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O.C.D.S.

Wesensmerkmale zum Erkennen einer Berufung zur Theresianischen Karmelgemeinschaft 

P. Aloysius Deeney, OCD
Generaldelegat


 

ocdsec@pcn.net

Diese Zeilen wollen eine Antwort geben auf die Frage „nach welchen Gesichtspunkten kann man eine Berufung zum karmelitanischen Laienorden (=OCDS, im deutschen Sprachraum Theresianische Karmelgemeinschaft = TKG genannt) beurteilen? Wer ist zum Laienkarmeliten berufen und wie kann man erkennen, ob jemand die Berufung dazu hat oder nicht?“ Wenn aus einem Orden der Brüder oder Schwestern Personen austreten, oder aus dem Kloster geschickt werden, so geschieht das öfter nicht, weil es sich dabei um Leute handelt, deren Benehmen unmoralisch wäre. Mitglied einer Ordensgemeinschaft zu sein setzt eine Berufung voraus und jeder hat es nötig, sich über diese Klarheit zu verschaffen im eigenen Interesse wie auch im Interesse aller. Wird dies unterlassen, so verliert der Orden seinen klaren Weg und verwechselt seine Identität. Dies gilt für Brüder, Schwestern und Laienkarmeliten. 

Es geht mir im folgenden darum, eine Person des Laienordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel und der hl.Teresa von Jesus zu charakterisieren. Diese muss ein praktizierendes Mitglied der römischkatholischen Kirche sein, welches unter dem Schutz unserer lieben Frau vom Berge Karmel und inspiriert von der hl. Teresa von Jesus und dem hl. Johannes vom Kreuz im Orden die Verpflichtung auf sich nimmt, das Antlitz Gottes zu suchen zum Heil der Kirche und der Welt. In dieser Charakteristik kann man sechs Elemente erkennen. Diese sind es, die in ihrer Gesamtheit Faktoren darstellen, welche Personen bewegt, sich dem Karmel zu nähern, um eine formellere Identifikation mit den Orden anzunstreben. 

Praktizierendes Mitglied der katholischen Kirche. Darunter verstehe ich einen römischkatholischen Katholiken, nicht in Bezug auf den lateinischen Ritus als vielmehr in Bezug auf die Kircheneinheit unter der Autorität des Bischofs von Rom, des Papstes. Die Mehrheit der römschkatholischen Christen stammt aus Gegenden, in welchen der lateinische Ritus zur Anwendung kommt. Es gibt aber andere Riten innerhalb der römischkatholischen Kirche, wie den maronitischen, den melchitischen, den ukrainischen, den malabaresischen usw. Die Gemeinschaften des theresianischen Laienordends (OCDS) im Libanon gehören dem maronitischen Ritus an. Das Adjektiv praktizierend sagt etwas aus über die Person, welche der TKG angehören kann. Gleichsam als Neunerprobe für das Praktizieren des katholischen Glaubens könnte man die Fähigkeit hervorheben, an der Eucharistie voll und ganz teilhaben zu können. Die Eucharistie stellt den Höhepunkt des katholischen Glaubens dar. Sie ist der Treffpunkt zwischen Himmel und Erde. Wenn wir also die Freiheit haben, am Höhepunkt teilhaben zu können, so sind bestimmt Gemeinsamkeiten auf tieferen Ebene erlaubt. 

In der Vergangenheit war dies sicher in vielen Fällen einfach festzustellen. Die Personen, die sich dem Laienorden näherten, kamen aus Pfarreien, wo die Karmeiltenbrüder tätig waren. In anderen Fällen bestanden Kontakte zu den Karmelitenbrüdern oder -Schwestern, welche die am Laienorden interessierten Personen empfahlen. Die Scheidung war noch nicht so verbreitet, dass sie einen wichtigen Faktor im Leben der Katholiken darstellte. Die Mehrzahl der Fälle war klar definiert. 

