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Curia Generalizia dei Carmelitani Scalzi - Corso d'Italia, 38 - 00198 ROMA - Italia
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DAMIT DIE WELT GLAUBT (Joh 17,21)

Elf Jahre Dialog und Zusammenarbeit zwischen O.CARM. und O.C.D.
Rückblick und Ausblick Rundbrief der Generaloberen
Fr. Joseph Chalmers O.Carm. und Fr. Camilo Maccise O.C.D.
Rom 2003
 

 

 

 

 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder im Karmel! 

 

1. Ein Jahr nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von P. Joseph Chalmers an der Spitze des Ordens vom Karmel und nur wenige Monate vor Ende des Leitungsdienstes von P. Camilo Maccise als Generaloberer des Teresianischen Karmel wenden wir uns von neuem in einem Brief an Euch. Damit wollen wir Gott für den gemeinsamen Weg danken, den die beiden Generaldefinitorien auf der Suche nach Dialog und Zusammenarbeit und der gemeinsamen Reflexion darüber gegangen sind.

 

Eine von der Kirche erbetene Zusammenarbeit

 

2. Im Geist des Konzils[1] lädt Vita consecrata die Oberinnen und Oberen der Ordensinstitute zu einem ständigen Dialog ein, „zur Förderung des gegenseitigen Kennenlernens als unerläßlicher Voraussetzung für eine tatkräftige Zusammenarbeit, vor allem auf pastoralem Gebiet“.[2] Ausgehend von der Treue zum eigenen Charisma nährt dieser „die brüderliche geistliche Beziehung und die gegenseitige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Instituten des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens“.[3] Angeleitet von diesen Lehren der Kirche und im Bewußtsein, daß der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Orden ein Zeichen der Zeit ist, war es uns ein Anliegen, uns auf die Wege des Geistes einzulassen. Eine weitere Motivation sind unsere gemeinsamen Wurzeln. Hören wir dazu die hl. Teresa: „Richten wir unsere Augen immer auf das Geschlecht, von dem wir abstammen, auf jene heiligen Propheten“.[4] „Halten wir uns unsere wahren Gründer vor Augen, jene heiligen Väter, von denen wir abstammen – wir wissen ja, daß sie sich aufgrund ihres Weges in Armut und Demut an Gott erfreuen“.[5]

 

Anfänge und erste Schritte

 

3. Nach mehreren Vorgesprächen fand am 6. Dezember 1991 das erste Treffen der beiden Generaldefinitorien statt, das im Geist der Brüderlichkeit und Schlichtheit ablief. Zu Beginn jenes wahrhaft historischen Ereignisses stellten sich die Mitglieder der beiden Gremien zunächst einmal vor; dann kam man auf die Initiativen zu sprechen, die in den beiden Orden gerade verwirklicht wurden, und schließlich tauschte man sich über Erfahrungen in den Bereichen Nachwuchs, Ausbildung, Neuevangelisierung und Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden aus. Das Mittagessen mit der Kommunität der Generalkurie OCD setzte die brüderliche Atmosphäre in einem anderen Rahmen fort. Zu den Beschlüssen gehörte die feste Absicht, die Kontakte weiterzupflegen, um bestimmte Themen gemeinsam zu behandeln und Kanäle für eine größere Zusammenarbeit und den Austausch über die je eigene Identität und Berufung zu schaffen. Schließlich kam man überein, sich jährlich zweimal zu treffen, im Mai in der Generalkurie O.Carm. und im Dezember in der Generalkurie O.C.D.

So begann eine Phase der Annäherung und Zusammenarbeit zwischen uns, die es zwischen anderen Orden und Kongregationen mit verschiedenen Zweigen schon gab, die, wie die franziskanischen Ordensfamilien, aus den gleichen Wurzeln hervorgegangen sind und vom gleichen Stamm getragen werden. Trotz der Schwierigkeiten sind wir auf diesem Weg geblieben. Da wir nun Rückblick halten, wollen wir Euch an dem, was wir erlebt haben, Anteil geben und einige Wege für unsere zukünftigen Beziehungen und gemeinsamen Bemühungen aufzeigen. 

 

I.

