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SECRETARIATUS GENERALIS PRO MONIALIBUS O.C.D. - ROMAE

  Projekt zur `Geistlich-theologischen Reflexion
für die Unbeschuhten Karmelitinnen

Erstes Thema

Tag und Nacht im Gesetze des Herrn betrachten
Lectio divina bei den Unbeschuhten Karmelitinnen

 Eine Arbeitshilfe der Generalkurie OCD

Einführung

 Der lateinische Begriff lectio divina bedeutet soviel wie betendes Lesen der Schrift. Die Schriftlektüre soll das Gebet nähren und den Leser an das Geheimnis heranführen, das im biblischen Text verborgen ist.

 Lectio divina ist etwas anderes als wissenschaftliche Exegese, als Studium und kritische Auslegung der Schrift, denn unter der Wirkung des Hl. Geistes gründet sie sich auf den Glaubensdialog zwischen dem Leser und Gott.

 Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns wieder auf die zentrale Rolle des Wortes Gottes aufmerksam gemacht, was in der Folge zur Wiederentdeckung der Lectio divina führte. Ihre Methode hat je nach pastoraler Notwendigkeit und entsprechend den Bedürfnissen der christlichen Gruppe verschiedene Formen angenommen.

 Wir haben als Ausgangspunkt für unsere `Geistlich-theologischen ReflexionenA die Lectio divina gewählt, weil in diesem Begriff sowohl das Hören des Wortes als auch das immerwährende Beten enthalten ist, die uns die Regel und die Erfahrungen und Lehre unserer Ordenseltern uns als wichtigste Elemente unseres Charismas in der Kirche ans Herz legen: `Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachenA, indem wir `oft allein bei dem verweilen, von dem wissen, daß er uns liebtA  [1] .

 Mit dieser geistlich-theologischen, von unserer Erfahrung ausgehenden Besinnung möchten wir als Karmelitinnen uns die Notwendigkeit bewußt machen, dem Wort Gottes als dem eigentlichen Herzen und der wahren Quelle unseres Lebens und unserer Sendung in der Kirche seinen Platz zurückzugeben. Für unser Leben der Vertrautheit und Gemeinschaft mit dem Herrn gibt es keine solidere, kräftigere Nahrung als sein betend bedachtes Wort. Bereits das Zweite Vatikanum erinnert alle Christen daran, `daß das Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muß, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch; denn ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir Gottes Weisungen lesenA [2] .

 Unsere geistlich-theologischen Reflexio über das genannte Thema geht von unserer persönlichen und kommunitären Erfahrung aus. Es geht nicht darum, spekulative Theologie zu betreiben, sondern unsere Erfahrungen einander mitzuteilen und eine narrative Theologie [3] zu entwickeln, an der unsere Schwestern und Brüder in aller Welt teilhaben können. So wird bei aller Verschiedenheit in den Stilen und Formen, in denen im weiblichen Teresianischen Karmel das betende Lesen der Schrift heute praktiziert wird, die Einheit in der Vielfalt aufscheinen.

 Um unsere Erfahrungen ins Wort zu bringen und klar zu beschreiben, müssen wir über die Lehren der Schrift und Theologie nachdenken und einen Blick in die Kirchengeschichte im allgemeinen und die karmelitanische Tradition insbesondere werfen. Daraus werden sich Schlußfolgerungen für die Praxis ergeben, die uns in dem soziokulturellen und kirchlichen Umfeld, in dem wir zu Hause sind, hilfreich sein und uns bereichern können.

 Aus diesem Grund wollen wir unsere persönliche und gemeinschaftliche Reflexion von fünf Perspektive aus angehen: biblisch, theologisch, geschichtlich, karmelitanisch und praktisch.

 Die Ordensleitung bietet diese Orientierungshilfe den Regionen an, in denen man nicht über die Möglichkeit verfügt, solch Anleitungen zur geistlich-theologischen Reflexion selbst zu erstellen. Es besteht von daher KEINE Verpflichtung, sie zu verwenden und erst recht nicht, ihnen wörtlich zu folgen.

 Wir bitten den Herrn, daß er dieses Projekt segne. Er hat uns, den Schwestern und Brüdern, den Gedanken nahegelegt, uns gegenseitig zu helfen, von unserem teresianisch-karmelitanischen Selbstverständnis aus auf sein Wort zu lauschen und es in die Tat umzusetzen. Als Karmelitinnen werden wir jetzt damit beginnen, uns in einer uns als kontemplativen Frauen eigenen Sprache unsere Gotterfahrungen mitzuteilenzu äußern. Der Hl. Vater lädt uns dazu ein, wenn er schreibt: `Auch auf dem Gebiet der theologischen, kulturellen und spirituellen Reflexion darf man sich vom Genius der Frau viel erwarten, nicht nur in bezug auf die besondere Eigenart des geweihten Lebens, sondern auch was das Verständnis des Glaubens in allen seinen Ausdrucksformen betrifftA [4] .

 I. Die biblische Perspektive der lectio divina

 Von der Schrift her gesehen ist die lectio divina gläubiges und betendes Lesen des Wortes Gottes, ausgehend vom Glauben an Jesus, der sagt: `Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habeA (Joh 14,26).

 In einer gewissen Weise praktiziert das Neue Testament die Lectio divina des Alten. Tatsächlich ist das NT zum Teil Frucht der Lektüre, die die Christen im Licht ihrer Probleme und im Licht der neuen Offenbarung, die Gott durch die Auferstehung des in der Gemeinde gegenwärtigen und lebendigen Jesus von sich gewährt hat, gehalten haben.

 Die lectio divina verfolgt den gleichen Zweck wie die Schrift: `Weisheit zu verleihen, damit wir durch den Glauben an Christus Jesus gerettet werdenA (2 Tim 3,15) und anzuleiten `zur Belehrung, Widerlegung, Besserung und zur Erziehung in der GerechtigkeitA, denn `so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet seinA (2 Tim 3,16-17). Sie belebt unsere Hoffnung, denn `alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung habenA (Röm 15,4).

 Die Lectio divina setzt einige grundlegende Dinge voraus, die bei der christlichen Bibellektüre immer gegenwärtig sind:

 1. Die Einheit der Schrift. Die Bibel bildet eine große Einheit: jedes Buch, jeder Vers hat seinen Platz und seine Funktion, um uns Gottes Vorhaben zu enthüllen. Ihre verschiedenen Teile sind wie die Steine einer riesigen Mauer. Zusammen ergeben sie die Zeichnung für Gottes Vorhaben. Das Prinzip der Einheit der Schrift verbietet es, die Texte zu isolieren, sie aus ihrem Kontext herauszureißen und sie isoliert als absolute Wahrheiten zu wiederholen. Ein Stein macht noch keine Mauer aus, eine Linie noch kein Bild. Die Schrift ist kein mit Steinen beladener Lkw, sondern ein Haus, in dem man wohnen kann.