Heute ist es anders. Die sich bietenden Situationen sind oft unklar. Hier

liegt ein Punkt, in welchem der geistliche Beirat dem Rat einer TKG Hilfe anbieten kann bei der Auswahl der Kandidaten. Zum Beispiel: Eine Frau lernt eine TKG kennen. Einige Mitglieder der Fraternität kennen diese Frau. Sie wissen, dass sie in einer Zweitehe lebt sowie, dass sie regelmässig die hl. Messe besucht und zu den Sakramenten der Kirche geht. Die Gemeinschaft will die Situation der Frau besser kennenlernen, bevor sie diese als Kandidatin zur Ausbildung aufnimmt. 

Es bestehen einige Möglichkeiten in einem solchen Falle: Die Kirche könnte die erste Ehe dieser Frau als nichtig erklärt haben. Das heisst, hier hat gar keine kirchlich gültige Ehe bestanden. Es könnte aber auch sein, dass die Frau in ihrer jetzigen Ehe mit ihrem Mann wie Schwester und Bruder lebt und beide von ihrem Beichtvater auf diesem Weg begleitet werden. Beide leben also in einer Art und Weise, die zum Empfang der Sakramente berechtigt. Die Intervention des geistlichen Beirats könnte im konkreten Fall Klarheit schaffen, ohne dass grosse Erklärungen nötig wären, um so die Privatsphäre der Kandidatin, auf welche jede Person in der katholischen Kirche ein Recht hat, nicht zu verletzen. Er wäre in der Lage, dem Rat der TKG jene Auskunft zu geben, die einen Beitritt der Kandidatin in den Laienorden gestattet. 

Der Laienorden macht rechtlich ein Teil des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten aus. Er gehört also voll und ganz zum Orden. Als Teil des Ordens ist die TKG eine Institution der römischkatholischen Kirche und steht somit unter dem Kirchengesetz. Die Kongregation für Ordensleute muss deshalb ihre Statuten gutheissen. Gläubige anderer Konfessionen, welche Interesse an der Spiritualiät des Karmels haben, sind sicher willkommen. Sie können von der Fraternität eingeladen werden, aber nicht Mitglieder der TKG werden. 

Das ist also die erste Charakteristik eines Mitglieds der TKG: Eine Person, die am Leben der katholischen Kirche teilnimmt. Doch gehört noch mehr dazu angesichts der Tatsache, dass es Millionen von praktizierenden Katholiken gibt, welche nicht das geringste Interesse am Karmel bekunden. 

Dazu kommt also ein zweites Element: Unter dem Schutz unsere lieben Frau vom Berge Karmel. Dabei geht es nicht um irgend eine Verehrung von Maria, welche zeigt, dass jemand zur TKG berufen ist. Es gibt viele Christen, die unsere liebe Frau sehr verehren und eine ausgeprochen marianische Frömmigkeit haben. Dazu gehören viele Orthodoxe, aber auch Mitglieder der anglikanischen Hochkirche. Viele Katholiken tragen aus guten Gründen das Skapulier unserer lieben Frau vom Berge Karmel, ohne sich dabei berufen zu fühlen, Säkularkarmeliten zu werden. Es gibt aber andere, die gerade wegen ihrer Verehrung für Maria, für das Skapulier und den Rosenkranz in die TKG gekommen sind, ohne die Berufung zum Laienkarmeliten zu haben. 

Eine spezielle Eigenschaft der heiligen Jungfrau Maria sollte bei jenen vorhanden sein, die sich zur TKG berufen fühlen, nämlich die Neigung, alles in Herzen zu erwägen. Dieser Satz erscheint zweimal im Evangelium des hl. Lukas, um die Haltung der Gottesmutter gegenüber ihrem Sohne zu beschreiben. Sicher dürfen alle anderen Aspekte der Marienverehrung dazukommen wie die Skapulierfrömmigkeit, die Hochschätzung des Rosenkranzes, doch sind sie eher zweitrangig in Bezug auf diesen speziellen Aspekt der Marienverehrung, alles im Herzen zu erwägen. Maria ist unser Vorbild für das Gebet und die Meditation. Der Wunsch, meditieren zu lernen oder die Neigung dazu sind eine fundamentale Eigenschaft eines jeden Mitglieds der TGK, wahrscheinlich die wesentlichste. 

