Inhalt
- Neueste Meldung aus Bagdad
- Offizielles Urteil über Sr. Lucía , die Seherin
von Fatima
- Neue Übersetzung der Werke der hl. Teresa auf Deutsch
- Krönung der “Muttergottes von Gudogaj”
- Das Regional-Vikariat von Tansania
- 50-Jahr-Jubiläum des Karmels in Caracas (Venezuela)
Neueste Medung aus Bagdad
Wir wissen uns weiterhin mit unseren Mitbrüdern in
Bagdad (Irak) solidarisch im Gebet verbunden.
Entsprechend einer Nachricht vom 7. Juni haben wir
erfahren, dass die Telefonverbindungen in ihrem Bezirk
seit 37 Tagen unterbrochen sind. Auf diese Weise können
sie nicht einmal via Internet kommunizieren. Alle 48
Stunden gibt es nur für eine Stunde Strom. Darüber
hinaus ist es sehr schwer, Benzin und Gas zu bekommen.
Im Schatten hat es derzeit 47° C.
In den letzten Wochen hat sich die Situation noch einmal
verschlechtert, sich in eine dramatische ja sogar
tragische Situation gewandelt. Denn mehrere
terroristische Gruppen haben begonnen, systematisch die
Christen zu verfolgen. Nun hat sich bewahrheitet, was
unsere Mitbrüder schon seit längerer Zeit vermuteteten:
Es besteht offensichtlich der Plan, die Christen zu
zwingen, aus dem Süden in den Norden der Stadt zu
übersiedeln, um sie dort in einer Art Ghetto
einzuzwängen. Das ist auch der Grund, warum am 3. Juni
ein Priester und drei Diakone und vor wenigen Tagen ein
weiterer Priester ermordet wurden. Die Gewalt und die
Verfolgung nehmen von Tag zu Tag zu und wird immer
schrecklicher.
In einer Nachricht vom 9. Juni an das Sekretariat für
die Missionen unseres Ordens in Rom heißt es: “Der Tod
ist bereits etwas Gewöhnliches und Alltägliches. Gestern
habe ich selbst einen Freund verloren, der von
Terroristen ermordet wurde. Täglich nehmen wir
verschiedene Familien auf, die aus ihren Wohnbezirken in
Bagdad vertrieben wurden. Über Nacht haben sie alles
verloren. Die Terroristen zwingen sie, entweder zum
Islam überzutreten oder ihre Töchter führenden Männer zu
überlassen oder monatlich pro Person 250 US Dollar fürs
Dableiben zu bezahlen – was natürlich für die armen
Leute unbezahlbar ist. Wir versuchen, für sie wenigstens
eine Unterkunft zu finden. Viele Christen ziehen nach
Norden oder verlassen das Land. Viele Priester werden
entführt oder kommen ums Leben. Mittlerweise gibt es in
Bagdad nur mehr wenige Priester”.
In der Gemeinschaft der Karmeliten in Bagdad gibt es
vier Mitbrüder mit einfacher Profess, die ihre Studien
im Land nicht mehr fortsetzen können. Wir bemühen uns,
für diese schwere Lage eine Lösung zu finden. Der Herr
möge ihnen beistehen, damit wir nicht eines Tages eine
böse Nachricht erhalten.
Vermehren wir unsere Gebete für unsere Mitbrüder in
Bagdad.
Offizielles Urteil über Sr. Lucia, die Seherin von Fatima
In Zusammenarbeit mit dem Journalisten Giuseppe De Carli
hat der Kardinalstaatssekretär, Tarcisio Bertone, ein
Buch mit dem Titel “L’ultima veggente di Fatima. I
miei colloqui con Suor Lucia” ( “Die letzte Seherin von
Fatima. Meine Gespräche mit Sr. Lucia”) im
renomierten Verlag Rizzoli (Mailand) publiziert. In
Kürze werden Übersetzungen in anderen Sprachen
erscheinen. Kardinal Bertone, ehemals unter Kardinal
Ratzinger Sekretär der Glaubenskongregation, kannte und
veröffentlichte auf Wunsch von Papst Johannes Paul II.
zur festgsetzten Zeit das sog. “Dritte Geheimnis” von
Fatima. Aus diesem Grund hatte er mehrere (“offiziell”
waren es drei) Unterredungen mit Sr. Lucia, der
Unbeschuhten Karmelitin von Coimbra (+ 13.02.2005). Das
vorliegende Buch sammelt die Eindrücke und Kommentare
über diese Begegnungen mit Sr. Lucia.