 2. Die Aktualität oder Inkarnierung des Wortes. Als Christen können wir bei der Bibellektüre nicht von unserem Leben absehen, sondern müssen es auf uns nehmen, in uns hineinnehmen. Wenn wir das Leben vor uns haben, entdecken wir in der Bibel den Widerschein dessen, was wir gerade selbst leben. Die Schrift wird dann zum Spiegel dessen, was wir selbst erleben und was im Innern jedes Menschen vor sich geht. Wir machen die Entdeckung, daß sich Gottes Wort nicht nur in jenen fernen Zeiten inkarniert, sondern auch heute. Denn er will bei uns sein und uns helfen, unsere Probleme zu bewältigen und unsere Hoffnungen zu verwirklichen. `Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!A (Ps 95,7).

 3. Der Glaube an den in der Gemeinde lebendigen Jesus Christus. `Wir lesen die Schrift im Glauben an den unter uns gegenwärtigen Herrn. Er ist der Angelpunkt bei unserer Lektüre. Der Glaube an Jesus hilft, die Schrift besser zu verstehen; die Schrift hilft, die Bedeutung Jesu für unser Leben besser zu verstehen. Gemeinschaftliche Schriftlektüre bewirkt, daß Bibel, Tradition und Leben zu einer lebendigen Einheit verschmelzenA [5] .

 Fragen für die persönliche und gemeinschaftliche Reflexion:
1. Haben wir bei unserer Bibellektüre die drei für eine christliche Schriftlesung notwendigen Voraussetzungen vor Augen?
2. Was tun wir in unserer Kommunität zugunsten einer biblischen Ausbildung, die es erlaubt, die Einheit der ganzen Schrift bei unserer betenden Lesung zu beachten?

3. Wie verbinden wir das Wort Gottes in der Schrift mit dem Wort Gottes in unserem Leben?
4. Auf welche Weise erreichen wir es, daß Christus zum Angelpunkt unserer betenden Schriftlesung wird?
 
 II. Die theologische Perspektive der lectio divina

 Das Zweite Vatikanische Konzil hat die lectio divina wieder aufgewertet, indem es die Kirche als Hörerin des Wortes präsentierte: `Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes: _Wir verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus> (1 Joh 1,2-3). Darum will die Synode ... die echte Lehre ... vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung liebtA [6] .

Eine weitere Aussage des Konzils erhellt einen inneren Zusammenhang zwischen Kirche und Wort Gottes, der durch betendes Lesen der Schrift geschaffen wird. Dieses läßt die Kirche in ihrem Selbstverständnis wachsen: `Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt: es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19.51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllenA [7] . Das Konzil weist auch darauf hin, daß Gott durch die `Zeichen der ZeitA zu uns spricht [8] .

 Aus der theologischen Perspektive muß die Schrift im gleichen Geist gelesen und ausgelegt werden, in dem sie geschrieben wurde, im Bewußtsein, daß es Gottes Herablassung ist, der sich der menschlichen Natur anpaßt und nach Menschenart spricht [9] . Deshalb ist die Lektüre der erste Schritt bei der Lectio divina, der zur Meditation und zum Gebet führt und in der Kontemplation endet. Es ist nicht leicht, diese vier Schritte auseinanderzuhalten, weil sie gleichzeitig bestehen, doch ist es gut, die besonderen Merkmale jedes Schrittes zu kennen, auch wenn man bei der Praxis später merkt, daß die Schritte ineinander übergehen.

 `Die Lektüre ist der erste Schritt, um das Wort Gottes kennenzulernen und zu lieben; was man nicht kennt, liebt man nicht. Sie ist auch der erste Schritt im Prozeß der Aneignung des Wortes ... Man muß viel in der Schrift lesen, um mit ihr vertraut zu werden, um dahin zu kommen, daß sie zu unserem Wort wird, das fähig ist, unser Leben und unsere Lebensgeschichte auszudrücken ..

Durch das Lesen geben wir uns mit der Schrift ab, wie wenn man sich mit einem Freund abgibt ... Eine Lektüre nach Art eines kritischen Studiums hilft dem Leser, den Text zu analysieren und ihn in seinen Ursprungskontext zu stellen. Dieses Studium hat drei Ebenen:
a) die literarische:
Dem Text näherkommen und mit Hilfe von Fragen seinen Aufbau analysieren: Wer? Warum? Wann? Wie? Wodurch? Wie fügt sich die Stelle in den literarischen Zusammenhang des Buches ein, zu dem sie gehört?
b) die geschichtliche:
Durch das Textstudium zum historischen Kontext vorstoßen, in dem der Text entstand oder in dem sich die erzählte Geschichte ereignet hat, und dann die geschichtliche Situation analysieren ...
c) die theologische:
Durch die Lektüre des Textes herausfinden, was Gott den Menschen von damals in jener geschichtlichen Situation sagen wollte; was Gott ihnen bedeutete; wie er sich dem Volk offenbarte; wie das Volk das Wort des Herrn aufnahm und feierte ...

 Wenn die Lektüre gut gemacht wird, hilft sie, den Fundamentalismus zu überwinden; wenn sie schlecht gemacht wird, wird er verstärkt. Der Fundamentalismus bleibt die große Versuchung, die sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt hat. Er löst den Text aus dem Lebenszusammenhang und der Geschichte des Volkes und verabsolutiert ihn als einzig mögliche Äußerung des Wortes Gottes im Leben. Er bedeutet die totale Abwesenheit jeglichen Bewußtseins, verdreht den Sinn der Schrift und leistet bei deren Auslegung dem Moralismus, Individualismus und Spiritualismus VorschubA  [10] .

 Der zweite Schritt ist die Meditation. Durch sie kommt es zur Zwiesprache mit dem Text, wir `kauen ihn wiederA und aktualisieren ihn. `Die Lektüre antwortete auf die Frage: Was sagt der Text? Die Meditation beantwortet die Frage: Was sagt der Text zu mir,  zu uns? Die Frage, um die es von nun an eigentlich geht, lautet daher: Was will Gott heute mit diesem Text sagen? ...A [11] . Um diese Frage zu beantworten, `tritt man mit dem Text in ein Zwiegespräch ein, indem man Fragen stellt, die den Einsatz unseres Verstandes verlangen und darauf abzielen, im Horizont unseres Lebens in den Text einzudringen. Man meditiert, nachdenkend und fragend: Was für Ähnlichkeiten oder Unterschiede bestehen zwischen der Situation des Textes und der unsrigen heute? Was bedeutet der Text für unsere heutige Situation? Welche Verhaltensveränderung legt er mir nahe? ... Eine andere Art zu meditieren ist, den Text immer wieder zu `kauenA, ihn `wiederzukäuenA, bis man das entdeckt, was er uns zu sagen hat. So hat Maria meditiert, wenn sie über die Dinge in ihrem Herzen nachgedacht hat (Lk 2,19) ... Nach der Beendigung der Lesung und der Entdeckung des Sinnes für uns, ist es gut, das Gefundene in einem Merksatz zusammenzufassen, am besten mit den Worten des biblischen Textes selbst, damit wir ihn im Gedächtnis behalten und ihn den Tag über zu wiederholen und zu `kauenA, bis er zu unserem geistigen Eigentum wird. Durch dieses Wiederkäuen unterstellen wir uns dem Urteil des Wortes Gottes und lassen uns darauf ein, daß es uns wie ein _zweischneidiges Schwert> durchdringt (Hebr 4,12).

