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Johannes Paulus II
750. Jahrestag der Übergabe
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An die Hochwürdigen Patres Joseph
Chalmers und
Camilo
Maccise 1. Das providentielle Gnadenereignis, welches für die Kirche das Jubiläumsjahr gewesen ist, läßt sie mit Zuversicht und Hoffnung auf den im neuen Jahrtausend gerade eingeschlagenen Weg blicken. „Am Beginn dieses neuen Jahrhunderts muß unser Schritt schneller werden“, habe ich in meinem Apostolischen Schreiben Novo millenio ineunte geschrieben. „Es begleitet uns auf diesem Weg die allerseligste Jungfrau Maria, der ich...das dritte Jahrtausend anvertraut habe“. [1] Mit großer Freude
habe ich deshalb vernommen, daß sowohl der Stammorden als auch der
Reformzweig des Karmel seine kindliche Liebe zu seiner Patronin dadurch
zum Ausdruck bringen wollen, daß er ihr als der Blume des Karmel („Flos
Carmeli“), der Mutter und Führerin auf dem Weg der Heiligkeit, das
Jahr 2001 zu weihen gedenkt. Diesbezüglich kann ich es nicht
unterlassen, auf ein glückliches Zusammentreffen hinzuweisen: Die Feier
dieses marianischen Jahres für den gesamten Karmel fällt, wenn wir
einer ehrwürdigen Überlieferung des Ordens folgen, mit dem 750.
Jahrestag der Übergabe des Skapuliers zusammen. Deshalb bietet diese
Feier der gesamten karmelitanischen Ordensfamilie nicht nur eine
wunderbare Gelegenheit, um ihre marianische Spiritualität zu vertiefen,
sondern auch um sie immer mehr im Licht der Stellung zu leben, welche
die jungfräuliche Mutter Gottes und der Menschen im Geheimnis Christi
und der Kirche einnimmt, und ihr, dem „Stern der Neuevangelisierung“,
zu folgen.
[2]
2. Von den Anfängen bis heute haben die verschiedenen Generationen des Karmel auf ihrem Weg zum „heiligen Berg, Jesus Christus, unserem Herrn“ [3] , ihr persönliches Leben nach dem Vorbild Marias zu formen versucht. Deshalb entfaltet sich
im Karmel, wie auch in jeder von zärtlicher Zuneigung zur Jungfrau und
heiligen Mutter bewegten Seele, der kontemplative Aufblick zu ihr, die
es von Anfang an verstanden hat, für das Hinhören auf das Wort Gottes
offen und seinem Willen gehorsam zu sein
[4]
. Maria war in der Tat vom Geist gebildet und geformt
[5]
; sie verstand es, ihre persönliche Geschichte im Glauben zu
lesen
[6]
, und gefügig gegenüber den göttlichen Weisungen „ging
auch sie den Pilgerweg des Glaubens und hielt ihre Vereinigung mit dem
Sohn in Treue bis zum Kreuz, wo sie nicht ohne göttliche Absicht stand
[7]
, heftig mit ihrem Eingeborenen litt und sich mit seinem
Opfer in mütterlichem Geist verband“.
[8]
3. Der kontemplative Blick auf die Jungfrau zeigt, wie sie als sorgende Mutter ihren Sohn in Nazareth heranwachsen sieht [9] , ihm auf den Wegen Palästinas folgt, bei der Hochzeit von Kana [10] und unter dem Kreuz bei ihm ist, und dadurch zur Mutter wird, sich mit seiner Hingabe vereint und durch ihre von Jesus selbst an seinen Lieblingsjünger [11] vollzogene Übergabe allen Menschen geschenkt wird. Als Mutter der Kirche ist die heilige Jungfrau mit den Jüngern „in beständigem Gebet“ vereint [12] , und ist als neue Frau, an der vorweggenommen ist, was eines Tages im vollen Genuß des trinitarischen Lebens an uns allen geschehen soll, in den Himmel aufgenommen worden; von dort aus breitet sie den Schutzmantel ihrer Barmherzigkeit auf alle ihre Töchter und Söhne aus, die unterwegs sind zum heiligen Berg der Herrlichkeit. Eine ähnliche kontemplative Erhebung von Herz und Sinn führt zur Bewunderung der Glaubenserfahrung und Liebe der Jungfrau, die in sich bereits lebt, was jeder Gläubige im Geheimnis Christi und der Kirche zu verwirklichen hofft und wünscht. [13] Deshalb haben die Karmelitinnen und Karmeliten Maria zu Recht zu ihrer Patronin und geistlichen Mutter erwählt und haben sie, die reinste Jungfrau, die alle zur vollkommenen Kenntnis und Nachfolge Christi geleitet, immer vor Augen. Auf diese Weise
erwachsen vertraute geistliche Beziehungen, die die Verbundenheit mit
Christus und Maria immer mehr vertiefen. Für die Mitglieder der
Karmel-Familie ist die jungfräuliche Mutter Gottes und der Menschen
nicht nur ein nachahmenswertes Vorbild, sondern auch eine stets
gegenwärtige Mutter und Schwester, auf die wir vertrauen dürfen. Mit
Recht ermahnt uns die hl. Teresa von Jesus: „Ahmt Maria nach und
bedenkt, wie groß die Herrlichkeit dieser Herrin sein muß und der
Vorzug, sie zur Patronin zu haben“.