 

Seid fröhlich in der Hoffnung  (Röm 12,12) 

 

4. Bevor der Dialog und die Zusammenarbeit auf der Ebene der Generaldefinitorien anfingen, gab es in verschiedenen Teilen der Welt, wie in Spanien, den Vereinigten Staaten, den Philippinen, Deutschland, Polen bereits gemeinsame Initiativen und gute brüderliche Beziehungen auf Lokal- oder Provinzebene, während in anderen Teilen weiterhin gegenseitige Vorurteile überwogen; dadurch waren die Annäherung und der Austausch zunächst noch erschwert. Inzwischen wurden diese allmählich überwunden und der positive Aspekt der Beziehungen ist stetig stärker geworden.

 

5. Bei unserem Meinungsaustausch und den Gesprächen gingen wir von der Überzeugung aus, daß wir unterschiedliche Orden sind, doch an der Quelle des Elija auf dem Berg Karmel gemeinsame Wurzeln haben. Seit den Anfängen der Neubegründung durch Teresa bemühten wir uns auf anderen Wegen, die Ideale der karmelitanischen Spiritualität zu leben. Bei unserer Zusammenarbeit ist es immer unsere Absicht gewesen, zu vertiefen, was uns gemeinsam ist, und zu respektieren, was uns unterscheidet.

 

In unserem gemeinsamen Brief Die Heilige Pforte durchschreiten im Jahr des Großen Jubiläums 2000 haben wir geschrieben:

 

„Es gibt Tore, die wir nicht in aller Freiheit und Ehrlichkeit zu durchschreiten vermögen. Da gibt es das unserer eigenen Geschichte mit den vergangenen und gegenwärtigen Beziehungen zwischen den Angehörigen des Stammordens des Karmels und den Angehörigen des Teresianischen Karmels; oder auch den Einfluß, den kulturelle und nationale Empfindlichkeiten in das gegenseitige Verhältnis von Provinzen und Gruppen von Klöstern hineinbringen, oft genug aufgrund von unterschiedlichen spirituellen Traditionen oder Auffassungen von Ordensdisziplin, oder noch einfacher aufgrund von Vorurteilen und Abschottung einzelner. Wir müssen uns zu einer befreienden Relektüre bestimmter geschichtlicher Ereignisse und Epochen aufraffen, die nicht so glücklich verlaufen sind oder von Rechthaberei und Mangel an Kommunikation geprägt waren. Von daher sind wir aufgerufen, in einen demütigen und ehrlichen Dialog über Frieden und gegenseitige Versöhnung, in ein neues Zeitalter von Brüderlichkeit und des Aushaltens von Gegensätzen einzutreten. Die vielfachen Formen des Dialogs, des Austauschs und der gemeinsamen Unternehmungen, die in den letzten zehn Jahren gewachsen sind, müssen weitergehen und noch mehr Frucht bringen und schließlich alle Menschen und Institutionen mit einbeziehen. Ausgangspunkt für einen Dialog und einen weitergehenden Austausch, der auch die Laien, die noch intensiver an der Spiritualität und Sendung des Karmel teilhaben wollen, mit einbeziehen kann und muß, ist immer das Maß an brüderlichem Leben in der Gemeinschaft“.[6]

 

Weitergehen in Glaube und Vertrauen

 

6. Trotz einiger Schwierigkeiten beschlossen wir, den eingeschlagenen Weg auf jeden Fall weiterzugehen. Im Licht der Erfahrung und der Unterweisungen des hl. Paulus für seinen Dienst akzeptierten wir es, daß wir unsere Sendung in irdenen Gefäßen tragen, und versuchten, mit Gottes Hilfe und gegenseitiger Unterstützung auf dem Weg nicht zu erliegen, sondern uns zu bemühen, die Worte des Apostels zu leben, mit denen er die Christen in Rom ermahnt: „Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Laßt nicht nach in eurem Eifer, laßt euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet“ (Röm 12,9-12). Auch das positive Echo, das wir von der Mehrheit der beiden Orden bekommen haben, ermutigte uns für unsere gemeinsame Arbeit.