Eine häufige Erfahrung bei vielen Gruppen ist, mit einer Person in Kontakt zu kommen, die in den Orden einzutreten beabsichtigt, die eine grosse Marienverehrerin ist, die viele Wallfahrten in die Heiligtümer unserer lieben Frau, welche weit zerstreut auf unserer Erde zu finden sind, unternommen hat und all die Botschaften kennt, die Maria zugeschrieben werden und die sich in allen marianischen Bewegungen auskennt, aber unter Umständen nicht die geringste Neigung zeigt, im Herzen zu erwägen, zu meditieren. Solche Leute wollen dann eiligst die „Lehrmeister“ der Fraternität über Maria werden und führen so ein marianisches Interesse ein, das ganz und gar nicht karmelitanisch ist. Es kann sich dabei bei einer solchen Person auch um einen Diözesanpriester handeln. Gerade wenn es sich um einen Priester handelt, kann es für die Kommunität sehr schwierig werden, sich gegen die Abweichung der eigenen Art des marianischen Lebens zu schützen. Es gibt andere marianische Gruppen und Bewegungen, wo sich solche Personen frei entfalten können und am rechten Ort sind, aber nicht in der TKG. 

Vor allem gibt es in der karmelitanischen Familie schon einen Ort für Personen, die in erster Linie die Frömmigkeit zum Karmelskapulier pflegen. Es ist dies die Skapulierbruderschaft oder Bruderschaft unserer lieben Frau vom Berge Karmel. 

Für ein Mitglied der TKG ist Maria zuallererst das Vorbild für das meditative Gebet, die betrachtende Haltung. Sie bewegt und inspiriert den Karmeliten dazu, das Leben des mystischen Leibes ihres Sohnes, der Kirche in kontemplativer Weise zu verstehen. Im Ausbildungsprogramm, welches alle durchlaufen haben (sollten!), welche in den Karmel eintreten, ist dies der Aspekt, der in jeder einzelnen Person entwickelt werden muss. So verstehe ich die zweite Charakteristik: Unter dem Schutz unserer lieben Frau vom Berge Karmel. 

Ein Mitglied des Säkularordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel und der hl. Teresa von Jesus ist eine Person, die an den Riten der römischkatholischen Kirche teilnimmt und die unter dem Schutz unserer lieben Frau vom Berge Karmel und inspiriert von der hl. Teresa von Jesus und dem hl. Johannes vom Kreuz...Hier kommt ein drittes Element dazu, die hl. Teresa von Jesus und der hl. Johannes vom Kreuz. Ich möchte sogleich hinzufügen, dass ich auch die hl. Theresia vom Jesuskind oder die selige Elisabeth von der Dreifaltigkeit oder die hl. Theresia Benedikta vom Kreuz mit einschliessen, aber Teresa und Johannes bleiben die Zentralfiguren in diesem Punkt. 

Mit dem Hinweis auf alle Grossen der karmelitanischen Tradition, unterstreiche ich die Wichtigkeit von Teresa von Jesus, auf welche sich unsere Tradition bezieht. Sie ist „Unsere heilige Mutter“. Der Grund dafür ist, dass eben ihr das Charisma geschenkt wurde. Vielerorts in der Welt werden unsere Brüder theresianische Karmeliten genannt. Der hl. Johannes vom Kreuz war von Anfang an der Mitarbeiter der hl. Teresa bei der charismatischen Neugründung des Karmel in spirtueller und rechtlicher Beziehung. Deshalb wird er „Unser heiliger Vater“ genannt. Für mich ist es schwer, mir einen Karmeliten vorzustellen, egal welchem Zweige des Ordens er nun angehöre, der nicht von einer oder aber beiden dieser grossen Heiligen angezogen würde, sei es von ihrer persönlichen Geschichte oder noch vielmehr von ihren Schriften. 