 Kassian sagt: `Unterwiesen durch das, was wir selbst fühlen, empfinden wir den Text nicht als etwas, was wir nur hören, sondern als etwas, das wir erleben und mit Händen greifen; nicht als eine seltsame, beispiellose Geschichte, sondern als etwas, das wir im Tiefsten unseres Herzens zur Welt bringen, so als seien es Gefühle, die zu unserem eigenen Sein gehören. Wir sagen es noch einmal: Es ist nicht das Lesen, das uns in den Sinn der Worte eindringen läßt, sondern unsere eigene Erfahrung, die wir vorher im Alltag gemacht habenA (Collationes X,11). Hier scheint es keinen Unterschied mehr zu geben zwischen Schrift und Leben, zwischen dem Wort Gottes und unserem eigenen Wort ... Das Studium legt die Leitungen, die erworbene Erfahrung erzeugt den Strom, die Meditation drückt auf den Knopf, läßt den Strom durch die Leitung fließen und die Lampe des Textes aufleuchten. Sowohl Kabel und Strom sind nötig, damit es Licht gibt. Das Leben wirft Licht auf den Text; umgekehrt erleuchtet der Text unser Leben. Die Meditation vertieft auch die persönliche Dimension des Wortes Gottes.

 Die Meditation ist individuelles und auch gemeinschaftliches Tun. Mit anderen zu teilen, was man im Kontakt mit dem Wort Gottes empfunden, entdeckt und sich zu eigen gemacht hat, ist weit mehr als die Summe dessen, was ein jeder in der Runde beigetragen hat. Gemeinsame Suche offenbart den kirchlichen Charakter der Schrift und stärkt den Gemeinsinn des Glaubens. Deshalb ist es so wichtig, die Schrift nicht nur für sich allein, sondern auch und vor allem gemeinsam zu lesen, zu meditieren und zu studieren. Die Schrift ist ja das Hauptbuch der Kirche, der GemeindeA.

 Der dritte Schritt ist das Gebet. Durch es bittet, lobt und betet man. `Die Haltung des Betens ist in der Lectio divina von Anfang an da ... die Meditation ist schon fast eine Gebetshaltuing, weil sie von selbst in ein Bitten übergeht. Doch auch wenn die Lectio divina bereits ganz von Gebet durchdrungen ist, muß es in ihr eine Phase geben, die eigens dem Gebet gewidmet ist. Durch das Lesens suchen wir zu entdecken, was uns der Text sagt. Die Meditation konfrontiert unsere Lektüre mit unserem Leben: Was ist das, was der Text mir, uns sagt? Bis hierher war es Gott, der redete. Dann kommt der Moment des eigentlichen Betens: Was läßt der Text mich sagen? Was läßt er uns Gott sagen? ... Das durch die Meditation geförderte Gebet beginnt mit einem schweigenden Staunen und mit der Anbetung des Herrn. Ab hier beginnt unsere Antwort auf das Wort Gottes zu keimen ... Wie bei der Meditation ist wichtig, daß dieses spontane Beten nicht nur individuell geschieht, sondern auch seinen gemeinschaftlichen Ausdruck durch Austausch in der Runde findet. Das durch die Meditation angeregte Beten kann auch im Vortrag vorformulierter Bitten bestehen; hier ist das Stundengebet sehr hilfreich ... Schließlich widerspiegelt sich im Gebet der persönliche Glaubensweg des einzelnen zu Gott hin und sein Bemühen, leer zu werden, um Platz zu machen für Gott, den Nächsten, die Armen, die Kommunität. Hier treten die dunklen Nächte auf den Plan, mit ihren Krisen und Schwierigkeiten, ihrer Wüste und ihren Versuchungen, die durchbetet, meditiert und dem Licht des Wortes Gottes ausgeliefert werden (Mt 4,1-11)A [12] .

Der vierte und letzte Schritt der lectio divina ist die Kontemplation. Sie führt zum Beobachten, Genießen und Handeln. `Die Kontemplation vereinigt in sich den ganzen von der Lectio divina zurückgelegten Weg: Wir haben das Wort Gottes gelesen und vernommen, seinen Sinn studiert und entdeckt. Auf diesen Sinn haben wir uns eingelassen und begonnen, ihn `wiederzukäuenA, damit es in unseren Lebensablauf eindringt und vom Kopf ins Herz gelangt. Wir haben das alles vor Gott zu einem Gebet gemacht, als Vorsatz für unser Leben ... Nun beginnen wir, mit all dem in unserem Sinn und Herzen, alles neu zu sehen, um das Leben, die Geschehnisse und die Geschichte zu beobachten und zu bewerten ... Diese neue Sehweise ist die Kontemplation. Neu betrachten, neues Verschmecken, neues Tun! Die Kontemplation bezieht das ganze menschliche Sein mit ein. Augustinus sagte, daß Gott uns durch das Lesen der Schrift den Blick der Kontemplation zurückgibt und uns hilft, die Welt zu entziffern und so zu verändern, daß sie von neuem eine Offenbarung Gottes, eine Theophanie wird. So verstandene Kontemplation ist gerade das Gegenteil von der Auffassung, daß man sich aus der Welt zurückziehen müsse, um Gott `kontemplierenA zu können.

 Die Kontemplation als Frucht der Lectio divina ist das Verhalten eines Menschen, der sich auf die Geschehnisse einläßt, um in ihnen die aktive und schöpferische Kraft des Wortes Gottes zu entdecken und zu verkosten; darüber hinaus verhilft sie dazu, sich für den Verwandlungsprozeß einzusetzen, den dieses Wort im Raum der Geschichte anstößt. Die Kontemplation meditiert nicht nur die Botschaft, sondern verwirklicht sie auch; sie vernimmt sie nicht nur, sondern setzt sie auch in die Tat um. Sie trennt nicht die beiden Aspekte Sagen und Tun, Lehren und Animieren; sie ist Licht und Kraft ... Die Kontemplation ist als oberste Sprosse einer Leiter die neue Ebene, von der aus ein neuer Anfang gemacht wird. Sie ist wie die Besteigung eines sehr hohen Turms ... Sie macht Lust, immer höher zu steigen, um die Landschaft noch besser betrachten zu können. Und so steigen wir immer mehr in einen Prozeß ein, der kein Ende nimmt. Wir lesen immer die gleiche Bibel und sehen dabei immer die gleiche Landschaft. Aber je höher wir steigen, desto klarer wird das, was wir sehen; die Landschaft wird weiter, wirklicher ... Und so steigen wir zusammen mit unseren Mitschwestern und Mitbrüdern hinauf, tauschen uns aus und helfen einander, damit niemand zurückbleibt. So steigen wir höher und höher, bis wir Gott von Angesicht zu Angesicht schauen (1 Kor 13,12) und in Gott, in einer vollständigen und endgültigen Schau, unsere Schwestern und Brüder, die Wirklichkeit, die LandschaftA.

