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Missionary news

News   -  05  ( 26.04.2005 )
 

DER KARMEL IN LETTLAND

Dámaso Zuazua, OCD 

         Dieses Mal haben mich meine missionarischen Reisen an die Ufer des Baltischen Meeres geführt. Litauen, Lettland und Estland sind das Erbe des alten Livonia, welches Papst Innozenz III. im 12. Jahrhundert als “marianisches Land” bezeichnet hatte. Mit großer Anteilnahme verfolgten wir während des Kalten Krieges die Annexion dieser Länder an die ehemalige Sowjetunion. Mit großer Freude erlebten wir dann die neue Wende, welche durch die Phase der “Perestroika” und “Glasnost” durch Michail Gorbatschow eingeleitet wurde. Damals gingen die Menschen auf die Straßen und forderten mit Entschlossenheit die gerechte Unabhängigkeit und Freiheit. Die drei baltischen Länder habe ihre eigene Identität, geprägt durch ihre Geschichte, Kultur und Geographie.

         Zur Zeit befinde ich mich im karmelitanischen Auftrag in Lettland (Latvija). Mit seinen bescheidenen 64 598 km2 erreicht es nicht einmal die Fläche der Insel Irland; dennoch bietet es ausreichend Raum für seine 2 360 000 Einwohner. Wie auch die anderen beiden baltischen Länder hat Lettland eine lange Küste (494 km). Trotz einiger Schwankungen hat es bis heute die Grenzen seit der Ausrufung der Republik am 18. November 1918. Dunkle Schatten seiner Geschichte sind die Naziokkupation, welche durch den Stalin-Hitler Pakt besiegelt wurde, sowie die anschließende Zeit sowjetischer Unterdrückung.

         Aus dieser Zeit der sowjetischen Unterwerfung (1944-1991) besteht noch die Erinnerung an die Atomwaffenstützpunkte im Nationalpark von Zematija. Vierzig Jahre lang wusste niemand etwas von dieser unterirdischen Gefahr. Erst 1978 kam die Existenz dieser Waffenarsenale ans Tageslicht, und die Letten entdeckten erst Jahre danach, in welcher Gefahr sie während dieser Zeit des Kalten Krieges gelebt hatten.

         Am 21. August 1991 schlug die Stunde der hart errungenen Freiheit. Die ersten parlamentarischen Wahlen fanden 1993 statt. Ein Jahr danach verließ erst das letzte russische Kontingent das Land. Mit der wiedererlangten Freiheit setzte auch die Bewegung “Drang nach Europa” ein. Am 1. Mai 2004 wurde Lettland in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen. Gegenwärtig erlebt das Land eine Phase der Euphorie, nachdem die Zeit der Restrukturierung erfolgreich beendet worden ist und das Land in einer allgemeinen Normalität leben kann. Dennoch sind sich die Menschen der anstehenden Herausforderungen der Zukunft bewusst.

         Der erste Apostel Lettlands war der heilige Meinrad, ein lateranensischer Kanoniker deutscher Herkunft. Er erbaute 1184 aus Holz die erste Kirche in Ikškile. Von Papst Klemens III. wurde er zum ersten Bischof des Landes ernannt. Neun Jahrhunderte danach gab Papst Johannes Paul II. anlässlich seiner apostolischen Reise am 8. September 1993 die Verehrung des heiligen Meinrad (+1196), des Patrons von Lettland, einen neuen Impuls. 

Riga, die Perle des Baltikums 

            Riga ist die entzückendste der baltischen Hauptstädte. Es hat das typische Flair von Küstenstädten. 1201 wurde es vom Nachfolger des hl. Meinrad, dem Bremer Bischof Albert gegründet.