Die Schriften der hl. Teresa sind der Ausdruck des Charismas der unbeschuhten Karmeliten. Die Spiritualität der unbeschuhten Karmeliten besitzt ein sehr solides intellektuelles Fundament, eine solide Doktrin. Das Wort Doktrin ist abgeleitet aus dem lateinlischen docere und heisst lehren. 

Jede Person, die unbeschuhter Karmelit oder unsbeschuhte Karmelitin sein will, muss von den Lehrmeistern des Karmel lernen wollen. Unter diesen gibt es drei Kirchenlehrer, was besagt, dass ihre Lehren für die Gesamtkirche Gültigkeit besitzen. Diese drei Kirchenlehrer sind Teresa von Jesus, Johannes vom Kreuz und Theresia vom Kinde Jesu. 

Es kommt nun jemand zur Gemeinschaft mit einer grossen Liebe zur Muttergottes und will das Skapulier ihr zu Ehren tragen und ihr dienen. Es handelt sich um eine Person, die das Gebet liebt, aber nicht das geringste Interesse zeigt, die Werke der theresianischen Spiritualität zu lesen und zu studieren. Sie zwingt sich, einen oder eine der Kirchenlehrer zu lesen, es gelingt ihr aber nicht, weiterzukommen mit der Lektüre. Persönlich denke ich, dass es sich um eine brave Person handlet, welche sich der Skapulierbruderschaft anschliessen könnte, aber entschieden keine Berufung zur TKG hat. 

Es gibt auch noch einen akademischen Gesichtspunkt in der Ausbildung des theresainischen Karmeliten. Es braucht eine intellektuelle Basis für die Spiritualität und Identität einer Person, welche zum Karmel berufen ist. 

Wie jede Karmelitin und jeder Karmelit im Kloster, so ist auch jeder Laienkarmelit ein Ordensrepräsentant. Ein Karmelit, welcher kein Interesse hat, die Wurzeln der eigenen Identität mittels Gebet und Lektüre zu ergründen und zu studieren, verliert die eigene Identität und ist nicht mehr in der Lage, den Orden zu repräsentieren. Er kann nicht mehr im Namen des Ordens sprechen. Wenn man gewisse Karmeliten reden hört, hat man manchmal den Eindruck, diese seien nicht viel weiter gekommen in Bezug auf das was sie wohl viele Jahre früher während ihrer Ausbildung gehört haben. 

Diese intellektuelle Basis bildet den Anfang einer Haltung des Offenseins in Bezug auf das Studium. Sie führt zu einem tieferen Interesse für die hl. Schrift, die Theologie und die Dokumente der Kirche. Die Tradition der geistlichen Lesung, der lectio divina und eine Zeit für das Studium bilden den Rückgrat des geistlichen Lebens. Die gute Ausbildung hängt auch ab von der guten Information. Wenn die Informationen negativen Charakter beinhalten oder fehlen oder inkorrekt sind, so wird die Ausbildung blockiert oder bleibt rachitisch, was zu einer Verwirrung des Laienkarmeliten führt. Übernimmt dann ein solches Mitglied der TKG aus irgendwelchen Umständen eine wichtige Rolle in der Fraternität, so leidet die ganze Gemeinschaft darunter. Solches kommt bei den Brüdern, den Schwestern wie auch bei den Laienkarmeliten vor. 

Diese akademische oder intellektuelle Basis ist sehr wichtig und fehlt leider bei vielen Gruppen des Laienkarmels. Es ist gar nicht nötig, ein Intellektueller zu werden, um Laienkarmelit zu sein. Es geht vielmehr darum, intelligent zu werden in Bezug auf die Wahrheitssuche über Gott, über sich selber, über das Gebet, über den Orden und über die Kirche. Der Gehorsam wurde seit langer Zeit in Verbindung gebracht mit der Intelligenz und der Tugend des Glaubens. Gehorsam bedeutet Offensein zum Horchen. (ob + audire auf lateinisch). Es handelt sich um eine radikale Haltung der Person, um diese über die personellen Erkenntnisse hinauszuheben. Auch das lateinische Wort „educatio“, zu deutsch Erziehung stammt von ex + ducere, zu deutsch herausziehen. Die hl. Teresa beschreibt die Seele in der dritten Wohnung der Seelenburg als wie blockiert, unfähig vorwärts zu kommen. Eine der Charakteristiken einer Person, die in diesem Stadium der dritten Wohnung festsitzt, besteht darin, dass diese alle andern belehren will. Sie weiss alles. In der Tat handelt es sich um Personen , die noch ungehorsam sind und sich nicht bilden lassen. Es sind in sich verschlossene Leute, die unfähig sind zu lernen. 