 Fragen für die persönliche und gemeinschaftliche Reflexion
1. Hältst du lectio divina, indem du direkt oder indirekt diese vier Schritte machst?

2. Wird in deiner Kommunität manchmal gemeinsam
lectio divina gehalten? Auf welche Weise? Mit welchem Ergebnis?
3. Hältst du die von der Tradition entwickelten Schritte für die
lectio divina für nützlich oder hast du andere Vorschläge?

 III. Die historische Perspektive der lectio divina

 Die Geschichte mit den zwei Jüngern von Emmaus, wie sie im Lukasevangelium erzählt wird (Lk 24,13-35), enthält schon all das, was später in der Kirche lectio divina genannt wird: Jesus lehrt die Emmausjünger, das Leben mit dem Wort der Schrift zu verbinden und die Frucht des im Gespräch mit ihm empfangenen Lichts in konkreter, tätiger Liebe und in der Verkündigung der Frohen Botschaft zum Ausdruck zu bringen.

Im Jahre 238 taucht schon der Begriff lectio divina auf, allerdings in Griechisch, und zwar in einem Brief des Origenes an seinen Schüler Gregor, der sich auf die Verkündigung des Evangeliums vorbereitete. Origenes gibt ihm Ratschläge, in welcher Weise er sich dem Studium der Schriften widmen solle: `Widme dich der Lectio der Heiligen Schrift; bleib mit Ausdauer dabei ... Bemühe dich um die Lectio mit der Absicht, an Gott zu glauben und ihm zu gefallen ... Wenn du dich so der Lectio widmest, suche redlich und mit unerschütterlichem Gottvertrauen nach dem Sinn der Heiligen Schriften, der in ihnen sehr ausgiebig enthalten istA [13] .

 Zu dieser Zeit verfügte man bestimmt noch nicht über eine Methodologie, um Lectio divina zu halten; das ist erst das Ergebnis einer späteren Entwicklung. Die Aszeten und Zönobiten des 2. bis 4. Jahrhunderts maßen der Schriftlesung höchste Bedeutung bei. Kassian (+435) hat uns folgenden Rat des Abtes Nestor überliefert: `Bemühe dich, dich eifrig, ja beständig der Lectio divina hinzugeben und bestehe darauf, bis diese ständige Meditation deine Seele durchtränkt und nach seinem Bild umgeformt hatA (Collationes XIV,10) [14] . Nach und nach wird die Praxis der lectio divina im klösterlichen Leben gebräuchlich.

 Gregor der Große entwickelt eine geistliche Exegese der Schrift, die in einem sogenannten inneren `WiederkäuenA des Wortes besteht. Benedikt verwendet in seiner Regel 48,1 denselben Ausdruck, wenn er an die Hauptbeschäftigung der Mönche mit der geistlichen Lesung anspielt und sie einlädt, sich der Lektüre und dem Studium der Schrift zu widmen.

 Im 12. Jahrhundert erarbeitet Guido II., der Prior der `Grande ChartreuseA, für die Praxis der lectio divina eine methodische Darstellung. Er stellt sie als Himmelsleiter mit vier Sprossen dar: Lektüre, Meditation, Gebet und Kontemplation. Ab dem 16. Jahrhundert tritt sie ihren Platz an rationale und spekulative Systeme ab und verkommt zu einer aus Andachtsübungen bestehenden Spiritualität des inneren Lebens. Ihren Platz nimmt jetzt das betrachtende Gebet ein, in das die Menschen auf verschiedene Weisen eingeführt werden.

 Das Zweite Vatikanische Konzil hat dem Wort wieder eine zentrale Bedeutung gegeben und in der Konstitution Dei Verbum gefordert, daß `der Zugang zur Heiligen Schrift den an Christus Glaubenden weit offensteheA. Es ermahnt alle Gläubigen, `durch häufige Lesung der Heiligen Schrift sich die _alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi> anzueignen (Phil 3,8), denn: die Schrift nicht kennen, heißt, Christus nicht kennenA [15] . Die Lectio divina hat heute die Aufgabe, unser persönliches und gemeinschaftliches Beten zu einer sicheren Antwort an Gott werden zu lassen, der in den Schriften weiterhin zu uns spricht: `In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft west im Worte Gottes, daß es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist. Darum gelten von der Heiligen Schrift in besonderer Weise die Worte: _Denn lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll> (Hebr 4,12), es hat die Kraft, _aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen> (Apg 20,32; vgl. 1 Thess 2,13)A [16] .

 Seit dem Konzil hat sie in Ordensgemeinschaften, kirchlichen Bewegungen, christlichen Gemeinden und in der Seelsorge der Ortskirchen mehr und mehr Fuß gefaßt. So tauchte im Leben der Kirche wieder deutlich der zentrale Platz der Schrift auf, wie das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung ruft: `Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlaß das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah sie immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens, weil sie, von Gott eingegeben und ein für alle Male niedergeschrieben, das Wort Gottes selbst unwandelbar vermitteln und in den Worten der Propheten und Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen lassen. Wie die christliche Religion selbst, so muß auch jede kirchliche Verkündigung sich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientierenA [17] .

 Fragen für die persönliche und gemeinschaftliche Reflexion:
1. Welche praktischen Schlüsse ziehst du aus diesem kurzen geschichtlichen Überblick über die
lectio divina?
2. Woran lag es, daß das betende Lesen der Schrift im kontemplativen Karmel in den Hintergrund gedrängt wurde? Was ist getan worden, um ihm wieder seinen zentralen Platz zu geben?
3. Ist in der Tagesordnung deiner Kommunität Zeit für die gemeinsame
lectio divina vorgesehen?

 IV. Die karmelitanische Perspektive der lectio divina

 1. Die lectio divina und die Regel des Karmel

 `Die Karmelregel ist zutiefst biblisch, sie ist von ihrem Wesen her bibilisch. Nicht nur wegen der, wie in neueren Arbeiten festgestellt wurde, mehr als hundert direkten oder indirekten Schriftzitate und Anspielungen auf die Schrift. Die extreme Kürze des Textes (ca. 1100 Wörter) verleiht diesen Zitaten große Bedeutung, aber auch die Bilder und der Sprachstil der Regel sind im allgemeinen typisch biblisch. In einigen Abschnitten handelt es sich sogar um eine regelrechte lectio divina mit konkreten Anweisungen für die Praxis ... Heutzutage fällt diese Eigentümlichkeit der Regel ins Auge, früher fiel sie eigentlich niemandem auf, weil man die Regel ideologisch las oder weil man mit Vorurteilen an ihre Lektüre ging: die Regel hatte auszusagen, was man hineinlegen wollte, sei es, daß man sie eremitisch, marianisch oder aszetisch verstehen wollteA [18] .