 

Bereiche der Zusammenarbeit

 

7. „In der Hoffnung fröhlich zu sein“ führt zu lebendiger Hoffnung mit Augenmaß. Deshalb bemühten wir uns von Anfang an um ein Minimum an Zusammenarbeit und Austausch. So bildeten wir zwei gemischte Kommissionen, eine für Spiritualität, eine andere für Ausbildung. Wir kamen überein, Programme und Initiativen auszutauschen und uns zu den Internationalen Zusammenkünften der beiden Orden gegenseitig einzuladen. So kamen wir zur Erarbeitung eines Karmel-Lexikons, das demnächst endlich erscheinen soll; Treffen für Ausbilder und Auszubildende der beiden Ordenszweige wurden organisiert, internationale Symposien für Mariologie und für Psychologen aus den beiden Ordenszweigen fanden statt, letzteres zum Studium des Verhältnisses zwischen Psychologie und Spiritualität. Bei allen internationalen Veranstaltungen der beiden Orden war jeweils ein Vertreter des anderen Ordens dabei. In Lateinamerika wurde durch die Initiative der Generaldefinitorien eine gemischte theologische Kommission mit je sieben Mitgliedern aus den beiden Orden ins Leben gerufen, deren Aufgabe die Reflexion über Themen der karmelitanischen Spiritualität im Kontext Lateinamerikas ist. Diese Arbeitsgruppe trifft sich seit acht Jahren einmal jährlich und hat bereits einige Bücher mit den Ergebnissen ihrer Arbeit veröffentlicht, wodurch die Spiritualität des Karmel in einem lateinamerikanischen Gewand dargestellt und die Heiligen des Karmels in einer Sprache präsentiert werden sollen, die von der Bevölkerung in diesem soziokulturellen und kirchlichen Kontext auch verstanden wird.

 

Anläßlich von Feiern oder Jubiläen der beiden Orden haben die beiden Generaloberen gemeinsam, von den beiden Definitorien erarbeitete Rundbriefe veröffentlicht. Die Generaloberen haben sich gegenseitig für jeweils einen Tag zu ihren Generalkapiteln eingeladen, wo sie an den Beratungen teilnahmen und der Eucharistiefeier vorstanden. Außerdem hat der eine oder andere bei mehr als einer Gelegenheit bei Außerordentlichen Generaldefinitorien oder regionalen Treffen einen Kurs geleitet oder einen Vortrag gehalten. 

 

II.

 

DENKE AN DEN GANZEN WEG, DEN GOTT DICH GEFÜHRT HAT (Dtn 8,2) 

 

8. In den letzten drei Jahren hatten wir zwei bemerkenswerte Begegnungen von jeweils einer Woche, an denen die beiden Generaldefinitorien teilnahmen: die erste auf dem Berg Karmel (1999), die zweite in Aylesford in England (2001). Bei unseren gemeinsamen Reflexionen machten wir uns die Ursprünge des Ordens, die Bedeutung Marias im Karmel und die verschiedenartige Ausprägung bewußt, nach der die beiden Ordensfamilien die Spiritualität des Karmel leben.

 

Die Erinnerung an die Ursprünge

 

9. Die Begegnung auf dem Berg Karmel fand nach Abschluß des Außerordentlichen Generaldefinitoriums O.C.D. im Oktober 1999 statt. Eine Woche lang haben wir zusammen gebetet, mit Hilfe eines von vier Mitbrüdern aus dem Teresianischen Karmel verfaßten Buches mit dem Titel Beten im Heiligen Land die biblischen Orte besucht, und über die fernen Ursprünge des Ordens und die Regel nachgedacht. Wir riefen uns Elija, Vorbild und Inspirator für die ersten Karmeliten, in Erinnerung, die im 13. Jahrhundert an diesem Ort mit ihrem Leben begannen, und von Albertus, dem damaligen Patriarchen von Jerusalem, die Regel bzw. ihre „formula vitae“ erhielten. Wir besichtigten die Ruinen im Wadi-es-Siah und führten uns das eremitisch-zönobitische Leben „jener heiligen Väter“ vor Augen. Wir meditierten die grundlegenden Werte der Regel und betrachteten sie aus unterschiedlichen soziokulturellen und kirchlichen Perspektiven, die – verschiedenartigen Fenstern gleich – uns ihren ganzen Reichtum und ihre Aktualität entdecken ließen, um so auf die neuen Herausforderungen zu antworten, vor die wir uns als Karmeliten in den verschiedenartigen Kulturen heute gestellt sehen. Auf diese Weise entdeckten wir den Wert und die Aktualität der Erfahrung jener, die uns vorangegangen sind.