In diesem gibt es auch einen flüchtigen Verweis auf P.
Jesús Castellano, der “ohne große Korrekturen
einzufügen” (S. 47) ein Original von Sr. Lucia gelesen
hatte, welches dann für die Veröffentlichung bestimmt
war. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es Papst
Benedikt XVI. selbst präsentiert. Im Vorwort, welches er
selbst verfasst und am 22. Februar dieses Jahres
unterzeichnet hat, gibt der Papst ein ungewöhnliches
Urteil über die in hohem Alter verstorbene Seherin von
Fatima. Er schreibt: “Die Gespräche zwischen der
Seherin, der letzten der drei Hirtenkinder, und Ihnen,
als dem vom Papst beauftragten Bischof, waren nicht nur
eine wichtige Klarstellung über die Glaubwürdigkeit der
Ereignisse. Sie waren auch eine Gelegenheit, die reine
Frische der Seele von Sr. Lucia kennen zu lernen, sowie
die Weisheit ihres Herzens, die typisch war für ihre im
festen christlichen Glauben aufgegangene Weiblichkeit.
Zudem leuchtet aufgrund der Erfahrung dieser demütigen
Schwester die Aufgabe der Jungfrau Maria durch, welche
die Christen mit mütterlicher Hand durch die
Widerwärtigkeiten des Lebens geleitet...”
Das Buch enthält ausserdem den theologischen Kommentar,
welchen der gegenwärtige Papst am 26. Juni 2000 zum
Dritten Geheimnis von Fatima verfasst hatte. Darin geht
er auch auf das Thema der öffentlichen und privaten
Offenbarungen ein. Als Fundament für seine Lehre dient
ihm ein Text von Johannes vom Kreuz aus dem “Aufstieg
zum Berge Karmel” (2Subida, 22, 3-5). Aufgrund
der illustren Autoren, seines Inhalts und seiner
Bekräftigungen kann man dieses Buch über Sr. Lucia
gleichsam als Vorspann zur Eröffnung des
Seligsprechungsprozesses sehen. Der “Osservatore Romano”
brachte in seiner Ausgabe vom 6. Juni (S. 5) einen
langen Kommentar zu diesem Buch, verfasst vom bekannten
Mariologen Stefano de Fiores, welcher besonders die
Gestalt der Sr. Lucia hervorhob.
Neue Übersetzung der Werke der hl. Teresa in deutscher
Sprache
Neue Ausgaben und neue Übersetzungen der Schriften der
hl. Mutter Teresa von Jesus entstehen ohne
Unterbrechung. So wurde erst kürzlich eine neue
spanische, vom französischen Hispanisten Joseph Pérez
besorgte Ausgabe der Vida veröffentlicht. Auf
Deutsch hingegen hielt sich für allzu lange Zeit die
fast exklusive Übersetzung von P. Aloysius Alkofer OCD.
Die Ausgabe seiner
“Sämtliche Schriften der hl.
Theresia von Jesu”
(1935-1941) erwies sich allmählich als veraltet,
unpraktisch wegen des großen Formats der einzelnen Bände
und der schwer leserlichen Frakturschrift. Dazwischen
gab es einige wenige Ausnahmen, wie etwa die Übersetzung
der Moradas (“Die innere Burg”) durch den
Protestanten Fritz Vogelsang (Stuttgart 1966), welche
jedoch keine allgemeine Anerkennung erhielt. Für
interessierte Leser deutscher Sprache gab es somit lange
Zeit keinen leichten Zugang zu den Schriften der hl.
Teresa.
Aus diesem Grund fassten 2001 P. Ulrich Dobhan und Sr.
Elisabeth Peeters den mutigen Entschluss zu einer
Neuübersetzung der Werke der hl. Teresa. Inzwischen sind
vier Bände im Verlag Herder (Freiburg) erschienen. Jeder
einzelne der Bände fand in den verschiedensten
karmelitanischen Zeitschriften große Aufmerksamkeit von
Seiten der Rezensenten. Jeder Band enthält eine
ausgezeichnte Einleitung. In den Fußnoten werden immer
wieder die Forschungsergebnisse von P. Tomás Alvarez,
Teófanes Egido und von vielen anderen Experten zur
Erklärung widergegeben, wodurch der teresianishce Text
mehr Klarheit erhält. Mittlerweise hat jeder der vier
Bände eine oder mehrere weitere Auflagen erfahren.