Wenn man die Regel liest, stellt man fest, daß die tiefe Vertrautheit, die die Verfasser mit der Schrift hatten, sie befähigt hat, ihr Vorhaben mit biblischen Texten zu durchsetzen. `Zugleich führt sie die Treue zum Wort dazu, nach praktischen und symbolischen Ausdrucksformen zu suchen ... Das Dreigestirn Wort B Projekt B Organisation ist zudem typisch für den Stil der geistlichen Strömungen jener Zeit ..., und das zeigt eine auch für uns heute brauchbare Methode auf. Es geht darum, das Wort sprechen zu lassen, um das Leben zu deuten, und umgekehrt Leben und Praxis so zu ändern, daß sie zu Symbolen des Wortes werdenA [19] .

 `Die Regel öffnet drei Türen, durch die das Wort Gottes ins Leben der Karmeliten eintreten kann:
a) Die Tür der persönlichen Lektüre: Man hält Meditation auf der Zelle. Das Wort wird _wiedergekäut>, gelangt vom Mund ins Herz, bringt heilige Gedanken hervor und bewirkt, daß alles, was man tut, mit dem Wort Gottes in Einklang steht.
b) Die Tür der gemeinschaftlichen Lektüre: Man hört das Wort gemeinsam im Refektorium, bei Reflexionen, in der Kapelle, während der Feier der Eucharistie...
c) Die Tür der kirchlichen Lektüre: Die Psalmen werden in der von der Kirche gutgeheißenen Form vorgetragen; man bemüht sich, der Vätertradition treu zu bleiben (siehe Vorwort); man orientiert sich am Ideal der Urgemeinde, wie es in der Apostelgeschichte beschrieben wirdA
[20]
.

 In der Regel sind die vier traditionellen Schritte der lectio divina leicht wiederzuerkennen:
a) `Lektüre
. Zuerst muß das Wort gehört oder gelesen werden, sei es im Refektorium, bei der Feier der Eucharistie, beim Stundengebet oder in der Einsamkeit der Zelle.
b) Meditation
. Nach dem Lesen oder Hören muß das Wort meditiert und _wiedergekäut> werden. Diese Meditation muß unaufhörlich Tag und Nacht gemacht werden, vor allem auf der Zelle, damit es durch das Wiederkäuen vom Mund ins Herz gelangt und heilige Gedanken hervorbringt.
c) Gebet
. Hat man das Wort gehört und meditiert, muß es ins Gebet hineingenommen werden, es muß Gebet werden, sowohl beim Stundengebet und der Eucharistiefeier wie auch in der Zelle, wo der Karmelit Tag und Nacht im Gebet wachen soll.
d) Kontemplation.
Diese Lesung bringt das folgende Resultat hervor: das Wort dringt in das Denken, das Herz und ins Tun vor, und so wird alles im Wort des Herrn getan sein.

 Die Karmelregel empfiehlt nicht nur die Schriftlesung, sondern auch das Tun ... Sie ist zugleich Quelle und Frucht der lectio divina und zeigt uns, wie sie die Schrift anwendet und auslegt ... Das Ziel, von dem aus und für das die Regel die Bibel liest und verwendet, ist die Sorge, ein Leben in der Gefolgschaft Jesu Christi zu führen, wie im Vorwort gesagt wird. Die Nachfolge Christi ist der Rahmen. Sie erscheint am Anfang, im Vorwort und in den letzten zwei Kapiteln, wo sie den Prior bittet zu tun, was Christus im Evangelium sagte, und die Untergebenen, in der Person des Priors Christus zu sehen ...

Der Beitrag, den uns die Regel gibt, besteht nicht nur in dem, was sie über die Schrift sagt, sondern auch in der Art, wie sie die Schrift anwendet. Sie versteht es, das Wort Gottes zu inkarnieren, daß sie es als das ihre aufnimmt.A [21]

 2. Die heilige Teresa und die Hl. Schrift

 `Einer der Gründe für den Reichtum und die Aktualität der Spiritualität Teresas ist ihr tiefer biblischer Bezug. Der biblische Reichtum in ihrem Gesamtwerk ist erstaunlich groß. Sie zitiert wörtlich aus der Schrift, spielt häufig indirekt auf sie an, geht mit erstaunlicher Intuition an die Auslegung der Texte und nimmt in suggestiver Weise Schriftstellen her oder bedient sich biblischer Gestalten, um menschliche Verhaltensweisen zu erörtern oder eigene geistliche Erfahrungen zu erklären ... Der Platz, den die Schrift in ihrem Leben und ihrer Lehre einnimmt, ist doppelt erstaunlich, wenn man die Zeit bedenkt, in der Teresa gelebt hat. Wir haben eine Frau vor uns, die keine Möglichkeit zu einem ordentlichen Bibelstudium hatte und die Bibel nicht einmal ganz kannte ... Sie lebte in einer Zeit, in der der Zugang zur Schrift nur beschränkt und indirekt möglich war Ihre biblische Bildung war lückenhaft und kaum systematisch. Sie hat nie eine Bibelausgabe zur Verfügung gehabt, die sie hätte lesen, studieren oder konsultieren können. Zu ihrer Zeit war die Bibel für das Volk verboten, weil die kirchlichen Behörden fürchteten, sie könne dem Glauben schaden ... Viele Theologen von damals waren der Überzeugung, das Wort Gottes sei für ungebildete Leute und besonders für Frauen eine gefährliche Kost. Einer von ihnen, Melchor Cano, verstieg sich sogar zu der Ansicht: _Die Erfahrung lehrt uns, daß es den Frauen und nicht-studierten Leuten sehr geschadet hat, wenn man ihnen die Hl. Schrift ... in der Muttersprache in die Hände gibt ... Das haben die Häretiker gemacht. Da sie die Deutschen gescheit machen wollten, indem sie ihnen die Augen öffneten, um das zu sehen, was ihre Vorfahren niemals sahen, begannen sie, die Irrtümer vorzubereiten und auszuarbeiten, die sie dann später ausgesät haben ... So schön der Baum dieser theologischen Wissenschaft den Augen erscheinen und so schmeichelhaft er dem Geschmack sein mag, so sehr die Schlange versprechen mag, dem Volk mit dieser Frucht doch die Augen zu öffnen, und so sehr die Frauen mit unersättlichem Appetit danach verlangen, von dieser Frucht (der Hl. Schrift) zu essen, so notwendig ist es, sie zu verbieten und ein Flammenschwert aufzustellen, daß das Volk nicht daran kommt> [22] .