Das vierte Element der Definition besagt: dass man seine Verpflichtung gegenüber dem Orden wahrnimmt. Es gibt zahlreiche Katholiken, die eifrig sind, die auch unsere Heiligen, Teresa von Jesus und Johannes vom Kreuz und weitere unserer Ordensheilgen kennen, die Gottesmuttter verehren und doch keine Berufung zum karmelitanischen Säkularorden haben. Solche Personen können auch Kontemplative sein oder Eremiten, welche Stunden und Stunden im Gebet und Studium verbringen aber keine Berufung als Karmeliten haben. Welches ist die charakteristische Eigenschaft, die diese Personen kennzeichnet, die dazu berufen sind, Christus enger nachzufolgen als Laienkarmeliten? 

Es ist weder die Spiritualität, noch das Studium, noch die Verehrung Mariens. Ganz einfach, der Karmelit fühlt sich gedrängt, sich selber für den Orden und die Kirche hinzugeben. Bei dieser Verpflichtung, die im Versprechen ihren Ausdruck findet, geht es um eine kirchliche Angelegenheit und etwas, was den gesamten Orden betrifft. Sie ist also weit mehr als ein Ereignis im Leben der Person, welche ein solches Versprechen ablegt. In einem gewissen Sinn wird diejenige, die diese Verpflichtung auf sich nimmt, ein Karmelit, eine Karmelitin. Dabei sind jedoch stets die familiäre und arbeitsmässige Situation und die persönlichen Verpflichtungen zu berücksichtigen. Wie ich gesagt habe, handelt es sich um eine Angelegenheit der Kirche und des Ordens. Aus diesem Grund haben die Kirche und der Orden ein Wort dazu zu sagen, zusammen mit dem Kandidaten, der Kandidatin im Moment, wo die Verpflichtung auf sich genommen und gutgeheissen wird. Deswegen übrigens bestimmen die Kirche und der Orden die Bedingungen und die Worte des Inhaltes der Versprechen. Eine Person hat im Sinn, sich zu gewissen Praktiken zu verpflichten, wie zum Beispiel zur täglichen Meditation oder dem liturgischen Gebet. Es ist aber die Kirche, welche mittels des Ordens die grundsätzlichen Richtlinien für das Verständnis einer solchen Verpflichtung festlegt. 

Der Laienkarmelit gehört zum Karmel, nicht der Karmel zum Laien. Damit will ich sagen, dass eine neue Identität entsteht als Entwicklung der jenigen die der Christ in der Taufe erhalten hat und auf welche sich die neue notwendigerweise bezieht. Sowie die Kirche den Bezugsort für den Getauften darstellt, (denn der Getaufte gehört der Kirche) so wird der Karmel Bezugsort für den Laienkarmeliten. Je katholischer einer wird, umso mehr anerkennt er die Katholizität der Kirche. In dem Masse wie jemand Karmelit / Karmelitin wird, in dem Masse anerkennt er / sie die Katholizität des Karmels. Wer sich dem Karmel im Laienorden schenkt, der entdeckt, dass dieser für die eigene katholische Identität wesentlich geworden ist. 

Vom Zeitpunkt an, als die Versprechen das Mittel darstellen, welches jemanden zum Laienmitglied des Karmel machen, ist klar, dass die Grundausbildung wie auch die permanente Fortbildung von grösster Wichtigkeit sind. 