Mit der Herausgabe des fünften Bandes (2007), der
Fundaciones (“Das Buch der Gründungen”)
──
welche zuvor von P. Antonio Sagardoy OCD und Anneliese
Reiter (“Klostergründungen”, Wien1998) übersetzt
wurden
─
endet die Reihe. Für die Gesamtwerke bleibt noch die
Übersetzung der Briefe der Heiligen, welche für die
nächste Zukunft geplant ist. Zusammen mit den Werken der
hl. Teresa und jenen des hl. Johannes vom Kreuz (2000)
haben die Leser deutscher Sprache nun einen
erleichterten Zugang zu den Werken unserer Ordenseltern.
Die Herausgabe dieser Übersetzungen wurde durch
“INTERKARM” ermöglicht, einer Vereinigung aller
karmeltanischen Vertretungen im deutschen Sprachraum.
Krönung der “Muttgergottes von Gudogaj” (Weißrussland)
Der Karmel und die Kirche in Weißrussland bereiten sich
auf die Feier eines kirchlichen Feiertages mit
nationaler Bedeutung vor. Am 15. Juli wird nämlich das
historische Bild “Unserer Frau von Gudogaj” offiziell
gekrönt. Die Kronen für die Muttergottes und das
Jesuskind wurden bereits am 18. Oktober 2003 vom
damaligen Papst Johannes Paul II. im Rahmen einer
Audienz gesegnet. Die Kronen wurden mit Juwelen und
Perlen geschmückt, welche verschiedene Gläubige
spendeten. Die Zeremonie findet unter der Leitung von
Kardinal Kazimierz Swiatek, im Beisein unseres
Ordensgenerals P. Luis Aróstegui, statt. Das Kloster in
Gudogaj wurde 1764 durch die Provinz von Litauen
gegründet. Im Zuge der Gründung erhielten die Karmeliten
auch das wertvolle Bild der “Jungfrau Maria von der
Güte” (Eleousa von Wladimir). Damals bekräftigten die
Spender, dass dieses Bild bereits mehr als 100 Jahre in
ihrem Besitz gewesen wäre.
Als 1832 der russische Zar Nikolai I. im Zuge einer
Begünstigung der orthodoxen Kirche u.a. die Karmeliten
vertrieb und sie nach Sibirien deportieren ließ, kam das
ehrwürdige Bild in die benachbarte Kirche von Oszmiana,
wo es bis 1907 aufbewahrt wurde. 1907 konnte die Kirche
von Gudogaj wiederum als Pfarrkirche eröffnet werdem und
das Bild wieder dorthin zurückkehren. In vielen Nöten,
besonders während der beiden Weltkriege, wurde dieses
bekannte Bild der Muttergottes von den Gläubigen sehr
verehrt. Nachdem polnische Karmeliten im Jahr 1991
wieder nach Gudogaj zurück gekehrt waren, bemühten sie
sich um die Entfaltung der Marienverehrung. In diesem
Sinne wird die Muttergottes von Gudogaj als Stern der
Neuevangelisierung angerufen und erweist sich als große
Hilfe in allen pastoralen Aktivitäten im gesamten Land.
Der Impuls zur feierlichen Krönung des Marienbildes
erfolgte nach einstimmigen Beschluss der weißrussischen
Bischofskonferenz, welche dadurch dem Wunsch zahlreicher
Gläubige entsprechen. Der 15. Juli wird somit für den
Karmel in Weißrussland ein großer Tag der Freude und ein
Zeichen begründeter Hoffnung für die Zukunft.
Das Regional-Vikariat von Tansania
Die Präsenz des Karmels in diesem Land im Osten Afrikas
geht auf das Jahr 1983 zurück. Damals entschloss sich,
auf Bitten des Generaldefinitoriums, die Konferenz der
Provinziäle Indiens zu einer Gründung in diesem Land.
Einige Jahre danach wurde diese neue Mission gänzlich
der Provinz von Karnataka-Goa anvertraut, und seit dem
20. März 2002 sind die Niederlassungen in Tansania zu
einem Regional-Vikariat zusammengefasst. Derzeit gibt es
dort 21 Priester, davon ein Einheimischer, der im Juli
2006 die Priesterweihe erhielt. Insgesamt gibt es sechs
Kommunitäten, und neben den Priestern gibt es sechs
Studenten, vier Novizen und 2 Postulanten.