 In diesem feindlichen, gefährlichen Umfeld beweist Teresa außerordentliche innere Freiheit und zugleich zärtliche Liebe zum Worte Gottes. Sie wagt sich an die Kommentierung des Vaterunsers heran, was für sie zum roten Faden für den Wes der Vollkommenheit wird ... Außerdem schreibt sie Meditationen zum Hohenlied ... Sie kennt die Schrift nur aus zweiter Hand über geistliche Bücher ... Viele Bibelzitate hatte sie sich aus den Predigten jener Zeit gemerktA [23] .

 Teresa begegnete dem Wort Gottes durch Kontakte, die sie mit Leuten unterhielt, die die Schrift kannten und die verwandelnde Kraft des Wortes an sich erfahren hatten. Überdies wurde ihr durch eigene mystische Erfahrungen nach und nach klar, daß `Gott die Wahrheit ist, eine Wahrheit, die der Schrift eingegossen, in ihr enthalten ist. Gott-Wahrheit-Schrift: die Wahrheit, der Teresa auf mystischem Wege begegnete, liegt in der Schrift verborgen; diese Wahrheit ist die SchriftA [24] . In ihrer geistlichen Erfahrung führt sie der Herr in nachhaltiger Weise zu einem Verständnis seines Wortes und bot ihr dabei einen Sinn an, der weit über die buchstäbliche oder engere Bedeutung der Textstelle hinausging und oft im Vergleich zu den gängigen Auslegungen ihrer Zeit geradezu modern war.

 Für Teresa von Jesus ist die Schrift nicht Selbstzweck; sie dient ihr vielmehr dazu, die eigene geistliche Erfahrung zu verstehen und zu deuten ... Die Schrift ist in ihr lebendiges Wort geworden und verschmilzt harmonisch mit ihrem Leben, wie zwei Worte aus dem Munde desselben Gottes. Unbefangen bemerkt sie, daß die Erzählungen der Schrift ihr vorkommen, _als könne sie sie buchstäblich in ihrem Innern lesen> ... Teresa ist ein glaubwürdiger Zeuge der Kraft und des Lichts der Heiligen Schrift ... Sie hat uns in einem Leben, das vom Wort Gottes gestützt, vorangetrieben und erleuchtet war und von ihm her zu deuten ist, ein sehr reiches Zeugnis hinterlassenA [25] .

 3. Der hl. Johannes vom Kreuz und die lectio divina

 Es gibt bei Johannes vom Kreuz ein Wort, das die vier Schritte der lectio divina aufzählt: `Sucht beim Lesen und ihr werdet finden beim Meditieren; klopft an beim Beten und man wird euch öffnen in der KontemplationA [26] . `Die Praxis der lectio divina bei Johannes vom Kreuz verbindet sich mit der Tradition, die ihm vorausgeht ... Während seiner Gefangenschaft in Toledo hatte er keine andere geistliche Nahrung. Von dieser Lectio zeugen seine ersten Gedichte: die zwei Romanzen, das Lied von der Quelle und der Geistliche Gesang. Sie alle sind Lieder einer biblischen SeeleA.

 `Die Bibel ist für Johannes vom Kreuz Quelle unermeßlichen Reichtums, so unermeßlich wie die in Christus verborgenen Schätze, dem einzigen Wort des Vaters. Juans eigenes Wort, das Wort eines Mystikers, ist die reife Frucht eines ständigen Umgangs mit der Schrift ... Für Johannes ist das betende Lesen der Bibel die Quelle für alle seine inneren Reichtümer und Ansatzpunkt für seine am Evangelium orientierte Radikalität: _Wenn du den Frieden und Trost der Seele finden und Gott wirklich dienen möchtest, dann begnüge dich nicht mit dem, was du verlassen hast; denn vielleicht bist du in dem, womit du erneut umgehst, genauso behindert oder noch stärker als vorher. Laß vielmehr alle dir noch verbliebenen Dinge und sondere dich ab in dem einzigen, das alles mit sich bringt und das das selige Alleinsein ist, das vom Gebet und von heiliger und geistlicher Lesung begleitet ist> [27] . Das Zeugnis Juans liegt in seinem Wort und in seiner Erfahrung, die zutiefst in der Schrift verwurzelt sind, nicht weil er sich klischeehaft an die Schrift hielte oder viel aus der Schrift zitiert, sondern weil etwas Übernatürliches und Geheimnisvolles in seinen Worten liegt, das sich jedem Deutungsversuch widersetzt. Es handelt sich um das Wort eines Mystikers, eines, der das Wort Gottes vom Studium her und aus Erfahrung kennt. Die Liebe zur Schrift B nach dem, was von Leuten, die ihn gekannt haben, berichtet wird, hat er fast nichts anderes gelesen B hat einen neuen Johannes vom Kreuz hervorgebracht, einen neuen Menschen, der in seinen Worten das neu schafft, was aus einer unaussprechlichen Erfahrung entsteht ...

 Die Lektüre der Schrift im Lichte der neuen geistlichen Erfahrung Gottes aus der Realität B auch sie ist Wort Gottes, wahrhaft Gnade aus Glauben B und begleitet von Johannes vom Kreuz, beruft auch uns als Karmeliten dazu, das Wort sozusagen neu zu schaffen. Die Lectio divina ist eine betende Größe, wesensverwandt mit unserem Charisma ... Mit Johannes vom Kreuz, dessen Schriften uns zu verstehen geben, wie reich Schrift und Leben sind, wird die Lectio zu einer tiefen, neuartigen, kreativen geistlichen Erfahrung. Sie ist kontemplative Lektüre, eng verbunden mit unserer prophetischen Berufung und offen für Gott in der GeschichteA [28] .

4. Therese von Lisieux und die lectio divina

 `Sehr wahrscheinlich ist die lectio divina als solche im Karmel von Lisieux nicht praktiziert worden. Wir haben keinerlei Hinweise, die es bestätigen oder sich darauf oder auf eine andere Form methodischer Schriftlektüre beziehen. Therese selbst spricht sich nirgends aus, in welcher Weise sie das Evangelium gelesen hat. Nur über ihre Schwester Celine wissen wir, daß sie sich nicht mit unkritischer Schriftlektüre zufrieden gab, sondern daß sie die Schrift, vor allem das Evangelium, regelrecht studierte, um Gott zu entdecken.