Ein wichtiger Aspekt der Verpflichtung, die mit dem Versprechen auf sich genommen wird, stellt der Einssatz für die Kommunität dar. Wer ein Mitglied des TKG sein will, muss im Stande sein, am Aufbau der Gemeinschaft mitzuhelfen, Teil einer Gruppe sein, die einem gemeinsamen Zweck dient. Ein TKG-Mitglied muss Interesse für die anderen Mitglieder bekunden, mithelfen beim Anstreben des Gebetslebens und auch die Hilfe der andern annehmen können. Das bezieht sich auch auf diejenigen, welche aus verschiedenen Gründen am Leben der Gemeinschaft nicht aktiv teilhaben können. Beim Aufbau der Zukunft der Gruppen ist eben dieser Sinn für Gemeinschaft wichtig, der gepflegt und gefördert werden muss. Es gibt viele introvertierte und stille Leute, die trotzdem recht viel Sinn für die Gemeinschaft besitzen und Extrovertierte, denen diese Fähigkeit abgeht. Hier ist vernünftiges Denken angezeigt und die Frage zu beantworten: In welcher Weise wird er / sie der zukünftigen Gemeinschaft in zehn Jahren behilflich sein? 

Es kommt auch vor, dass Mitglieder ausser der TKG anderen Bewegungen angehören, zum Beispiel den Neokatechumenalen, den Fokolaren, der marianischen Priesterbewegung, der Erneuerung durch den Geist. Solange wie die Beteiligung an diesen anderen Gruppen nicht mit der persönlichen Verpflichtung im Karmel in Konflikt gerät, ist dagegen nichts einzuwenden. Die Personen, welche ausser der TKG auch anderen Bewegungen angehören, dürfen aber keine Elemente in die Gruppe tragen, die mit der Spiritualität der TKG unvereinbar sind. In diesem Falle gibt es normalerweise keine Probleme. Diese entstehen erst dann, wenn jemand versucht, die Gruppe von ihrem speziellen Stil des geistlichen Lebens wegzuführen. Manchmal kommen aber derart konfuse Leute zum Karmel und berichten über unsere liebe Frau von Medjugorie und sprechen beim Gebetstreffen von Medjugorie über das theresianische Gebet. Wer also den Weg des Laienordens vom Karmel wählt, für den soll der Einsatz dafür der wichtigste sein und an erster Stelle stehen, also wichtiger als die Zugehörigkeit zu den anderen Bewegungen oder Gruppen. 

Mit der Hingabe an die Kirche mittels des Karmel ist ein Inhalt sowie eine Absicht verbunden. Sie werden aufgezeigt in den zwei am Schluss genannten Elementen meiner Beschreibung eines Laienkarmeliten. Das fünfte Element besteht im: Suchen des Antlitzes Gottes. Dieses Element kommt im Inhalt der Versprechen zum Ausdruck. Man könnte diesen Punkt auf viele andere Weisen ausdrücken wie beten, meditieren, eine Spiritualität leben. Ich habe den Ausdruck „Suchen des Antlitzes Gottes“ gewählt, weil es dabei um eine biblische Ausdrucksweise handelt, welche die Natur der Kontemplation ausdrückt, eine entzückte Betrachtung des Wortes und der Werke Gottes mit dem Ziel, ihn zu kennen, zu lieben und ihm zu dienen, immer im Bewusstsein, dass die Beschauung ein Geschenk Gottes ist und nicht das Resultat dafür, dass wir dem Gebet eine gewisse Zeit gewidmet haben. Das Gebet ist ein Einsatz zur persönlichen Heiligung. Der Laienkarmelit will Gott schauen, ihn kennen. Er anerkennt und weiss, dass Gebet und Betrachtung einen hauptsächlichen Platz einnehmen. Die Versprechen sind eine Verpflichtung für ein neues Leben, in welchem die Nachfolge Christi die Person und ihre Lebensweise bestimmt.  