[14]
4. Dieses reiche, an Maria ausgerichtete Leben, das im vertrauensvollen Gebet, überschwenglichem Lob und gewissenhafter Nachfolge seinen Ausdruck findet, läßt verstehen, daß die echteste Form der Verehrung der Allerseligsten Jungfrau – ausgedrückt im bescheidenen Zeichen des Skapuliers – die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz ist. [15] Im Herzen nämlich vollzieht sich eine wachsende Verbundenheit und Vertrautheit mit der Seligen Jungfrau, „als neue Weise, um mit Gott zu leben und hier auf Erden die Liebe ihres Sohnes Jesus zu seiner Mutter Maria fortzusetzen“. [16] Das versetzt uns mit den Worten des sel. Karmeliten und Martyrers Titus Brandsma in einen tief empfundenen Gleichklang mit Maria, der Theotokos, indem wir wie sie zu Vermittlern des göttlichen Lebens werden: „Auch uns schickt der Herr seinen Engel...Auch wir müssen Gott in unseren Herzen empfangen, ihn in unseren Herzen tragen, ihn in uns nähren und heranwachsen lassen, damit er von uns geboren werde und als Gott-mit-uns, als Emmanuel, mit uns lebe“. [17] Dieses reiche
marianische Erbe des Karmel ist durch die Verbreitung der
Skapulierfrömmigkeit im Lauf der Zeit zum Schatz der ganzen Kirche
geworden. Wegen ihrer Schlichtheit, ihres anthropologischen Wertes und
ihres Bezuges zur Bedeutung Marias für die Kirche und die Menschheit
ist diese Frömmigkeitsform vom Volk Gottes bereitwillig und in großem
Umfang aufgenommen worden, so daß sie schließlich mit der Feier am 16.
Juli Aufnahme in den liturgischen Kalender der Gesamtkirche gefunden hat.
5. Das Zeichen des Skapuliers erweist sich als aussagekräftige Synthese marianischer Spiritualität, die die Frömmigkeit der Gläubigen nährt und sie für die liebende Gegenwart der jungfräulichen Mutter in ihrem Leben empfänglich macht. Das Skapulier ist seinem Wesen nach ein „Habitus“ [18] . Wer es empfängt, wird in einem mehr oder weniger intensiven Grad dem Orden des Karmel, der sich zum Wohl der Kirche dem Dienst Mariens geweiht hat, angegliedert oder assoziiert. [19] Wer sich mit dem Skapulier bekleidet, wird demnach in das Land des Karmel geführt, um „dessen Früchte und Güter zu genießen“ [20] , und erfährt im täglichen Bemühen, sich innerlich mit Jesus Christus zu bekleiden und ihn zum Wohl der Kirche und der gesamten Menschheit als Lebenden zu bezeugen, die zärtliche und mütterliche Gegenwart Marias. [21] So sind es also zwei
Wahrheiten, die durch das Zeichen des Skapuliers wachgehalten werden:
Einerseits der beständige Schutz der Allerseligsten Jungfrau, und zwar
nicht nur auf unserem Lebensweg, sondern auch beim Übergang in die
Fülle ewiger Herrlichkeit, andererseits das Bewußtsein, daß die
Verehrung Marias sich nicht auf Gebete und Übungen zu ihrer Ehre in
manchen Lebenslagen beschränken darf, sondern zu einem „Habitus [22]
“ werden muß, also zu einer beständigen Ausrichtung der
persönlichen Lebensführung als Christ, die im häufigen Empfang der
Sakramente und der Ausübung der geistlichen und leiblichen Werke der
Barmherzigkeit ihre Grundlage hat. Auf diese Weise wird das Skapulier
zum Zeichen des „Bundes“ und der gegenseitigen Verbundenheit
zwischen Maria und den Gläubigen. In ihm wird greifbar zum Ausdruck
gebracht, wie Jesus vom Kreuz aus dem Johannes, und in ihm uns allen,
seine Mutter übergab, und wie sich ihr der Lieblingsjünger und mit ihm
wir alle vertrauensvoll anheimgeben, so daß sie zu unserer geistlichen
Mutter wird.
6. Leuchtendes Beispiel dieser marianischen Spiritualität, die die Menschen innerlich formt und Christus als dem Erstgeborenen von vielen Brüdern angleicht, sind die Zeugnisse der Heiligkeit und Weisheit der vielen Heiligen des Karmel, die alle im Schatten und unter dem Schutz dieser Mutter herangewachsen sind. Auch ich trage seit langer Zeit das Skapulier des Karmel! Aus Liebe zur gemeinsamen himmlischen Mutter, deren Schutz ich beständig verspüre, wünsche ich, daß dieses marianische Jahr allen Schwestern und Brüdern des Karmel und allen frommen Gläubigen, die sie kindlich verehren, helfe, in der Liebe zu ihr zu wachsen und in der Welt die Gegenwart dieser Frau des Schweigens und Betens zu verbreiten, die wir als Mutter der Barmherzigkeit und als Mutter der Hoffnung und Gnade anrufen. Mit diesen Wünschen
erteile ich allen Brüdern und Schwestern, sowie auch allen
Laienmitgliedern der Karmel-Familie, die im Volk Gottes zur Verbreitung
der wahren Verehrung Marias, dem Stern des Meeres und der Blume des
Karmel („Flos Carmeli“), eifrig beitragen, von Herzen meinen
Apostolischen Segen!
Aus dem Vatikan, 25.
März 2001
Johannes
Paul II. [1]
Nr. 58. |


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