 Aus ihren Schriften können wir immerhin ihre Art der Bibellektüre herleiten, die allerdings nichts besonderes ist und in etwa der lectio divina ähnelt ...:

            Sie weiß sehr wohl, daß die verschiedenen Ereignisse ihres Lebens nicht Zufall sind, sondern zu einem Plan gehörten, den Gott mit ihr hat, so wie auch die Geschichte des Volkes Israel gottgelenkt ist;

 Bei der Schriftlektüre versteht sie Gottes Plan im Verlauf der Geschichte, und diese Erkenntnis hilft ihr, Gottes Anrufe in ihrer persönlichen Geschichte und in der Geschichte und den konkreten Situationen der Menschen zu entschlüsseln ... Bei der Suche nach ihrer Berufung wird ihr klar, daß das Karmelitin-Sein, und Braut- und Mutter-Sein ihre Berufung ausmachen. Doch sie fühlt die Berufung zum Krieger, Priester, Apostel, Kirchenlehrer und Märtyrer in sichA [29] . Dabei schlägt sie die Schrift auf und stößt auf das 12. und 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs. Nun entdeckt sie, daß es ihre Berufung ist, im Herzen der Kirche die Liebe zu sein.

 `Das Evangelium ist es, das sie angesichts ihrer Armseligkeit den kleinen Weg der geistlichen Kindheit entdecken läßt ... Alle Entdeckungen, die Therese im Laufe ihres Lebens gemacht hat, verdankt sie der Schrift: etwa die von der Barmherzigkeit Gottes, wie sie in den drei Gleichnissen bei Lukas beschrieben wird (das verlorene Schaf, die verlorene Drachme, der verlorene Sohn) ... Auf jeder Seite ihrer Manuskripte finden sich Stellen, die ihre innere Verfassung oder die anderer durchblicken lassen, und  sie ermutigen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen und bei der Haltung vollen Vertrauens eines kleinen Kindes vor seinem Vater zu bleiben. Das Wichtige ist für Therese, auf die Stimme Dessen zu hören, den man liebt und dem man sich ganz übergeben hat. Beim Eindringen in die Schrift entdeckt Therese Gottes _Charakter> jedes Mal besser, wird mit den Gewohnheiten Gottes, mit der Art Gottes zu _denken> und zu handeln immer mehr vertraut, und bemüht sich, zu denken und zu handeln wie Er.

 Therese erfährt damit eine Wahrheit, die denen gut bekannt ist, die die Schrift meditieren: Schriftlektüre mit Meditation, Gebet und geistgewirkter Kontemplation läßt uns auf immer wieder neue Weise in das Geheimnis der Liebe Gottes eindringen, und das Licht für unser Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen wird überfließenderA [30] .

 Fragen für die persönliche und gemeinschaftliche Reflexion
1. Hat man sich in deinem Konvent bemüht, sich persönlich und gemeinschaftlich in die Lehre unserer Regel und unserer Heiligen über das betende Lesen der Schrift zu vertiefen?
2. Kannst du, angeregt durch Lehre und Praxis in der Regelund unserer Heiligen, eine Erfahrung mit der
lectio divina mitteilen?
3. Welche weitere Lehren der Regel und unserer Heiligen, die hier erwähnten und nicht erwähnten, können den Schwestern helfen, die
lectio divina zu leben und zu vertiefen?
4. Welche Besonderheiten zeigt die
lectio divina im Karmel?

 V. Die praktische Perspektive der lectio divina

Hauptzweck der lectio divina ist, daß wir mit Hilfe der Schrift das Wort Gottes entdecken, annehmen und feiern können, denn es ist heute in unserem Leben vernehmbar, wie es im Psalm heißt: `Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!A (95,7).

`Die Geschichte der Kirche zeigt uns, daß zwei gleichzeitig ablaufende Bewegungen nötig sind, um dieses Ziel zu erreichen: die eine vom Heute zum Gestern und die andere vom Gestern zum Heute. Die vom Heute zum Gestern sucht den Wortsinn des Textes zu erforschen, den Text, die Geschichte, bis sie zur allgemein menschlichen Problematik (des Gestern) kommt ... Die Bewegung vom Gestern zum Heute versucht, den geistlichen Sinn freizulegen, den Geist, die Botschaft, die theologische Aussage, also das, was Gott uns heute durch den Text von gestern sagen will. In dieser zweiten Bewegung kommt es auf den Glauben an, wobei uns das Klima des Gebets sehr von Nutzen ist und das Verständnis des geistlichen Sinnes fördert. Buchstabe und Geist: diese beiden Bewegungen verhalten sich zueinander wie Leib und Seele; eine Auslegung ohne sie ist nicht möglich.

Man sieht leicht, daß die zwei Bewegungen in der lectio divina durchwegs vorhanden sind. Die Bewegung vom Heute zum Gestern spielt sich vor allem in den Phasen des Lesens und der Meditation ab, die Bewegung vom Gestern zum Heute vor allem durch die Meditation und das Gebet. In der Kontemplation verschmelzen die beiden Bewegungen zu einer einzigen ... Diese beiden Bewegungen sind allerdings nur dann möglich, wenn die Lektüre von drei grundlegenden Voraussetzungen ausgeht:

 a) Wir müssen uns die Situation des Menschen von heute vor Augen halten, mit seinen Problemen und Herausforderungen, die den Glauben in Frage stellen und das Leben bedrohen.
b) Wir müssen den Glauben der Gemeinde achten, der es uns ermöglicht, mit demselben Gott in Gemeinschaft zu treten, der einst seinem Volk führte und sich ihm in Jesus Christus offenbarte.
c) Wir müssen den Bibeltext, so wie er ist, respektieren und jede Art von Manipulation oder Verkürzung seines Sinns vermeiden. Nur so ermöglicht und nährt die Lektüre unser Gespräch mit Gott
A [31] .  

Um die lectio divina in die Tat umzusetzen, sind uns verschiedene konkrete Anleitungen für die Praxis angeboten worden. Wir verweisen auf zwei: die eine vom Team für Theologische Reflexion OCarm / OCD in Lateinamerika vorgeschlagene, die andere von P. Bruno Secondin O.Carm. seinem oben zitierten Buch.

 1. Das Team für Theologische Reflexion OCarm / OCD unterscheidet zwischen der Anleitung für die persönliche und für die gemeinschaftliche lectio divina:

 A. Für die persönliche lectio divina:

1.         Beginn mit einem Gebet zum Heiligen Geist
2.         Langsam und aufmerksame Lektüre des Textes
3.         Augenblick innerer Stille mit Vergegenwärtigung des Gelesenen
4.         Verdeutlichung des Sinns jedes Satzes
5.         Aktualisierung und
`WiederkäuenA des Wortes in Verbindung mit dem konkreten Leben
6.         Weitung des Blickes und Verbindung des gelesenen Textes mit anderen biblischen Texten
7.         Erneutes Lesen, verbunden mit Beten über dem Text und Antworten auf Gott
8.         Einen Vorsatz fassen
9.         Auswahl eines Satzes als Merkwort zum Einprägen  