Das persönliche Leben des Laienkarmeliten wird auf diese Weise kontemplativ. Der Lebensstil ändert sich mit der Zunahme der Tugenden, welche das geistige Wachstum begleiten. Es ist unmöglich, ein Leben des Gebetes, der Meditation und des Studiums zu leben ohne Veränderungen. Der neue Lebensstil beeinflusst das gesamte übrige Leben. Die Mehrzahl der Mitglieder der TKG welche verheiratet sind und eine Familie besitzen, bestätigen, dass die Mitgliedschaft zur TKG ihre partnerschaftlichen und familiären Verpflichtungen bereichert. Diejenigen Mitglieder der TKG, Frauen und Männer, welche im Arbeitsprozess stehen, empfinden eine neue moralische Verpflichtung für Gerechtigkeit am Arbeitsplatz. Die Alleinstehenden, Witwen oder Getrennten finden in der Verpflichtung zur Heiligkeit eine Gnaden- und Kraftquelle, um ihr Leben mit Hingabe zu gestalten, weil sie ein Ziel vor sich haben. Das ist ein direktes Ergebnis der Suche des Antlitzes Gottes. 

Besteht das Wesentliche des Karmels im Gebet? Diese Behauptung habe ich öfters gehört und gelesen. Ich bin nie sicher, wie ich darauf antworten soll. Dies nicht, weil ich nicht weiss, was das Gebet ist oder weil es nicht von grösster Wichtigkeit wäre für jeden Karmeliten, aber es ist mir nie klar, was jemand der dies sagt oder schreibt, mit dieser Aussage rechtfertigen will. Wenn man unter Gebet die persönliche Heiligkeit und das Suchen einer echten Geistigkeit versteht, welche die Oberhoheit Gottes und seines Willens für die gesamte Menschheitsfamilie anerkennt, dann bin ich einverstanden. Wenn man aber behauptet dass, wenn ich als Karmelit alle meine Verpflichtungen erfüllt habe, wenn ich regelmässig meine Gebete verrichte und glaube, dass daneben nichts gefordert werde, dann bin ich nicht einverstanden. Die persönliche Heiligkeit darf nicht verwechselt werden mit dem persönlichen Streben nach dieser. Für einen Getauften der zur Kirche gehört, ist die Heiligkeit immer eine kirchliche Angelegenheit, die niemals auf sich selber zentriert oder selbstgenügsam ist. Ich kann sie also niemals selber beurteilen. (Nemo judex in causa sua, niemand ist Richter in eigener Sache). 

Ich heilige mich, indem ich die Tugenden übe und dies ist das direkte Resultat eines Gebetslebens, bei welchem ich betend den Willen Gottes in meinem eigenen Leben suche. Das Gebet ist ein wesentliches Element der christlichen (karmelitanischen) Heiligkeit, denn des bedeutet einen häufigen Kontakt mit Gott, der zur Treue ihm gegenüber befähigt. Dieser Kontakt gibt Gott die Möglichkeit, seinen Willen in meinem Leben zu verwirklichen, sodass dieses für die ganze Welt eine Ankündigung der Gegenwart der Güte Gottes wird. Ohne den Kontakt mittels des Gebetes kann ich Gott gar nicht kennen und er kann von den andern nicht erkannt werden. 

Das Suchen des Antlitzes Gottes verlangt eine recht zähe Disziplin, gemeint im klassischen Sinne des Wortes „discipulus“, das Schüler bedeutet, also einer der lernt. Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ich immer ein Student bin. Ich werde nie ein Lehrer, ich bin immer überrascht von dem, was Gott auf der Welt vollbringt. Gott bleibt immer ein Geheimnis. Die Spuren der Existenz Gottes sind immer interessant für mich. Ich entdecke sie in den Vorkommnissen des Lebens als Einzelperson, Witwe, Ehefrau in der Familie, bei der Arbeit oder wenn ich pensioniert bin. Sie werden aber erst im Gebet sichtbar, indem ich alles im Herzen erwäge. Die Berufung zur Heiligkeit ist ein brennender Wunsch des Herzens wie auch des Verstandes für die Person, die zum Karmel berufen ist. Der Laie wird durch das Gebet angezogen und findet im Gebet sein Lebensfeld und seine Identität. 