Kihonda ist die erste Gründung in Tansania und befindet sich etwa
5km von der der Stadt Morogoro entfernt. Die Kapelle
erweist sich für die zahlreichen Gläubigen als viel zu
klein. Neben der Aufgabe der geistlichen Sorge für die
Bevölkerung unterhalten die Karmeliten auch eine
Volksschule. Das Kloster in Malolo-Morogoro wurde
1991 gegründet und ist eine Pfarre mit zwei Grundschulen
und einem Spital. Zur Pfarrei gehören noch fünf
Filialkirchen außerhalb der Stadt. Ursprünglich gab es
in der Pfarre nur 25 Personen; mittlerweile zählt sie
mehr als 100 Familien. Das Kloster in Uyole-Mbeya
hat die Pfarre zum hl. Jakobus. Im Jahr 2000 wurde in
diesem Haus das Noviziat eingerichtet. Ein eigenes
Zentrum bemüht sich um die Förderung von Frauen. Am 18.
Dezember 2004 wurde eine eigene Schneiderei eröffnet,
die Frauen einen Arbeitsplatz ermöglicht.
Am 21. März 2000 übertrug Kardinal Polycarp Pengo dem
Orden die Pfarre von Mbezi Louis in Dar es Salam,
der Hauptstadt des Landes. Die Pfarre zählt 6.500
Gläubige und unterhält noch sechs Filialkirchen. Zur
Pfarre gehört auch eine Grundschule. Am 1. November 2002
wurde in Kola Hills (Morogoro) ein
Theologisch-Philosophisches Kolleg eröffnet. Unsere
Mitbrüder besuchen das Institut der Salesianer. Die
Kommunität gehört zur Pfarre von Kiroka. Am 14.
September 2003 wurde die Pfarre von Mpandangindo
in Songea eingeweiht.
Tansania ist die erste missionarische Erfahrung der
indischen Karmeliten ausserhalb ihres Landes. Im Jahr
2001 gründete die Assoziation der Karmeliten in Indien
das erste Kloster in Bunda (Diözese Mosuma).
50 Jahre Karmel in Caracas (Venezuela)
Am 21. April 2007 haben wir während einer feierlichen
hl. Messe der 50 Jahre des weiblichen Karmels in diesem
Land von Bolívar gedacht. Dieses Jubiläum ist nicht nur
für die Karmelitinnen, sondern für das gesamte
kontemplative Leben in diesem Land ein wichtiger
Meilenstein. Dieser Karmel nämlich ist der Anfang einer
neuen Etappe kontemplativen Lebens in Venezuela, nach
der Ära der Exklaustration, welche durch die Gesetzte
des Präsidenten Guzmán Blanco verursacht wurde.
Die Geschichte dieses Karmels geht in die Zeit der
Kolonialisierung zurück. Im Jahre 1725 gründeten
Karmelitinnen aus Mexiko ein Kloster in Caracas, der
Hauptstadt von Venezuela. Diese Niederlassung bestand
bis zur Exklaustration im Jahre 1873. Dank einiger
einheimischer Karmelitinnen, die ausserhalb des Landes
in anderen Klöstern ihr kontemplatives Leben führten und
mit Hilfe einiger Schwestern aus Klöstern der Provinz
von Aragón-Valencia wurde es möglich, 1957 wieder in
Venezuela mit einer Neugründung Fuß zu fassen.
Diese kurze Geschichte, geprägt von Gebet, Hingabe und
Danksagung, war das Motiv für die Eucharistiefeier,
welcher der Weihbischof von Caracas und große Freund des
Karmel, Msgr. Nicolás Bermúdez zusammen mit unseren
Karmeliten und anderen Priestern, Ordensleuten und
Freunde des Karmel feierten. Große Freude bereiteten der
Kommunität die Glückwunschschreiben von Pater General,
Luis Aróstegui und dem für Lateinamerika zuständigen
Generaldefinitor, P. Nicolás García. In dieser Freude
und Dankbarkeit möchten sie dem Motto der Jubiläumsfeier
treu bleiben: “50 Jahre in Gebet und in Liebe für das
Wohl aller” (“50 años amando y orando por el bien de
todos”).
Dieses Kloster ist das erste seit des karmelitanischen
Neuanfangs in Venezuela; diesem folgten vier Konvente
der Brüder und sieben Klöster der Karmelitinnen.