 

10. Dabei wurden wir uns bewußt, daß der am Evangelium ausgerichtete, schlichte und ganzheitliche Lebensentwurf der Regel auf Jesus Christus und die kirchliche Gemeinschaft konzentriert ist. Wir erkannten, daß sie eine tragende Struktur für den Menschen bietet: mit Gott (Gebet), den Mitmenschen (gemeinschaftliche Übungen) und sich selbst (Verinnerlichung und persönliche Meditation). Wir stellten fest, daß beide Orden aufgrund ihrer unterschiedlichen, Jahrhunderte langen Erfahrungen mit ihrer Berufung einen je eigenen Zugang zur Regel haben. So sind z. B. die Erfahrung der hl. Teresa und des hl. Johannes vom Kreuz und deren Interpretation der Regel vom Teresianischen Karmel notwendigerweise in einer speziellen Weise aufgenommen worden. In der geistlichen Offenheit einer differenzierten Lektüre und Relektüre der Regel finden auch sie Anklang und üben auf alle Karmeliten Einfluß aus, die in ihnen jene Gestalten sehen, in denen der Karmel zu seiner größten Fülle gelangt ist. Für uns waren es wahre Gnadentage, an denen wir unter Berücksichtigung der derzeitigen Situation mit Realismus auch einige praktischen Aspekte in unserem Miteinander durchdachten.

 

11. Wir erinnerten uns an die Übersiedlung des Ordens aus dem Morgen- ins Abendland und an seine damit verbundene Fähigkeit der Anpassung an das vorherrschende Mendikantenmodell, ohne daß er dabei die kontemplative und eremitische Ausrichtung seines Ursprungs aufgab. Bei unserem Gang durch die Geschichte des Ordens bedachten wir seinen Niedergang mit den beständigen Reformbemühungen vor und nach Teresa von Jesus und Johannes vom Kreuz und auch die von ihnen durchgeführte „Neubegründung“. Damit eröffneten sie in kreativer Treue zu den Ursprüngen für den Karmel neue Horizonte und gingen so auf die Herausforderungen ihrer Zeit ein. Der Ausgangspunkt war ihre Erfahrung, die sie in ihren Schriften, die Licht für den neuen Weg sind, zum Ausdruck brachten. Ihr Einfluß blieb nicht auf den neuen Orden begrenzt, sondern zeitigte auch im alten Ordenszweig seine Früchte und darüber hinaus in der gesamten christlichen Spiritualität.

 

Mit Maria, der Mutter Jesu

 

12. Eineinhalb Jahre später trafen sich die beiden Generaldefinitorien wieder für eine Woche, diesmal in Aylesford (England), dem mit dem Skapulier verbundenen Ort. Hier konzentrierte sich unser Miteinander vor allem auf die Erarbeitung des Briefes der beiden Generaloberen Mit Maria, der Mutter Jesu, zu dem das 750jährige Skapulierjubiläum den Anlaß bot. Die tiefe Marienverehrung ist ein starkes gemeinsames Element der beiden Karmelitenorden. Es ging uns darum, unser marianisches Erbe mit den Herausforderungen der Kirche und der Welt von heute ins Gespräch zu bringen. Wir hoben hervor, daß Maria im Karmel als Mutter, Patronin, Schwester und Vorbild gesehen wird. Wir stellten das Skapulier als ein Zeichen des Engagements dar und luden alle Mitglieder der beiden Orden – Brüder, Schwestern, Laien und aggregierte Institute – ein, dieses marianische Jahr des Karmels weiterhin festlich zu begehen, um es dann mit der Krönung der Muttergottes vom Karmel während der Audienz mit dem Papst auf dem Petersplatz in Rom am 12. September 1999 zum Abschluß zu bringen.

