lehren von Teresia
Benedicta vom Kreuz Licht und Weisung finden;
sie ist eine Frau unserer Zeit, die voll
Unruhe und Hunger nach der Wahrheit in der
Nacht unseres dramatischen Jahrhunderts
ihren Weg gegangen ist, bis sie endlich
Christus und mit ihm den Sinn ihres Lebens
und den lange ersehnten Frieden gefunden hat.
Rom,
den 9. August 1998
Gedenktag der sel. Teresia Benedicta vom
Kreuz
Fr. Camilo Maccise OCD , Generaloberer
- Fr. Jospeh Chalmers O.Carm. Generalprior
-------
FRAGEN
ZUR PERSÖNLICHEN UND
GEMEINSCHAFTLICHEN REFLEXION
1. Was
hältst Du für die wichtigste Lehre Edith
Steins?
2. Welcher
Aspekt des Lebens Edith Steins erscheint Dir
angesichts der Herausforderungen an die
Neuevangelisation der aktuellste zu sein?
Warum?
3. Was
lehrt uns Edith Stein für unser
karmelitanisches Leben und unser Apostolat
in der evangelischen Sicht des Verlierens
um zu gewinnen?
4. Worin
besteht für die Ordensfrau in Kirche und
Gesellschaft heute die wichtigste Botschaft
Edith Steins?
5. Was
können Erfahrung und Lehre Edith Steins zum
jüdisch-christliche Gespräch und zum
ökumenischen Dialog überhaupt beitragen?
6. Wie
kann im Licht des Lebenszeugnisses Edith
Steins die Kreuzeswissenschaft in
unserem persönlichen und gemeinschaftlichen
Leben heute gelebt werden?
--------
1. 1
Vita consecrata 58. Vgl. 57.
2. 2 Brief vom 23.3.1938, in:
Edith Stein Werke (abgekürzt mit ESW)
IX, Freiburg, 1977, S. 102.
3. 3 Edith Stein, Kreuzeswissenschaft.
Studie über Joannes a Cruce, in: ESW I,
145.
4. 4 Diese Worte legt ihre erste Biographin
Teresia Renata de Spiritu Sancto Posselt
Edith Stein in den Mund. (Edith Stein.
Lebensbild einer Philosophin und Karmelitin,
Nürnberg, 1948, 28.)
5. 5 Neue Bücher über die hl. Teresia von
Jesus, in: ESW XII, 191.
6. 6 Positio 191.
7. 7 Diese Worte legt ihre erste Biographin
Teresia Renata de Spiritu Sancto Posselt
Edith Stein in den Mund. (Edith Stein.
Lebensbild einer Philosophin und Karmelitin,
Nürnberg, 71954, 68).
8. 8 Brief von Dezember 1941, in: ESW
IX, 167.
9. 9 Kreuzeswissenschaft, in: ESW I,
165.
10. 10 Brief 12.2.1928, in: ESW VIII,
54.
11. 11 Beruf des Mannes und der Frau nach
Natur- und Gnadenordnung, in: ESW V,
28.
12. 12 Die Bestimmung der Frau, in:
ESW XII, 116
13. 13 Beruf des Mannes und der Frau nach
Natur- und Gnadenordnung, in: ESW V,
23.
14. 14 Das Ethos der Frauenberufe,
in: ESW V, 11.
15. 15 Beruf des Mannes und der Frau nach
Natur- und Gnadenordnung, in: ESW V,
29.
16. 16 Vgl. aaO.
17. 17 Vgl. Aufgaben der katholischen
Akademikerinnen der Schweiz, in: ESW V,
225.
18. 18 Aus dem Leben einer jüdischen
Familie, in: ESW VII, 230.
19. 19 Brief 31.10.1938, in: ESW IX,
121.
20. 20 Nostra aetate 4.
21. 21 AaO.
22. 22 Predigt zur Seligsprechung in Köln am
1. Mai 1987, in: Verlautbarungen des
Apostolischen Stuhles Nr. 77, Bonn, 25-32,
Nr. 9.8.
23. 23 Brief 13.12.1925, in: ESW XIV,
168.
24. 24 Endliches und ewiges Sein, in
ESW II, 57.
25. 25 Das Weihnachtsgeheimnis, in:
ESW XII, 202.
26. 26 AaO. 201.
27. 27 Brief 12.2.1928, in: ESW VIII,
54.
28. 28 Kreuzeswissenschaft, in: ESW
I, 106f.
29. 29 AaO. 12.
30. 30 AaO. 11.
31. 31 Vgl. aaO. 264.
32. 32 Vgl. aaO. 165.
33. 33 Kreuzesliebe, in: ESW XI,
122.
34. 34 Vgl. Endliches und ewiges Sein,
in: ESW II, 109f.
35. 35 Brief 17.10.1933, in ESW IX,
189.
36. 36 Über Geschichte und Geist des
Karmel, in: ESW XI, 8.
37. 37 ESW 18 (Freiburg 1998). Dieses Werk
war ursprünglich als Habilitationsschrift
gedacht.
38. 38 Über Geschichte und Geist des
Karmel, in: ESW XI, 8f.
39. 39 Brief 15.12.1934, in: ESW IX,
26.
40. 40 Brief 26.3.1939, in: ESW IX,
133.
41. 41 Eine Meisterin der Erziehungs- und
Bildungsarbeit: Teresia von Jesus, in:
ESW XII, 180.
42. 42 Brief 2. Weihnachtsfeiertag
1932, in: ESW VIII, 125.
43. 43 Vgl. Kreuzeswissenschaft, in:
ESW I, 107.
44. 44 V erborgenes Leben und Epiphanie,
in: ESW XI, 145.
45. 45 Predigt zur Seligsprechung in Köln am
1. Mai 1987, in: Verlautbarungen des
Apostolischen Stuhles Nr. 77, Bonn, 25-32,
Nr. 1.
46. 46 Kreuzeswissenschaft, in: ESW
I, 252f.
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