Das Gebet, das Streben nach Heiligkeit, das Verweilen beim Herrn macht das Mitglied der TKG immer mehr zur Kirche gehörend. So wird das Leben des Laien, der ja zur Kirche gehört, immer kirchlicher. Indem das Gebetsleben zunimmt, trägt es Früchte im persönlichen Leben (durch Zunahme der Tugenden) und auch im kirchlichen Leben des Einzelnen durch das Apostolat. 

Das bringt mich zum sechsten Element der Definition: zum Wohle der Kirche und der Welt. Dies ist die echte Neuheit in der Entwicklung des Verständnisses der Rolle des Laienkarmeliten innerhalb des Ordens und der Kirche. Es ist dies das Resultat der Entwicklung der Theologie der Kirche über die Rolle der Laien innerhalb der Kirche und die Anwendung dieser Theologie innerhalb des Ordens. Es begann mit dem Konzilsdokument Ueber das Laienapostolat. Dieses wurde von der Synode über die Laien 1986 übernommen und fand seinen Niederschlag auch in Christi fideles laici und Vita consacrata 1996. Die Kirche hat beständig die Notwendigkeit eines vermehrten Einsatzes der Laien für die Kirche selber wie für die Welt betont. Die hl. Teresa war überzeugt, dass die einzige Prüfmethode für das Gebet die Zunahme der Tugenden sei und dass die obligatorische Frucht eines wahren Gebetslebens das Aufblühen guter Werke darstelle. 

Manchmal höre ich von Laien sagen: das einzige Apostolat des Laien ist das des Gebetes. Das Wort „einzig“ macht die Aussage falsch. Eine betende und gehorchende Haltung des Laien in Bezug auf die Dokumente der Kirche bringt Klarheit darüber, dass die Rolle der Laien in der Kirche sich verändert hat. Die Lebensordnung sagte, dass jeder Laienkarmelit ein individuelles Apostolat auszuüben habe. Das Schreiben: Christifideles laici unterstreicht die Notwendigkeit des Gruppenapostolates innerhalb der kirchlichen Vereinigungen und die TKG ist eine solche. Viele Laien denken, wenn ich davon spreche, meine ich damit eine Verpflichtung, welche die gesamte Fraternität übernimmt. Doch ist absolut nicht das gemeint mit „Gruppenapostolat“. Im Paragraph 30 des Schreibens Christifideles laici werden die Grundprinzipien der Kirchlichkeit der kirchlichen Vereinigungen und die Früchte die diese hervorbringen aufgeführt. Die erste Frucht besteht in einem neuerlichen Wunsch zum beten, meditieren und zur Kontemplation, sowie zum sakramentalen Leben. Das sind die rechten Dinge für den Weg im Karmel. Wie viele Personen benötigen das, was unsere Kirchenlehrer zu sagen haben! Wenn jeder Karmelit besorgt wäre, die Botschaft des Karmels zu verkünden, wie viele Leute wären dann nicht derart konfus in ihrem geistlichen Leben! Beim Betreten einer grossen Buchhandlung genügt es, einen Blick zu werfen auf das Regal Mystik und Mystizismus. Man staunt über all den Schmarren, der dort angeboten wird. 

Jede TKG sollte als Kommunität die Frage beantworten: Was können wir tun, um mit anderen das zu teilen, was wir im Karmel bekommen haben? Wir können als Karmeliten mithelfen, die Verwirrung zu entwirren, indem wir bekannt machen, was wir wissen. Das ist nicht eine Eventualität, sondern eine Verantwortung. Karmelit zu sein bedeutet kein Privileg, sondern vielmehr eine persönliche sowie eine kirchliche Verantwortung. 

Wie ich einleitend betont habe, sind es nicht die einzelnen Elemente, welche bei der Unterscheidung helfen, ob jemand zum Karmelit in der Welt berufen ist. Es ist die Kombination all dieser Elemente, die eine Differenzierung ermöglichen.

     
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Updated 17 gen 2005  by OCD General House
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