Beide Begegnungen förderten die Erinnerung an das, was Gott im Lauf der Geschichte mit dem Karmel getan hat, und brachten uns dazu, unser gemeinsames und je eigenes „historisches Credo“ vorzutragen, nach dem Stil des „historischen Credos“ des Volkes Israel (vgl. Dtn 26,5-9). 

 

III.

 

IM VERGESSEN, WAS HINTER UNS LIEGT, WOLLEN WIR NACH VORNE BLICKEN

(vgl. Phil 3,13) 

 

Eine positive Bilanz

 

13. Beim letzten Treffen der beiden Generaldefinitorien im Jahre 2002 zogen wir über unseren gemeinsamen Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit Bilanz. Wir betrachteten, was wir bis jetzt gemacht haben und was noch zu machen ist. Für den Stammorden begann vor gut einem Jahr ein neues Sexennium, in einigen Monaten geht für den Teresianischen Karmel ein Sexennium zu Ende.

Angesichts dieser Tatsache bekräftigen wir, soweit das von uns abhängt, mit der Vertiefung unserer brüderlichen Beziehung und Zusammenarbeit weiter zu machen. Die Konflikte und Spannungen von einst müssen endlich überwunden werden, um uns für die Zukunft zu öffnen, „in die der Geist euch versetzt, um durch euch noch große Dinge zu vollbringen“.[7]

Bei der Abwägung dessen, was getan wurde, schien uns klar zu sein, daß wir an Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit gewachsen sind. In den beiden Orden sind gegenseitige Vorurteile allmählich in sich zusammengebrochen und die Kooperation auf nationaler und regionaler Ebene ist gewachsen. Wir verpflichteten uns, gemeinsame Initiativen zu fördern, wie das Institut für karmelitanische Studien in den USA und andere, die da und dort im Entstehen sind.

 

Neue Herausforderungen

 

14. Ähnlich wie die Kirche und das Ordensleben insgesamt müssen auch wir uns den Herausforderungen stellen, die eine sich ständig verändernde Welt mit sich bringt. Deshalb müssen in nächster Zeit noch mehr Räume für die Suche und Reflexion auf der Ebene der Generaldefinitorien geschaffen werden. Wir müssen uns fragen, wie wir heute die großen Ideale der beiden Orden weitergeben können, wie „Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten“, „in der Gefolgschaft Jesu Christi leben“, das Zeugnis und die Weitergabe einer soliden, biblisch begründeten Spiritualität, die Erneuerung und Aktualisierung der Marienverehrung, die biblischer, anthropologischer, liturgischer und ökumenischer werden müßte. Gemeinsam könnten wir Wege für den interreligiösen Dialog und von unserer Spiritualität her Antworten auf die Suche nach dem Sakralen und die Sehnsucht nach Gott finden. Von der Gotteserfahrung unseres Herrn Jesus Christus her sind wir auch zu einem auf eine vorrangige Option für die Armen gegründeten Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden aufgerufen, dem „Zeichen für die Echtheit des Evangeliums und Ansporn für ständige Umkehr“.[8] Die Möglichkeit für Initiativen, die bei Respektierung unserer jeweiligen Identität in Kooperation durchgeführt werden, müßte überprüft werden, um daraus in Zusammenarbeit mit der großen Familie des Karmel – Brüder, Schwester, Laien, aggregierte Institute – einen Multiplikator im Dienst der Evangelisierung zu machen, der in die ganze Welt hineinwirkt, denn Gott hat uns das Charisma und die Spiritualität des Karmel für den Dienst an unseren Schwestern und Brüdern gegeben. Das müßte auf allen Ebenen geschehen: von der Volksfrömmigkeit bis zur theologischen und interdisziplinären Reflexion, von der Arbeit in der Mission bis in den akademischen Bereich hinein.

 

Einheit in der Vielfalt

 

15. Am Ende dieser Gedanken, die wir Euch, Schwestern und Brüder, hier vortragen, wollen wir nochmals deutlich sagen, was für beide Generaldefinitorien von Anfang an klar war, aber viele nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten. Wir meinen damit bestimmte Vorbedingungen, die notwendig sind, damit der Dialog und die Zusammenarbeit solide Grundlagen haben und nicht zum Verlust der Identität des jeweiligen Ordens führen.