B. Für die gemeinschaftliche lectio divina:
1.            Begrüßung und Gebet:
Begrüßung und kurzes Mitteilen der Erwartungen der Teilnehmer; Eröffnungsgebet zum Hl. Geist.
2.         Lesen des Textes:
langsame und aufmerksame Lektüre des Textes. Moment der Stille, damit der Text in uns eindringen kann. Den Text Satz für Satz wiederholen, als Hilfe, um sich besser an das Gelesene  zu erinnern.
3.         Sinn des Textes an sich:
Sich Eindrücke und Unsicherheiten in bezug auf den Sinn des Textes mitteilen. Wenn nötig, den Text noch einmal lesen und sich einander mit diesem Text oder anderen Texten der Bibel weiterhelfen. Augenblick der Stille zur Assimilation des Gehörten.
4.         Sinn des Textes für uns heute.
Den Text _wiederkäuen> und seinen Sinn für uns heute entdecken. Den Sinn des Textes auf konkrete Situationen unseres Lebens anwenden. Den Sinn ausweiten, indem man das Gelesene anderen Bibeltexten gegenüberstellt. Den Text in Gottes Plan situieren, der sich in der Geschichte abspielt?
5.         Mit dem Text beten.
Den Text noch einmal aufmerksam lesen oder vorlesen. Augenblick der Stille, um die Antwort an Gott vorzubereiten. In Form von Bitten die erhaltenen Erleuchtungen und Bekräftigungen mitteilen.
6.            Kontemplation - Engagement.
Den Vorsatz aussprechen, zu dem das betende Lesen des Schrifttextes angeregt hat. Alles in einem Merksatz zusammenfassen, um es im Lauf des Tages präsent zu haben.
7.         Ein Psalm.
Einen Psalm vorschlagen, der dem entspricht, was man in der Runde erlebt hat. Den Psalm gemeinsam langsam vortragen und das Treffen damit beendenA [32]
.
  2. P. Bruno Secondin O.Carm. gibt in seinem Buch eine graphische Darstellung seiner Anleitung  [33] .

 Fragen für die persönliche und gemeinschaftliche Reflexion:

 Hast du bei einer persönlichen oder gemeinschaftlichen lectio divina eine von diesen Methoden oder eine andere benutzt?
Benützt ihr für die persönliche oder gemeinschaftliche
lectio divina eine andere Methode? Wenn ja, welche?
Wie könnte eine eigene karmelitanische Methode der
lectio divina  für die kontemplativen Schwestern aussehen?

Schluß

`Das Wort Gottes ist zusammen mit den Sakramenten Gedächtnis der wunderbaren Schritte Gottes in der Geschichte, durch die er uns im Heute begleitet und uns von uns frei macht und uns mit der Kraft des Geistes für die Zukunft rüstet ... Wie die Sakramente ist das Wort Gottes ein gedächtnisstiftendes Zeichen (Gedächtnis des Vergangenen), ein sinnstiftendes Zeichen (Handeln Gottes in der Gegenwart) und ein vorausdarstellendes Zeichen (Zukunftsperspektive). All dies liegt auch im Begriff _prophetisch>. Verkündet in der Vergangenheit, hat das Wort Gottes bleibende Gültigkeit in der Gegenwart und richtet den Blick auf eine überwältigende Zukunft: _das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben> (1. Kor 2,9). Dieses Wort nimmt uns in die Pflicht, wie die Sakramente. Es nimmt uns in die Pflicht, heute und morgen das zu sein, was wir nach dem Willen Gottes sein sollenA [34] .

[1] Teresa von Avila, Das Buch meines Lebens, Herder Spektrum 5211, Freiburg i.Br. 2001, 8,5.
[2]
Dei Verbum (DV) 25.
[3]
`Die narrative Theologie ist eine Art und Weise der Verkündigung der christli­chen Botschaft, die deren geschichtlichen und erfahrungsbezogenen Charakter betont. Die Botschaft bezieht sich ja im Grunde genommen auf das Leben Jesu, des Christus, und ihre Anwendung oder praktische Dimension verweist auf das Leben der Glaubenden. Der Gedanke liegt nahe, für die Verkündigung von Heilsbotschaft und Heilserfahrung eine bestimmte, geeignete Form der Mitteilung zu benutzen, etwa die Erzählform. Man hat in diesem Fall eine gesunde Ergänzung zu einer Lesart des christlichen Glaubens in der Hand, die allzu begrifflich und abstrakt geworden ist und wichtige Gesichtspunkte des Glaubens hat vergessen lassen. Die narrative Theologie ist zudem eine theologische Methode, die, da der Kern des christlichen Glaubens in Erzählform überliefert ist, versucht, das Interesse an der Erzählung wieder zu wecken, sie zu verstehen und zu studieren, um sie der Welt von heute in neuer Form anbieten zu könnenA (Diccionario Teológico Enciclopédico, Estella 1995, S. 959-960).
[4]
Vita Consecrata 58.
[5]
CRB, Lectura orante de la Biblia, 1991, S.19f.
[6]
DV 1.
[7]
Ibd. 8.
[8]
Gaudium et spes 4.
[9]
Vgl. DV 12f.
[10]
CRB, a.a.O. S.22f.
[11]
Ibd., S.24-27.
[12]
Ibd., S.31-34.
[13]
Zitiert bei B. SECONDIN, La lettura orante della Parola - lectio divina in comunità e in parrocchia, Padua 2001, S.15.
[14]
Id., S.16.
[15]
Vgl. DV 22.
[16]
Ibd. 21.
[17]
Ibd.
[18]
B. SECONDIN - M.A. SILVA, La Biblia en la Regla Carmelitana (Tendencias en los estudios), in: AA.VV., La Biblia en el Carmelo, Quito 1997, S.19 (Dieser Arbeit eines lateinamerikanischen Theologenteams OCarm / OCD entnehmen wir den größten Teil des Punktes IV).
[19]
Id., S.24.
[20]
C. MESTERS, El reto que nos viene de la lectura popular de la Biblia, in: AA.VV., a.a.O. S.30.
[21]
Id., SS.30-33.
[22]
F. Caballero, Vida de fray Melchor Cano, Madrid 1871, S. 537.542.
[23]
S.J. BAÉZ, Santa Teresa de Jesús y la Sagrada Escritura, in: AA.VV., a.a.O.S.43-46.
[24]
M. HERRÁIZ, Biblia y espiritualidad teresiana, in: Monte Carmelo 88, 1980, S.318.
[25]
S.J. BAÉZ, a.a.O. S.48.64f.
[26]
Johannes vom Kreuz, Worte von Licht und Liebe, Herder Spektrum 4506, Freiburg i.Br. 1996, Merksätze 157.
[27]
Ibd. 78.
[28]
O. AZUAJE, San Juan de la Cruz, lector de la Palabra de Dios, in: AA.VV., a.a.O. S.75-77.
[29]
R. CUARTAS, Teresa de Lisieux, una existencia evangélica, in: AA.VV., a.a.O. S.95-98.
[30]
Id., S.96-98.
[31]
CRB, a.a.O. S.35.
[32]
AA.VV., a.a.O. S.118f.
[33]
B. SECONDIN, a.a.O. S.32 (Ausführliche graphische Darstellung S.31-39).
[34]
CRB, a.a.O. S.10.

     
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