         Riga ist geprägt von seinen großzügig angelegten Straßen und Alleen. Durch Brücken wird die Stadt gleichsam zusammengehalten. Besonderen Anreiz bietet die Altstadt von Riga, deren Zentrum die Kirche zum hl. Petrus mit deren hohen und runden Turm bildet. In diesem waldreichen Land überwiegen die Holzbauten. Überraschend ist auch die Präsenz der architektonischen Richtung des Jugendstils, welcher eigentlich eines der Markenzeichen Wiens ist. Bis dato prägen noch die eher einfallslosen Bauten für die Arbeiter aus der Sowjetzeit das Stadtbild. Eine gewaltige Anstrengung der Renovierung erfolgte 2001 anlässlich der 800-Jahrfeiern von Riga.        

         Das Diözesanseminar, welches in eine theologische Hochschule und Institut für Katechetik umfunktioniert wurde, ist ein großes Gebäude mit angrenzendem Park. Es liegt neben der neugotischen Pfarrkirche zum hl. Franziskus. Dieses Gebäude hat eine bedeutsame geschichtliche Vergangenheit. Es wurde während der sowjetischen Herrschaft errichtet, damit hier alle in der Sowjetunion lebenden Seminaristen des lateinischen Ritus konzentriert würden. Allein aus diesem Grund wurde die Errichtung dieses Seminars von höchster Stelle vom Kreml gebilligt.

          Während meines Aufenthaltes in Riga dient mir das Seminar als Unterkunft. Ich konnte gar keinen besseren Platz finden, um die Situation der Kirche in diesem Land besser kennen zu lernen. Im Haus leben 36 Seminaristen und deren Professoren. Die Sprachbarrieren sind bald überwunden, dank der Übersetzer, die mich auf Deutsch, Französisch und Latein verstehen. Die Predigten und die fünf Stunden am Tag gemeinsamen Gesprächs über die Situation der Kirche, der Mission, des Karmels erweisen sich als nicht ausreichend... Es ist das Verlangen nach Öffnung hin zur Gesamtkirche stark zu verspüren. Sie bemerken, dass die Kirche in Lettland soweit gekommen ist, dass sie selbst zu geben beginnen kann und nicht mehr auf das ausschließliche Empfangen von Außen angewiesen ist.

         Die Kirche in Riga steht vor der Herausforderung, nach 50 Jahren der Unterdrückung den materiellen und moralischen Wiederaufbau zu leisten. In den letzten 14 Jahren seit der Unabhängigkeit wurden bereits 30 neue Kirchen errichtet, welche von einem jungen und stark motivierten Klerus betreut werden.        

Die Situation des Karmel 

         Ich bin vor allem mit der Absicht nach Lettland gekommen, um Möglichkeiten für eine karmelitanische Gründung auszumachen. Es galt herauszufinden, ob einer der 13 Konvente der ehemaligen lettischen Provinz zum hl. Kasimir (gegründet 1734) im Bereich des heutigen Lettlands liegt.

         Einige spärliche Berufungen zum Karmel fanden in den letzten Jahren Aufnahme in Belgien, Deutschland und Polen. Diese waren Frucht der Berufungspastoral der beiden Priester Andé Marie Jerumanis und Andris Kravalis, die sich besonders der Jugend annahmen. Inzwischen wurde in Lettland selbst ein Kloster gegründet, nämlich in Ikškile, welches 28 km von Riga entfernt liegt. Es ist dies der historische Ort, an dem durch den hl. Meinrad das Christentum zum ersten Mal in diesem Land Fuß fasste. Hier ist nun das Grundstück für das neue Kloster der Karmelitinnen. Am 16. Juli dieses Jahres wird Kardinal Jnis Pujats den Grundstein für 18 Zellen segnen, die Interessenten am Gebets- und Karmelleben zur Verfügung stehen sollen. Außerdem sind die Renovierungsarbeiten am bestehenden Kloster in Gang. Die Bauzeit ist auf zwei Jahre geplant, was vor allem wegen des dortigen Klimas (strenge und lange Winter) so lange dauern wird.

         Große Verdienste in Bezug auf dieses Projekt erwarb sich Sr. Elija von Jesus aus dem Karmel Essen. Es gibt auch große Hoffnungen innerhalb der ökumenischen Beziehungen. Zudem ist es das erste Kloster im Land, welches ausschließlich kontemplativen Lebensstil pflegt. Da es sich um einen Missionskarmel handelt, steht er für alle interessierten Karmelitinnen aus allen Ländern des Ordens offen.