 

Niemals haben wir eine juridische Zusammenlegung der Orden angestrebt, noch jemals davon gesprochen, vielmehr glauben wir, daß die Vielfalt ein großer Reichtum für die beiden Orden ist. In Achtung vor unserer jeweiligen Autonomie und unseren Lebensräumen wollten wir nichts anderes tun, als uns unmißverständlich und unzweideutig den Eingebungen des Hl. Geistes in den Zeichen der Zeit sowie den Einladungen der Kirche zu Gemeinschaftlichkeit und Zusammenarbeit unter den verschiedenen Instituten zu öffnen: „Die brüderliche geistliche Beziehung und die gegenseitige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Instituten des geweihten Lebens und den Gesellschaften des apostolischen Lebens werden vom kirchlichen Gemeinschaftssinn getragen und genährt. Personen, die durch die gemeinsame Verpflichtung zur Nachfolge Christi miteinander verbunden und vom selben Geist beseelt sind, müssen als Reben des einen Weinstocks die Fülle des Evangeliums der Liebe sichtbar bekunden“.[9]

Die neuerliche Instruktion der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens erläßt diesen Aufruf zur Gemeinschaftlichkeit, indem sie alle Orden in der Kirche einlädt, ihre gemeinsamen Wurzeln im Evangelium zu entdecken, um das beste Charisma zu erreichen, die Liebe.[10] Für uns, die wir gemeinsame Wurzeln haben, gilt das noch viel mehr.

 

Schluß: Offenheit für den Geist im Unterscheidungsprozeß des Glaubens

 

16. Schwestern und Brüder! Wir wollten uns vor dem Generalkapitel des Teresianischen Karmel an Euch wenden, um die Erfahrung eines vor elf Jahren beschrittenen Weges mit Euch zu teilen. Wenn Gemeinschaftlichkeit und Brüderlichkeit Zeichen der Anwesenheit des Geistes sind, dann können wir Euch versichern, daß er unter uns anwesend war. Wohin uns der Geist führen wird, das wissen wir nicht, doch haben wir die Gewißheit, daß er uns auf den Weg bringt. „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8). Wir haben die feste Zuversicht, daß der Dialog zwischen unseren Orden auf allen Ebenen weitergeht. Das wird allen Schwestern und Brüdern des Karmels helfen, zum Wohl der Kirche zu einer vertieften Kenntnis der Geschichte und Spiritualität des Ordens zu kommen. Wir haben uns bemüht, den Herausforderungen des gegenwärtigen Augenblicks zu entsprechen, den neuen Generationen wird es zukommen, im Glauben das Wehen des Geistes zu erspüren.

 

In seinem Apostolischen Schreiben zum Abschluß des Großen Jubiläums ermutigt Johannes Paul II. dazu, in der Kirche einen Geist der Gemeinschaft zu leben; dazu zeigt er einige Wege auf, die auch  uns weiterhelfen können:

 

„Spiritualität der Gemeinschaft ist auch die Fähigkeit, vor allem das Positive im anderen zu sehen, um es als Gottesgeschenk anzunehmen und zu schätzen: nicht nur ein Geschenk für den anderen, der es direkt empfangen hat, sondern auch ein ‚Geschenk für mich’. Spiritualität der Gemeinschaft heißt schließlich, dem Bruder ‚Platz zu machen’, indem einer des anderen Last trägt“ (vgl. Gal 6,2).[11]

 

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“ (2 Kor 13,13).

 

Rom, Weihnachten 2002 – Neujahr 2003

 

 

Fr. Joseph Chalmers O.Carm., Generalprior -Fr. Camilo Maccise O.C.D. Generaloberer

 

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[1] Vgl. PC 23.

[2] VC 50.

[3] A.a.O. 52.

[4] Gründungen 29,33.

[5] A.a.O. 14,4.

[6] Die Hl. Pforte durchschreiten, Nr. 31; vgl. VC 54.

[7] VC 110.

[8] VC 82.

[9] VC 52.

[10] Vgl. Neubeginn in Christus 30.

[11] Novo Millenio Ineunte 43.

 

     
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Updated 18 mar 2006 by OCD General House
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