         Die Erzdiözese von Riga stellt auch zwei Wohnungen für eine internationale Gemeinschaft von Karmeliten zur Verfügung, die in den kommenden Monaten das Klosterleben hier beginnen sollen. Das “Rgas Katolu imnzija” (Katholische Gymnasium von Riga) wäre ein erstes Arbeitsfeld für die neue Gemeinschaft. Die kirchlichen Verantwortlichen warten schon voller Sehnsucht auf den Beginn des Apostolates zur Verbreitung der karmelitanischen Spiritualität. Das gegenwärtige  “Kristgais Kultras Institts Edtes Šteinas Forums” (Christliches Forum für Dialog und Religion “Edith Stein”) könnte dann in die Leitung der Karmeliten übergehen. Bis jetzt wird dieses Forum von Frau Inga Reinvalde (Präsidentin der Theresianischen Karmelgemeinschaft in Riga) geleitet und ist bekannt für dessen starke karmelitanische Prägung. Ich selbst habe einen Vortrag gehalten (“Edtih Stein in der Schule der heiligen Teresa”), und nach mir referierte die finnische Professorin, Frau Heidi Tuorila Kahanpee (Verantwortliche der Theresianischen Karmelgemeinschaft in Finnland) zum Thema: “Die Pädagogik des eigenen Erlernens der theresianischen Gebetsweise”.

         Während meines Aufenthalts in Riga erreichte mich die Einladung von Msgr. Lapelis, dem jungen Dominikanerbischof von Liepaya. Er wünschte, dass die Karmeliten die Leitung eines Spiritualitätszentrums übernehmen würden, da es im ganzen Land an einer solchen Einrichtung bisweilen fehlt; das Gebäude steht schon bereit.

         Mit Hilfe aus Deutschland entstand in den letzten Jahren eine Gruppe der Theresianischen Karmelgemeinschaft; mittlerweile zählt diese Gruppe 20 Mitglieder, von denen zwei Schwestern in meine Hände ihre ersten Gelübde ablegten. Außerhalb von Riga bemüht man sich um die Gründung einer zweiten Gruppe der Theresianischen Karmelgemeinschaft. Die gute Seele des Säkularordens in Lettland ist die Professorin, Frau Inga Reinvalde, die selbst ein Jahr lang an unserem Internationalen Institut in Avila Spiritualität studiert hatte.

         Eine junge Lettin hatte erst kürzlich eine ausgezeichnete Doktorarbeit über die hl. Thérèse an unserer Fakultät Teresianum in Rom verteidigt und arbeitet bereits an der Übersetzung der Werke der hl. Thérèse ins Lettische. Eine weitere Frau aus Lettland arbeitet in Spanien an ihrem Doktorat über den heiligen Johannes vom Kreuz. Inzwischen gibt es auch die ersten Ansätze für die Karmelitanisch-Ökumenische-Bewegung (MEC). Die Patronin der Missionen ist die beliebteste Heilige des Landes, dank des Einsatzes von Bischof B. Sloskan (+ 1981), der in der nazistischen und kommunistischen Ära als Zeuge des Glaubens aufgetreten war und auch die “Geschichte einer Seele” übersetzt hatte.

         Die Kongregation der Karmelitinnen vom Kinde Jesus, welche von P. Anselm v. hl.Andreas Corsini 1921 in Polen gegründet wurde, hat in Lettland bereits zwei Niederlassungen und schon 15 einheimische Berufungen. Grund für die Beliebtheit des Karmels in Lettland ist die qualifizierte Arbeit von Priestern aus dem karmelitanischen Säkularinstitut “Notre-Dame de Vie”.

         Der Karmel in Lettland ist im Aufblühen begriffen, weshalb er die besondere Unterstützung von Seiten des Missionssekretariats des Ordens bedarf. 

 

     
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Updated 23 mag 2005  by OCD General House
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